28 April 2020 | Energie

Widerstand gegen Baynes-Projekt

Namibia und Angola treiben Wasserkraftwerk im Kunene-Fluss erneut voran

Namibia hat sich mit seinem Nachbarn im Norden, Angola, auf die Entwicklung des Baynes-Projektes im Lauf des Kunene-Flusses geeinigt. Unterstützt von namibischen Zivilgesellschaftsorganisationen flammt der jahrelange Widerstand der ortsansässigen Ovahimba-Stämme gegen das hydrologische Projekt erneut auf.

Von Frank Steffen, Windhoek

Wenig beachtet, hatten sich Namibia und Angola während des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie, im Rahmen eines bilateralen Abkommens geeinigt, den Bau des grenzüberschreitenden Baynes-Wasserkraftwerks im Kunene-Fluss vorzunehmen. „Das Wasserkraftwerk Baynes ist ein sehr wertvoller Stromerzeuger, der das Potenzial hat, Namibia und Angola über Generationen hinweg mit zuverlässigem und sauberem Strom zu versorgen, sodass sich die geschätzte Investition von 1,2 Milliarden US-Dollar (knapp 23 Milliarden N$) lohnt“ heißt es auf der Internetseite des staatlichen Stromversorgers NamPower.

Die beiden Länder wollen den Bau des sogenannten Baynes-Staudammes und -Wasserkraftwerks gegen Ende des Jahres 2022 in Angriff nehmen. Bis dahin soll der Finanzplan unter Dach und Fach sein. Die für das Kunene-Flussbecken verantwortliche, bilaterale Ständige Gemeinsame Technische Kommission (PJTC), wird von Simeon Negumbo, dem namibischen Staatssekretär des Ministeriums für Bergbau und Energie, angeführt. Laut Negumbo, soll die Anlage 600 MW Strom erzeugen, welches in gleichen Teilen an die beiden Nachbarländer gehen soll. Dabei werde die Möglichkeit untersucht, den Strom an andere Nachbarländer zu verkaufen. Er rechnet mit einer Inbetriebnahme der vollständigen Anlage im Zeitraum 2028 bis 2029.

Der Bau des Dammes geriet immer wieder in die Kritik, da er vor allem die traditionellen Wohngegenden des Ovahimba-Stammes überschwemmen würde. Dieser weiterhin traditionell-lebende Teil des Herero-Volkes ist im Kaokoveld ansässig, im Nordwesten Namibias. Es geht dabei einerseits um die Stammesgebiete der einzelnen Clans, aber auch um die traditionellen Weidegebiete und Begräbnisstätten eines Volkes, das seinen starken Hang zur Tradition entlang des Kunene-Laufs beibehalten hat.

Dementsprechend haben die Zivilgesellschaftsorganisationen Earthlife Namibia, International Rivers und das Epupa-Hegegebiet eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, worin moniert wird: „Das Abkommen ist ohne Konsultation der einheimischen Himba- und Zemba-Bevölkerung Namibias, die durch das Projekt unweigerlich vertrieben werden, zustande gekommen. Darüber hinaus gibt es keine öffentlich-zugänglichen und aktuell-technischen Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudien (ESIA). Sogar die Finanzierung wird geheim gehalten.“ Die Organisationen fordern öffentliche Anhörungen, an denen alle Interessenträger beteiligt sind.

Das Projekt ist Teil des Generalentwicklungsplanes zwischen den Regierungen in Angola (damals Portugal) und Namibia (unter südafrikanischer Herrschaft) im Jahr 1969, welcher die optimale Nutzung des Kunene-Flusses hinsichtlich der Wassermengen sowie des hydrologischen Potenzials vorsah - der Plan war 1991 von den mittlerweile unabhängigen Ländern ratifiziert worden.

In Bezug auf die Entwicklung der Wasserkraft lautete die Empfehlung der Studien dahingehend, dass Ruacana als erstes Wasserkraftwerk im niederen Kunene-Fluss gebaut werden sollte, gefolgt vom Epupa-Projekt, das zu jener Zeit noch als zweistufige Entwicklung vorgesehen war, Epupa 1 und 2. Das Hauptregulierungsreservoir sollte etwa auf Höhe der Epupa-Fälle entstehen und gemäß wachsender Stromnachfrage stromabwärts von Epupa, an den Standorten Baynes und Marienfluss, ausgebaut werden.

Der Bau des Staudammes Gove in Angola (südlich von Huambo) sowie des Wasserkraftwerks bei den Ruacana-Fällen und auch der Calueque-Damm wurden als Teil des Planes umgesetzt - letztere beide zum maßgeblichen Vorteil des heutigen Namibias.

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