20 November 2019 | Meinung & Kommentare

Wenn Wut die Angst besiegt

Es ist ein Anfang, wenn auch ein kleiner. Aber immerhin ein Beginn, der zur Keimzelle des Protests gegen eine zunehmend als korrupt geltende Regierung und damit zur Gefahr für die SWAPO werden könnte.

Ja, rund 300 Demonstranten in Windhoek stellen keine Bedrohung für den Machterhalt der regierenden Partei dar. Aber sie zeigen was möglich ist, wenn Wut gegen Angst gewinnt. Wenn der Ärger über die Flut an Fällen vermeintlicher Selbstbereicherung die Furcht davor verdrängt, ein Plakat in die Hand zu nehmen und öffentlich laut Genug! zu rufen.

Und diese Angst ist allgegenwärtig. Weil der Protest gegen Korruption zwangsläufig ein Protest gegen die SWAPO ist. Weil es deren Funktionäre sind, die Schlüsselstellen im Staat besetzen, die überall dort sind, wo Bestechungsgeld fließt, wo Aufträge gegen Schmiergeld vergeben werden, wo Politiker im Gegenzug für Fischfang-Quoten angeblich die Hand aufhalten.

Wer keinen Einfluss hat, hat keine Möglichkeit zur Vorteilsannahme. Und wer hierzulande eine wie auch immer geartete Macht ausübt, muss Mitglied der SWAPO sein oder ihr nahestehen. Wenn dieser Grundsatz zutrifft, muss die Schlussfolgerung gelten, dass das Phänomen der Korruption vor allem ein politisches Problem der SWAPO ist.

Was folgt daraus für deren Sympathisanten, die ihrer Partei seit der Unabhängigkeit die Treue halten und ihr bei jeder Wahl aufs Neue mit ihrer Stimme für das Geschenk der Selbstbestimmung danken? Sie können versuchen, sich weiter auf die historischen Verdienste der ehemaligen Befreiungsbewegung zu konzentrieren, oder sich eingestehen, dass diese nicht mehr ist, was sie einst war.

Und dafür braucht es Mut. Weil der bei Demonstrationen öffentlich zur Schau gestellte Liebesentzug zum Verlust der eigenen Arbeit im Regierungsdienst führen, oder die eigene Bewerbung bei der Ausschreibung von Staatsaufträgen sabotieren kann. Ein Anfang ist gemacht. Ob daraus eine Bewegung entsteht, wird vom Mut der Namibier abhängen.

Marc Springer

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