17 Mai 2019 | Meinung & Kommentare

Wenn Unrecht verdrängt wird

Anerkennung und Rehabilitation. Das ist alles, was die ehemaligen SWAPO-Dissidenten fordern, die über Jahre in den sogenannten Lubango-Kerkern gefangen gehalten und gefoltert wurden.

Das ist der berechtigte Anspruch von Menschen, die bis heute als angebliche Spione stigmatisiert, die weiterhin ausgegrenzt und geächtet werden, während ihre Peiniger straffrei davongekommen sind.

Es geht ihnen nicht um finanzielle Entschädigung oder eine strafrechtliche Verfolgung früherer Weggefährten, die von Paranoia erfasst auch in den eigenen Reihen überall Feinde vermutet und geglaubt haben, diesen durch primitivste Gewaltanwendung ein Geständnis abringen zu müssen. Es geht ihnen einzig und allein darum, sich selbst von dem Verdacht zu befreien, mit dem südafrikanischen Apartheidregime kollaboriert und den Befreiungskampf verraten zu haben.

Und es ist ihnen verständlicher Weise wichtig, von der Regierung eine Entschuldigung, eine Bestätigung dafür zu erhalten, dass ihnen Unrecht geschehen ist.

Wenn Präsident Hage Geingob fordert, die Überlebenden der Kerker sollten vergeben und vergessen, sollten den Blick nach vorne richten und nicht der Vergangenheit verhaftet bleiben, verkennt er, was für eine übermenschliche Anstrengung er von ihnen verlangt. Denn ohne Anerkennung von Schuld ist keine Sühne möglich, wo Unrecht verdrängt und Leid verharmlost wird, ist ausgeschlossen, dass die nur dünn vernarbten Wunden der Vergangenheit heilen können und mit der Absolution die Versöhnung folgen kann. Wer sich diesem Vorgang verweigert, der straft all jene ein weites Mal, die bereits unschuldig zu Opfern wurden.

Marc Springer

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