19 April 2021 | Politik

Wenn nicht jetzt, wann dann … ?

Namibier deutscher Herkunft gründen Forum

Infolge der Corona-Beschränkungen findet in dieser Woche die bereits vor zwölf Monaten anvisierte Gründung des Forums Deutschsprachiger Namibier statt, mit einem Jahr Verzögerung. Zeitgleich ist die Gründungsversammlung für Windhoek und Swakopmund angesagt: Donnerstag, 22. April 2021, 18 Uhr.

Von Eberhard Hofmann

Windhoek

Der Lenkungsausschuss des Forums hatte bereits vor einem Jahr gründliche Vorbereitungen getroffen. Neben dem Konzept der Statuten hatte es auch eine gezielte Umfrage bei einer öffentlichen Versammlung sowie eine stichprobenartige Erhebung unter Deutschsprachigen gegeben, ob eine Interessenvertretung mit souveräner Stimme der Namibier deutscher Sprachzugehörigkeit sinnvoll, zweckmäßig und erwünscht sei. Das öffentliche Echo war mehrheitlich für die Gründung einer repräsentativen Körperschaft, die am öffentlichen Diskurs, notfalls über Schlagabtausch, über politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragen teilnimmt und Standpunkte sowie Stellungnahmen bis zu den Entscheidungsträgern der Gesellschaft trägt.

Gegner dieser Initiative beanstanden, dass Anliegen dieser Art über die bestehenden politischen Parteien in die Nationalversammlung, bzw. ins Kabinett gelangen sollten. Individuen mit entsprechender Zivilcourage sind rar, so dass es den Gründern sinnvoller erscheint, eine handlungsfähige, politisch mündige Körperschaft mit klarer Zielsetzung zu etablieren, die das Mandat ihrer Mitglieder ausführt. Deutschsprachige Namibier sind während der vergangenen Jahre sowohl aus eigenen Reihen als auch aus anderen der rund 15 namibischen Sprachgruppen und politischen Parteien kritisiert worden, dass sie nicht gehört würden, dass sie sich scheuten, zu brisanten nationalen Themen offen Stellung zu beziehen, dass sie sich allein um materiellen Belange kümmerten, politisch aber höchstens fadenscheinig erschienen, gerade in einer Zeit, da der namibische Staat – samt der Gesellschaft - immer mehr durch Korruption, Verschuldung und Vetternwirtschaft in die Bredouille gerät.

Während der vergangenen 100 Jahre haben die Deutschsprachigen bereits zweimal mit einer ähnlichen Interessenvertretung auf Herausforderungen ihrer Zeit reagiert. Der Deutsche Bund zwischen den beiden Weltkriegen hat sich u. A. gegen die Einverleibung Südwestafrikas als 5. Provinz Südafrikas gewehrt und ist für eine „Mandatsbürgerschaft“ eingetreten. In den dreißiger Jahren war der Bund auch dem Zeitgeist ausgesetzt, der mit Einsatz von NS-Agenten aus Deutschland unter den damaligen Südwestern die Gleichschaltung unter dem Führerprinzip betreiben wollte. Der 2. Weltkrieg und die Internierung deutschsprachiger Männer in südafrikanischen Gefangenenlagern bereiteten dem Deutschen Bund ein Ende.

Nach dem 2. Weltkrieg und dem Ende der Internierung mit knapp entgangener Deportation vieler Ex-Internierter und nach Jahre langem Deutsch-Sprachverbot an Staatsschulen haben die Deutschsprachigen bis in die siebziger Jahre hinein weitgehend politische Abstinenz geübt, als politische „bywoner“ der Gesellschaft. Die Gründung der Interessengemeinschaft Deutschsprachiger Südwester (IG) in der Zeit der Turnhallenkonferenz 1977 sowie mehr Engagement in politischen Parteien brachten eine Wende.

Nach dem redlich glatten Übergang in die Unabhängigkeit schlug das Pendel in der Sprachgruppe allmählich wieder in die Absonderung und politische Apathie aus, bis sich seit ca. zwei Jahren die Überzeugung eine Bahn gebrochen hat, dass zu den Vorzügen der namibischen Existenz und privilegierten Lebensart auch gesellschaftspolitisches Engagement und Mitverantwortung für die Geschicke des Landes gehören.

Es ist in diesem Rahmen, dass der Lenkungsausschuss des nun anvisierten Forums mit Unterstützung des Gesprächskreises von Swakopmund und der Namibisch-Deutschen Stiftung (NaDS) die Initiative ergriffen hat, eine repräsentative Körperschaft zu gründen. Am Donnerstagabend, 18 Uhr ist es so weit im Gemeindezentrum der DELK, Windhoek, und im Saal des Swakopmunder Museums. Beide Lokale sind zeitgleich elektronisch vernetzt. Anmeldungen werden wegen der Corona-Bestimmungen erbeten, da jedes Lokal nicht mehr als 100 Personen aufnehmen darf. Anmeldungen erfolgen über folgende Email-Anschriften: [email protected] und [email protected] - Harald Hecht: Mobil: +264 (0) 81 127 1305 und Anton von Wietersheim: Mobil: +284 (0)81 129 7531

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