20 Juli 2020 | Meinung & Kommentare

Wenn nicht endemisch, was dann?

Der namibische Präsident hat wiederholt behauptet, dass die Korruption in Namibia nicht als endemisch beschrieben werden könne. Der Duden spricht von dem Wort endemisch als „örtlich begrenzt auftretend“. Wikipedia erklärt es als „fortwährend gehäufte Fälle einer Krankheit in bestimmter Region oder Population.“ Namibia lebt es einfach vor.

Hier legt die Regierung dem staatlichen Pensionsfonds GIPF nahe, hunderte von Millionen an Unternehmen als KMU-Firmendarlehen zu verleihen, um nach Jahren stolz zu berichten, dass immerhin nicht alle Gelder verlorengingen. Das dürfte die Eigentümer dieser veruntreuten Gelder, also alle Staatsbeamte, ungemein beruhigt haben.

Was von den bald lächerlich anmutenden 30 Mio. N$ vom Sozialversicherungsfonds, die beim Avid-Skandal verlorengingen? Oder die Gelder der SME-Bank, die an dubiose Geschäftemacher aus Südafrika und Simbabwe gingen, um scheinbar doch den Weg nach Namibia zurückzufinden (an diverse „connected“ Parteien) - aber nicht zurück an die Eigentümer.

Man kann nahezu für jede Ebene und Abteilung des Staates sowie der Regional- und Lokalverwaltungen ein Thema herauspflücken: Holzschlag im Kavango, im Gericht angefochtene Straßenbauaufträge in nahezu jeder Region, überteuerte Lokusse im Norden, Hospitäler und Staatsgebäude, die als Bauruinen verrotten, eine Hafenentwicklung, die ungenehmigt Multi-Milliarden verschluckt, usw. Und jetzt der 5G-Schlamassel, der in Windhoek mehr und mehr zum Himmel stinkt, in der Art, wie es auch der Fishrot-Skandal tat und tut!

An den Universitäten wird seit Jahren das Fach Ethik gelehrt. Vielleicht sollte man mal die gesammelte Mannschaft (also alle namibische Politiker) zu einem solchen Lehrgang verpflichten. Damit diesen Leuten mal ihre Pflicht als Treuhänder von Steuergeldern (inklusive der Pensionsgelder des GIPF) erklärt wird. Wer momentan die Korruption in Namibia als nicht-endemisch einstuft oder sie eben nicht als allgegenwärtig erkennen will, stellt sich selbst in den Lichtpunkt.

Frank Steffen

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