29 Februar 2008 | Leserbriefe

Welche Freiheit hat der Tourist?

Wieder einmal wurden Besucher Namibias überfallen, wieder einmal reagiert die Tourismusbranche entsetzt und wieder einmal der gleiche Satz: "Wir verurteilen das aufs Schärfste." Man warnt - wieder einmal - vor Panikmache und versichert, Namibia ist ein sicheres Land. Die Regierung ist vermutlich ebenso entsetzt und verurteilt das Geschehen. Die Polizei ist oft überfordert (oder wie soll man es nennen?), und hat sie endlich einen erfolgreichen Zugriff zu vermelden, laufen die Täter nach Zahlung einer lächerlichen Kaution wieder frei herum und rauben den Nächsten aus. Vielleicht fehlt auch deshalb den Gesetzeshütern oftmals die nötige Motivation?!

Jedem, auch der Tourismusbranche, ist die steigende Kriminalität im Land bekannt und es wäre angebracht, den Worten Taten folgen zu lassen. Jeder Tourist ist Gast in Namibia und verhält sich hoffentlich auch so. Es sollte selbstverständlich sein, den Gast in seinem "Heim" so gut als möglich vor Gefahren zu schützen. Dies gilt auch für Campingfreunde und nicht nur für betuchte Lodge-Besucher.

Die betroffene Okondjima Lodge nimmt in der Hauptsaison für Halbpension rund N$ 2500, natürlich pro Person pro Nacht. Ein Ehepaar bezahlt somit pro Tag etwa 500 Euro und für eventuell gewünschte Aktivitäten werden pro Fahrt weitere 70 Euro fällig. Die zahlreichen Angebote im Internet zeigen ein ähnliches, oftmals noch ein erheblich höheres Preisniveau. Es fällt schwer zu glauben, dass bei diesen Preisen ein gut ausgebildeter Wachmann für den Campingplatz die Betreiber von Lodges, Wildfarmen etc. in den Ruin treiben wird. Doch bei den paar "Kröten", die ein Camper bezahlt, lohnt sich der Aufwand wohl nicht. Eine Tatsache wird offensichtlich völlig ignoriert: Auch der Campinggast erzählt zu Hause von seinen Erlebnissen, nicht zuletzt Freunden, die vielleicht eine teurere Lodge buchen wollen. Campingtouristen lieben diese Art zu reisen, unabhängig vom finanziellen Hintergrund. Müssen sie sich deshalb einem erhöhten Risiko aussetzen?

Ja, es geht wieder ein Stück Freiheit verloren, aber was ist wichtiger? Was kann man denn noch als Freiheit bezeichnen? Ist es Freiheit, wenn man nicht mehr unbeschwert durch Windhoeks Straßen schlendern kann, am Hinterkopf auch noch Augen haben sollte und Fotos am besten aus dem Auto macht, um dann sofort wieder die Fenster zu schließen? Ist es Freiheit, wenn man unterwegs vielleicht besser nicht anhält, um das Panorama des Kuiseb zu fotografieren? Ist es Freiheit, wenn man einen Rastplatz sorgfältig, möglichst ohne Büsche wählen muss, um sich dann immer noch unsicher umzusehen, ob sich nicht irgendjemand anschleicht? Ist es Freiheit, wenn die Bewohner Namibias mit Stacheldraht, Alarmanlage und Sicherheitsfirmen ihr Eigentum schützen müssen? Auch in Deutschland ist die Kriminalität hoch, aber abgesehen von einschlägig bekannten Vierteln kann sich der Normalbürger immer noch weitgehend ungefährdet durch die Straßen bewegen.

Der Besucher verlangt mit Recht auch ein gewisses Maß an Sicherheit. Nachdem die Regierung die steigende Kriminalität nicht in den Griff bekommt, sollten die Unternehmer tätig werden und einen kleinen Teil ihres (knappen?!) Gewinnes opfern. Oder wird der Tourist nur noch als nützliche Melkkuh wahrgenommen.

Wir besuchen Namibia seit 1978, haben dieses herrliche Land bisher 18 Mal kreuz und quer bereist und sind ihm nach wie vor herzlich verbunden. Wir sehen die Veränderungen sehr wohl - vieles zum Guten, manches zum Schlechten. Auch wir sind Camper seit der "ersten Stunde". Jahrelang sind wir alleine durch die Lande gefahren, wir fühlten uns nie bedroht, aber die steigende Kriminalität hat auch uns (alte Hasen) zu der Überzeugung gebracht, mit einem erfahrenen Tourguide auf Reisen zu gehen. Wir werden auch dieses Jahr Namibia wieder besuchen, auch wenn wir irgendwann - hoffentlich nicht - zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein sollten.

Theresia Brixler, München

Anm. der Red.: Der Leserbrief wurde gekürzt.

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