03 September 2020 | Glosse

Wasserhelden ham Gold abgekriegt

Der Heldengedenktag is grad vorbei mit dem darauffolgenden Auftakt und den Einstieg in die weitere, diesmal landesweite Corona-Sperre. Von den in die Länge gezogenen Härten wollen wir jetzt net nich reden. Aber diesmal hat Omupräsidente III biekie Gnade gegenüber den Trinkern und Genießern walten lassen, denn die Bottle-Store dürfen ja zu limitierten Stunden im Gegensatz zum Mai-Lockdown gutes sowie fuseliges Getränk verkaufen.

Natürlich wurden zum Heldentag wie üblich Struggle-Kämpen geehrt, wobei wir vor einer Woche schon begrüßt ham, dass !Gôahesab Hage Gottfried Geingob endlich auch einmal zivile Helden ehrt, nämlich Krankenpfleger, beiderlei Geschlechts, versteht sich, die sich um Corona-Patienten kümmern und somit der Ansteckungsgefahr selbst mit Schutzkleidung viel eher ausgesetzt sind als unsereins, die wir mit Masken und Maulbinden rumlaufen, ohne das Maul zu halten.

Just vor 50 Jahren konnte die (All)Gemeine Zeitung ohne politisches Pathos oder Heldengefloskel über Windhoeker sowie wissenschaftliche Helden berichten, die aber nich beim persönlichen Namen genannt wurden. Nur ihren Auftraggeber hat die Zeitung erwähnt, die Stadt Windhoek nämlich. Die heldenhaften Wissenschaftler und Ingenieure haben Ovenduka damals zur weltweit ersten Stadt gemacht, die aus Abwasser, sprich aus städtischem Sudel, klares Trinkwasser gewinnt. Die Stadt hat nur sehr wenige Nachahmer.

Für diese innovative und höchst anwendbare Leistung, ohne die die Windhoeker, ob betucht in Ludwigsdorf hinter Stacheldraht verschanzt lebend oder eingeengt in Squatter-Pontocks in Donkerhoek und Goreangab hausend, net nich mehr auskommen können – also für dieses revolutionäre Recycling, wie man heute sagt, ham die hier tätigen Wissenschaftler und Ingenieure die Goldmedaille der Wissenschaftlichen und Technischen Gesellschaft Südafrikas erhalten. Diese Auszeichnung wurde damals übrigens nich jährlich und auch nich sommer so verliehen, denn unter den wenigen Empfängern jener Jahre befanden sich lediglich das Herzchirurgen-Team des Groote Schuur-Krankenhauses von Prof. Chris Barnard und die Retter der Kumpel im Gruben-Unglück der West-Driefontein-Mine.

In der namibischen Hauptstadt trinken wir – wenn wir hier den Hahn aufdrehen - seither das berühmte Windhoeker Cocktail, besehend Dammwasser, Grundwasser und zu rund 20 Prozent aus feinst geklärtem Abwasser. Wir wiederholen hier mit Gewissheit, dass die Windhoeker Stadträte der sechziger Jahre bewusst den Bau der neuen Wasserkläranlagen nich an die große Glocke gehängt und schon gar nich eine Bürgerbefragung erwogen ham, ob der Steuerzahler künftig ein Gänsewein-Gemisch aus total geklärtem Sudel, verjüngt mit Damm- und Grundwasser genießen wolle. Jong, über das Ergebnis einer solchen Befragung brauchste hier mos nich zu spekulieren. Der Stadtrat hat seinen Bürgern irgendwann beiläufig oder eben so „by the way“ eröffnet: „Ach ja, wir klären unser Abwasser jezt derart fein, dass wir´s alle trinken können.“ Der damalige Test bestand darin, dass Fische darin munter schwammen, ohne zu krepieren.

Die Brauerei, das musste moi verstehen, hat sofort nachgehakt, dass se für das unentbehrliche Bier das Wasser aus eigenen Bohrlöchern schöpft. Gute 22 Jahre ham wir – außer Bier und sonstigem Saft – in Ovenduka nur das Windhoeker Cocktail getrunken. Dann wurde das alte Südwestafrika, das den Weltfrieden bedroht hatte, wie es bei der UNO und sonstigen Spinnern hieß, durch die Unabhängigkeit aus seiner Abgschiedenheit, aus seinem provinziellen Schlaf gerissen und rückte somit im Jahr 1989/90 kurz ins internationale Rampenlicht. Ausländer hatten nun keine Berührungsangt mit dem Land mehr und sie kamen in Strömen ins Land. Und mit ihnen kam die gewaltige Nachfrage nach Trinkwasser, aber nur abgefüllt in Plastikflaschen, die bis heute unsere Umwelt versauen, weil inzwischen auch viele Windhoeker und andere Namibier, die früher im ganzen Land bei Durst den Wasserhahn aufgedreht und schnell aus der eigenen Hand getrunken ham, nun auch nur Trinkwasser aus aus Plastikbotteln eingießen wollen. Viele der Ausländer, die Südwestafrika zu Namibia verhelfen wollten, kamen ja mit der Erfahrung aus anderen Afrika-Ländern, wo der Genuss von Leitungswasser zu Cholera oder sonstigen Magen-Xhochas führen kann. Also verlangten und verlangen sie hier wie dort, zusammen mit umerzogenen Namibiern, eben ihr Plastikbottelwasser. Das wird nun schon viele Jahre auch aus dem Erongo und aus der Naukluft und nich nur von Nestlé geliefert.

Das schmälert jedoch keineswegs die Bedeutung des Windhoeker Cocktails, ohnedem es den Leuten von Ovenduka muhts staubig und dreckig ergangen wäre.

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