19 März 2021 | Natur & Umwelt

Wasser nicht durch ReconAfrica gefährdet

Gegner des Förderunternehmens verbreiten angeblich Unwahrheiten

Bei einem Gespräch mit der Bevölkerung in der West-Kavango-Region, wo das kanadische Unternehmen Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) nach Gas und Öl exploriert, fallen die Meinungen gemischt aus. Es scheint weniger auf die Tatsachen anzukommen als die verzweifelte Hoffnung, in irgendeiner Form beschäftigt zu werden. ReconAfrica sieht sich unfair angegriffen.

Von Frank Steffen, Windhoek/Ncaute

NMH sprach mit der Bevölkerung aus den Gebieten um Ncaute, Makandia, Kawe, Shakambu und Mbambi, insbesondere auch mit Andreas Mawano, dessen Kleinsiedlung bei Kawe teilweise von ReconAfrica beansprucht wurde, um ihre Bohranlage zu errichten (AZ berichtete). Mawano bestätigt: „Mir wurde nie gesagt, dass ich von dieser Entwicklung betroffen sein würde, mein Land wurde einfach genommen.“ Nachdem Ncaute-Stammesoberhaupt Kangoro ihm geraten hatte, die gegebenen „Tatsachen“ zu akzeptieren, habe der Chief ihn nie wieder kontaktiert.

ReconAfrica habe dagegen unlängst, als er abwesend gewesen sei, seiner Frau mitgeteilt, dass die Ölgesellschaft die diversen Medienberichte zur Kenntnis genommen habe. Mawanos Mahangu-Feld fiel der Bohrstelle zum Opfer und er muss seitdem rund um die Uhr mit dem Lärm des Bohrvorgangs leben. In einem Telefongespräch mit Claire Preece, der Pressesprecherin von ReconAfrica, erklärte diese, dass RA und der Firmenanwalt auf der Suche nach einer permanenten Lösung doch „den Kontakt mit der Familie hergestellt hätten“.

Bohrstelle am Wasserlauf

Die Kawe-Bohrstelle befindet sich indessen gegenüber des Omuramba Omatako, der als Rivier an den Omatako-Bergen in Zentral-Namibia entspringt und durch das Omaheke bis zur Kavango-Region vordringt. In der Kavango-Region füllt Regenwasser erneut das Rivier, welches streckenweise Wasser zum Okavango-Fluss trägt.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Bohrarbeiten mit Hilfe einer hochgiftigen Chemikalien-Mischung durchgeführt werden, zeigt sich der Vorsitzende der Ost- und West-Kavango-Regionalvereinigung für Hegegebiete und Kommunal-Forstwirtschaft, Max Muyemburuko, sehr besorgt: „Im Gegensatz zu dem, was der Minister für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus, Pohamba Shifeta, behauptet hat, liegt die zweite Bohrstelle in Mbambi mitten in einem sogenannten Community Forest (Forst-Schutzgebiet), in dem Elefanten umherwandern!“ Preece besteht darauf, dass es sich hier um Paragrafenreiterei handelt, die Bohrstelle sei nicht Teil eines Naturschutzgebietes.

Auf Fracking angesprochen, meinte Preece: „Wir haben uns zunächst auf alles konzentriert, auch Fracking. Aber nach dem neusten Stand, wird nicht unkonventionell gefördert. Der Bohrturm ist nicht zum Fracking geeignet.“ Die konventionelle Förderung sei einfacher und rentabler. Starke Umweltgesetze und Erdölvorschriften würden sicherstellen, dass Namibia keinem Risiko ausgesetzt werde. Sie erklärte ferner, warum in den Schlammgruben keine Plastikfolie erforderlich sei: „Wir machen von einem umweltfreundlichen Schlamm- und Bohrsystem Gebrauch, das auf einer Wasserbasis beruht.“ Der Schlamm könne wiederverwendet und später für landwirtschaftliche Zwecke als Dünger angewandt werden. „Folien lösen sich auf. Wir haben das Wasser getestet und NamWater hat es für in Ordnung befunden.“

Fracking nicht vom Tisch

Preece war allerdings nicht bereit, grundsätzlich Fracking als künftige Fördermethode abzulehnen. Sie erklärte lediglich, dass „keine unkonventionelle Förderung stattfinden“ würde. Sie besteht darauf, dass „den Menschen“ Fehlinformationen zugeführt werde. Umweltverträglichkeitsprüfungen (EIA) würden lediglich auf behördlich festgesetzte Konsultationen eingehen und das sei geschehen. Nun sei man dabei, die Leute weiterzubilden und ihnen den Vorgang zu erklären: „Wenn die Menschen im Laufe der Zeit unser Vorhaben verstehen, glauben wir, dass der Widerstand abnimmt.“ Zu diesem Zweck werde RA weiterhin visuell Information teilen und in der Lokalsprache Information bereitstellen.

Indessen betrachtet Kangoro laut Muyemburuko die Möglichkeit, durch verschmutztes Grundwasser vergiftet zu werden, eher gelassen: „Mir ist lieber ich sterbe an einer Vergiftung als am Hunger.“ Seine Leute würden täglich Hunger leiden und deshalb werde er jede Gelegenheit nutzen, seinen Leuten eine Beschäftigung zu bescheren und damit die Armut zu mindern.“ Manche Personen betrachten den Vorgang skeptisch.

„Wir sollten uns im Oktober/November registrieren, um uns als Gelegenheitsarbeiter/innen zu qualifizieren, aber daraus wurde nichts. Von den 50 Personen, die sie als Köche und Reinigungskräfte beschäftigen, sind drei fest angestellt, einer ist der Sohn des Schulleiters und die anderen zwei sind mit ihm verwandt. Bisher ist sonst niemand aus dieser Siedlung eingestellt worden“, sagte eine der Gemeindevorsteherinnen, bestand aber darauf, dass sie ungenannt bleibt (sie befürchte Repressalien).

(Lesen Sie mehr zu dem Thema in der Dienstagausgabe der AZ.)

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