30 Dezember 2004 | Glosse

Was wohl wird?

In seinem Drang, jede Minute sinnvoll nutzen zu wollen, rennt der Mensch in eine Falle. Zum Jahreswechsel hat die Zeit ihre große Zeit. Aber sie verrinnt trotzdem und fordert Philosophen, Pfaffen, Anthropologen, Schreiberlinge und Querdenker heraus - bis hin zum übernächtigten Zecher, der im Babbelas und Dronkverdriet sowahr wrachtach auch noch bei dem Thema landet.

Seit knapp zehn Jahren haben etliche Literaten dem Zeitgeist der Hektik den Rücken gekehrt. Da ist Milan Kundera, der in seinem Roman "Die Langsamkeit" die Vorzüge des langsamen Handelns und temperiert lustvollen Tuns feiert. Und da kommen solche Ratschläge mitten in der europäischen Leistungsgesellschaft auf: "Nur wer die Uhr beständig zurückstellt, ist der Zeit auf Dauer voraus." Die Denker und Querdenker greifen das hektisch pochende Herz des modernen Industrie- und Konsumwesens an.

Wir im Lande der Braven horchen dabei auf. Haben wir nicht gerade von dem begrenzten Zeithorizont aller afrikanischen Comräds - das ist natürlich eine Pauschale - gehört, den die Akademiker und Afro-Beobachter für einen unter vielen Erfolgs-hemmenden Faktoren halten? Und jetzt sollen wir unser Handeln bremsen und die Uhr zurückstellen?

Wir machen das mos huka und naturgemäß schon, ohne dass uns irgendein Eurozentriker dazu hätte auffordern müssen.

Das verwirrt zum Jahreswechsel nochall wüst, weil wir ständig aufgefordert werden, keine bleddy Zeit zu morschen, so dass wir angeblich und endlich auch zum Erfolg gelangen sollen. Aber zu gleicher Zeit sollen wir alles langsamer machen.

Zwischen diesen Extremen musst Du jetzt irgendwie Schwein haben, damit Du Dein Zeitmaß selbst findest. Schwein haben hat auch eine Kehrseite, wenn das Viech von Zecken befallen wird, die die Schweinepest übertragen (wie vor kurzem bei Okahandja). Dann geht es den Schweinen dreckig und der Züchter hätte in der Lage wahrscheinlich lieber Beester gehabt.

Um die Jahreswende hörst Du auch die vielen Materialwünsche. "Viel Erfolg" hat meistens mit dem Anhäufen von Zaster zu tun. Und da tönt der Ruf schon wieder in Abwandlung, der materialistische Imperativ: "Zeit ist Geld!"

Es ist Zeit, hier eine neue Denkschule zu gründen, die in der Langsamkeit neue Produktivkraft entdeckt. - Moi gesagt, hören wir schon den Leser: Dann fang doch in Deiner Redaktion damit an! - Jesslaik, dann fällt mindestens jede zweite Zeitung aus.

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