20 September 2019 | Wirtschaft

Wachstum nicht in Sicht

Namibias Konjunktur enttäuscht in der ersten Jahreshälfte

Einbrüche in Bergbau und Landwirtschaft: Nicht nur ist die Wirtschaft im zweiten Quartal nochmal kräftig geschrumpft, auch der Rückgang im ersten Vierteljahr ist deutlich größer als erwartet. Zusätzlich hat Namibia in dem Berichtszeitraum ein beachtliches Handelsdefizit verzeichnet.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Die Rezession hält an: Nachdem die Zentralbank bereits ihre Prognose für das laufende Jahr von 0,3 Prozent Wachstum auf minus 1,7 Prozent nach unten korrigiert hat (AZ berichtete), folgte eine ernüchternde Bestätigung: „Die Konjunktur bleibt geschwächt: Im zweiten Quartal 2019 hat es im Vergleich zum Vorjahr einen Wirtschaftsrückgang von 2,6 Prozent gegeben“, heißt es in dem gestern in Windhoek veröffentlichten Bericht der Statistikbehörde (Namibia Statistics Agency, NSA).

Im Vergleichszeitraum vergangenen Jahres habe das namibische Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch knapp 26,2 Milliarden Namibia-Dollar betragen. „Im zweiten Quartal dieses Jahres stand das BIB bei 25,5 Mrd. N$, was bedeutet, dass die Wertschöpfung um 670 Millionen N$ zurückgegangen ist“, erklären die NSA-Forscher, die zudem die Wachstumszahlen für das erste Vierteljahr 2019 nach unten korrigiert haben. Zunächst war das Statistikamt während der Monate Januar bis März von einem zweiprozentigen Rückgang ausgegangen – nun sind es minus 2,9 Prozent. Der Grund: Vor allem in der Landwirtschaft sei die Leistung 24,7 Prozentpunkte niedriger ausgefallen als erwartet.

Konjunktur fehlt Antrieb

Aufgrund der Dürre müssen Landwirte weiterkämpfen, denn auch im zweiten Quartal ist der Agrarsektor um ganze 28,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Das Geschäft mit Lebendvieh sei um 23,8 Prozent eingebrochen, während der Ackerbau einen Rückgang von 39,1 Prozent erlebt habe. Ferner sei die Wertschöpfung im Bergbau um 20,2 Prozent gesunken, weil in erster Linie deutlich weniger Karat Diamanten (-34,3%) gefördert worden seien. Zudem habe die Uranproduktion (-6,4%) an das Niveau des Vorjahreszeitraums nicht anschließen können.

Auch das Baugewerbe schaffe es nicht aus den roten Zahlen, selbst wenn sich der Rückgang dank staatlicher Kapitalausgaben deutlich verringert habe: Im zweiten Quartal dieses Jahres sei die Wertschöpfung um 5,5 Prozent gesunken, im Vergleich zu minus 27,7 Prozent in den drei Monaten davor und -7,5 Prozent im zweiten Quartal 2018. Zudem seien schwache Leistungen im Groß- und Einzelhandel (-2%), im Gastgewerbe (-2,8%), in der öffentlichen Verwaltung und Verteidigung (-2,7%), im Transport- und Kommunikationssektor (-0,9%), in der Bildung (-0,9%) und im Gesundheitswesen (-2,6%) registriert worden.

Für Impulse sorge hingegen vor allem das herstellende Gewerbe, das laut NSA-Angaben 18,8 Prozent zugelegt hat, nachdem es im Vergleichszeitraum 2018 um 8,7 Prozent geschrumpft war. Weiteres Wachstum habe es in den Bereichen Wasser und Elektrizität (+2,7%), Finanzwesen (+1,9%) und Fischerei (+0,6%) gegeben.

Größeres Handelsdefizit

Derweil haben eine hohe Importrechnung für Treibstoff sowie ein Rückgang der Einnahmen aus dem Diamantenexport das Handelsdefizit vergrößert, wie aus dem Bericht hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr hat Namibia demnach im Berichtszeitraum Güter im Wert von fast 13,3 Mrd. N$ (-16,8%) ausgeführt und knapp 19,7 Mrd. N$ an Waren eingeführt (+21,9%). Infolgedessen sei der Fehlbetrag von gerade Mal 168 Millionen N$ (im 2. Quartal 2018) auf aktuelle 6,4 Mrd. N$ emporgeschossen.

Laut dem vorigen Bericht zur namibischen Handelsbilanz betrug das Defizit im ersten Quartal dieses Jahres 2,9 Mrd. N$ – die Importrechnung lag bei 24,4 Mrd. N$, während der Export rund 21,4 Mrd. N$ eingebracht hatte (AZ berichtete). Diese Zahlen waren in dem aktuellen Bericht allerdings nicht enthalten und werden sich im Falle einer Revision entsprechend ändern.

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