28 März 2019 | Meinung & Kommentare

Vorsicht statt blindem Eifer

Es ist in der Tat beängstigend, dass die Regierung trotz großer Ungewissheiten und unerfüllten Vorstellungen keine Unkosten scheut, sich als „Tor zur SADC-Region“ positionieren zu wollen. Ganz klar klaffen das politische Wunschdenken und die wirtschaftliche Realität hier weit auseinander.

Denn während die Entscheidungsträger offenbar aufgrund veralteter und zu optimistischer Prognosen an den Plänen festhalten, verlangen die tatsächlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre eine akribische Überarbeitung des Vorhabens. Laut dem Ökonom Rainer Ritter ging der Walvis Bayer Hafen vor einem halben Jahrzehnt noch davon aus, dass sich das Umschlagsvolumen bis 2017 auf 13 Millionen Tonnen verdoppeln würde – doch das Gegenteil ist eingetreten: die Frachtmenge ist auf 5,6 Millionen Tonnen gesunken.

Jeder vernünftige Investor würde sich angesichts einer dermaßen verfehlten Vorhersage sofort zurück ans Reißbrett setzen. Wer anhand seines monatlichen Einkommens einen Neubau plant, doch unerwartet mit weniger Mitteln dasteht und doch kein Eigenheim mit vier Schlafzimmern, Pool und Weinkeller mehr benötigt, der hält doch nicht an dem ursprünglichen Plan fest. Da wird umdisponiert und das Vorhaben den aktuellen Umständen entsprechend angepasst.

Und das ist genau das, was Ritter von den politischen Entscheidungsträgern und ihren Beratern verlangt. Im Rahmen seines Vortrags am vergangenen Dienstag in Windhoek betonte der Fachexperte, dass Investitionen und infrastrukturelle Entwicklung durchaus nötig sind. Allerdings sollte sich die Regierung am Privatsektor ein Beispiel nehmen und wesentlich vorsichtiger vorgehen. Denn schließlich handelt es sich um horrende Beträge, für die in einem Land wie Namibia unzählige Verwendungszecke zu finden sind.

Somit kann man nur hoffen, dass sich Politiker, Regierungsbeamten und andere Interessenvertreter die konstruktive Kritik von Rainer Ritter zu Herzen nehmen. Ansonsten läuft Namibia Gefahr, folgenschwere Fehlentscheidungen anderer afrikanischer Länder nachzuahmen.

Clemens von Alten

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