18 Oktober 2019 | Leserpost

Vor den Karren gespannt

Betr.: Leserbrief „Ohrenbetäubendes Schweigen“ (AZ 9.10.2019)

Liebe Frau Kramp,

selten kommentiere ich einen Leserbrief in der AZ, aber hier werde ich um der Wahrheit willen, und um der Ehre der Schutztruppe, die der Befriedung von DSWA gedient hat, aufgefordert. Warum lassen Sie sich und andere Bundesdeutsche auf mitleidheischende Weise, wie bei dieser Übersetzung aus Deutschland, vor die NTLA der Namaführer Luipert und Kooper spannen, die den Zeitzeugen-Berichten widerspricht? Ihre seitenlange Erklärung ist gegenüber der Geschichte noch zu kurz gegriffen. Wenn die stets armen Nama-Clans auf Grund geschichtlicher Dokumente damaliger Zeit, die jedem zur Verfügung stehen, den „deutschen Brüdern“ die Hände reichen würden, gäbe es mehr Gemeinsamkeit zwischen uns; denn die Deutschen wollen arbeiten. Was die Regierungen von heute betrifft, muß festgehalten werden, dass sie mit keiner Volksgruppe der beiden Kriegsseiten sprechen. Was damals in der Tat ein Aufstand gegen die Obrigkeit im Land war, wird von der NTLA und anderen im nachrevolutionären Namibia zu einem „berechneten Widerstand gegen koloniale Besetzung“ stilisiert. Würde dies unter der heutigen Herrschaft geschehen, wie würde das wohl genannt? Beide Rebellionen damals sind vom Ursprung und dem Verlauf völlig verschieden. Dass sich Nama heute an die sogenannte Mord-Theorie der Herero anhängen, ist von ihrem Besitzstand her verständlich, doch hat das nichts mit den wahren Ereignissen zu tun. Wenn ein Geist des antikolonialen Widerstandes der Gefallenen ihnen Leben zu „unserem Kriegergesang“ gibt, heißt das, mit einem Leben fortzufahren, das auf Räuberei aufbaut. Zur Zeit der Besiedlung mußten Major v. Francois und später Leutwein die Witbooi niederwerfen, die mit Raubzügen auf Trecks und Rindern einen Herrschaftsanspruch über den Swakop hinaus bis ins Hereroland nicht aufgeben wollten. Nicht die Truppe hat Clans ausgelöscht, sondern Hendrik Witbooi, und beinahe wären auch die Herero von Jan Jonker Afrikaner ausgelöscht worden. Die Erbfeindschaft zwischen beiden Stämmen endete erst - kurzzeitig - mit der Befriedung durch Leutwein und der Festigung von Witbooi bei der Militärstation Gibeon, wo er sogar einen Dienstposten unter Leutwein erhielt.

Als sich 1904 Leutwein im Süden befand, erhob sich Maharero mit seinen Herero gegen die deutsche Herrschaft, die ihm bis dahin gegen die Nama Schutz bot. Am Waterberg am 12. August stellte Hendrik Leutwein Hilfstruppen zur Vernichtung (der Herero) ab. Wer einen Krieg beginnt, sollte wissen, ihn auch zu verlieren - natürlich mit Landverlust. Wo sind die Herero geblieben?

Als sie nach Betschuana-Land flohen, beging Witbooi an Leutwein Verrat. Er ließ den unbewaffneten Parlamentär Oblt. Burgsdorff ermorden und erklärte am 2. Oktober Leutwein im Süden den Krieg. Das ist, was am 2. Oktober geschah, nämlich ein weiterer Aufstand gegen die deutsche Herrschaft und Besiedlung mit bis dahin erfolgtem Aufbau und Sicherung des Friedens im Land. Ihr Leben verdanken Nama wie Herero im Grunde noch heute den Früchten dieser Zeit. Ohne die Schutztruppe wären ihre Kriege weitergelaufen bis zur Auslöschung.

Eine fortwährende Schuldzuweisung gegen deutsche Landsleute ist traurig und zeugt von fehlendem Schuld(Selbst)eingeständnis. Daß es zur Blutsvermischung kam, wird gar nicht bestritten, genauso wie es zwischen Herero und Damara sowie Nama und Buschleuten geschah. Die Gründe für das geringe Interesse an geschichtlicher Aufarbeitung sind andere. Um sie zu erfahren, würde ich vorschlagen, dass wir vor Ort ins direkte Gespräch treten und nicht über Dritte im Ausland. Und noch eins. Gott verläßt niemand, der ihm gehorsam ist; aber ein Geist, der aus „verstreuten Knochen Gestalt annehmen und zum Leben erwachen“ will, widerspricht seiner Neuschöpfung. Wir sind es nicht, die unseren Vorfahren Frieden geben. Wir müssen uns hier entscheiden, nämlich, zwei Herren können wir nicht dienen. Ich bevorzuge den, der zum Leben auferwecken wird - und Sie?

Mit freundlichen Grüßen Bernd Seefeldt

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