31 März 2021 | Geschichte

Vor 50 Jahren

1971-03-31

EHRGEIZIGES ENTWICKLUNGSPROJEKT FÜR WINDHOEK

Windhoek — Artego Property Development Corporation (Pty) Limited und Murray & Stewarts -Properties (Pty) Limited haben gestern Einzelheiten ihres ehrgeizigen Planes zur Entwicklung von 13 700 Quadratmetern am Ausspannplatz um den „Westfälischen Hof“ herum bekanntgegeben. Das zu entwickelnde Grundstück liegt zwischen dem Jan-Jonker-Weg und Republikweg. Acht Millionen Rand sind für den Bau verschiedener Projekte veranschlagt. Hierzu gehören ein Warenhaus mit einer Grundflache von 6 000 Quadratmetern, Laden, die sich über zwei Stockwerke erstrecken (14 000 Quadratmeter), ein Viersterne-Hotel mit großen Konferenzraumen, ein Bürohochhaus (10 000 Quadratmeter), ein Biergarten, ein Parkhochhaus für 900 Wagen, Parkplatze für weitere über 300 Automobile und ein Kino mit 700 Sitzplätzen. Die Finanzierung soll durch Artego und Murray & Stewart sowie durch andere Quellen erfolgen. Artego sind in erster Linie Promoter von Stadtteil-Entwicklungsprojekten. Über Einzelheiten der Finanzierung wurde nichts bekanntgegeben. Es wird sich also erst im Zuge der Grundstücksentwicklung herausstellen, ob und inwieweit die Finanzierung für das Gesamtprojekt gesichert ist. Das Einkaufszentrum und das Hotel mit rund 180 Zimmern sollen Anfang 1973 vollendet sein. Das Büro-Hochhaus soll Ende 1973 bezugsfertig sein.

DR. DIEDRICHS: WENIGER AUSGEBEN, MEHR SPAREN

Kapstadt - Veränderungen im Verbrauch und Sparen seien von grundlegender Bedeutung für die Lösung des Inflationsproblems in der Republik, und er werde daher diesem Problem in seiner Rede große Aufmerksamkeit schenken, sagte Finanzminister Dr. N. Diederichs, als er heute Nachmittag im Volksrat den Haushaltsvoranschlag 1971/72 vorlegte und die Budgetrede hielt. Es gebe Leute, darunter auch Mitglieder des Parlaments, die der Auffassung seien, dass die Bekämpfung der Inflation von der Produktionsseite angefasst werden müsste und dass jeder Versuch, die Verbraucherausgaben einzuschränken, den Fortschritt der Wirtschaft unnötigerweise hemme. Nach seiner Meinung sind jedoch genügend Beweise vorhanden, dass der Verbrauch, besonders über die Verbrauchsausgaben, übermäßig angewachsen seien, das Sparen jedoch einen abnormalen Tiefstand erreicht habe. Kurzfristige Maßnahmen, die diesen Tendenzen entgegentreten sollten, seien daher unvermeidlich.

BANDA AKZEPTIERT EINLADUNG

Blantyre - Malawis Präsident Dr. Hastings Banda hat die Einladung zu einem Staatsbesuch nach Südafrika angenommen. Das verlautete offiziell am Dienstag in Zomba. Der südafrikanische Ministerpräsident B. J. Vorster hatte am Dienstag auf seiner ersten großen Pressekonferenz den Besuch Bandas in Südafrika im Laufe dieses Jahres angekündigt. In der malawischen Erklärung heißt es ferner, dass eine Einladung vom südafrikanischen Staatspräsidenten J. J. Fouché eingegangen sei. Über den Termin des Staatsbesuches sind noch keine Einzelheiten bekannt.

Beobachter in Blantyre sehen den bevorstehenden Staatsbesuch Bandas in Südafrika als eine Folge seiner Politik der „Tötung, der Apartheid durch Wohlwollen“ und eine Konkretisierung Ministerpräsident Vorsters neuer Außenpolitik.

SCHWEIZ WILL JESUITEN WIEDER ZULASSEN

Bern — Die Schweizer Regierung hat sich entschlossen, die nach dem Kulturkampf des vergangenen Jahrhunderts in die Schweizer Verfassung eingeführten religiösen Ausnahmebestimmungen aufzuheben. Der sozialdemokratische Bundesrat Prof. Hans Peter Tschudi ist damit beauftragt worden, dem Parlament eine Volksabstimmung über eine solche Verfassungsänderung vorzuschlagen. Nach jahrelangen Überlegungen and Untersuchungen ist die Regierung damit entschlossen, die Artikel 51 cod 52 aus der Verfassung der Eidgenossenschaft zu streichen. Artikel 51 verbietet die Tätigkeit des Jesuitenordens und der mit ihm in Verbindung stehenden Organisationen im Gesamtbereich der Schweiz. Der Artikel 52 untersagt die Gründung neuer Klöster und religiöser Orden oder die Wiederherstellung, falls sie abgeschafft worden sind.

AUSWÄRTIGER DIENST BRAUCHT PERSONALRESERVE

Bonn — Das Jahr 1971 soll nach Wunsch von Bundesaufgenminister Walter Scheel im Zeichen einer Reform des auswärtigen Dienstes stehen. Das machte der Minister bei der Entgegennahme des Abschlussberichtes der sogenannten „Reformkommission“ deutlich. Der Kommissionsvorsitzende Hans von Herwarth sprach sich bei dieser Gelegenheit dafür aus, dem auswärtigen Dienst eine Personalreserve von ungefähr zehn Prozent zu geben, um Diplomaten fachlich und sprachlich für eine neue Tätigkeit im Ausland vorbereiten zu können.

Scheel betonte in Bonn, der Erfolg des auswärtige Dienstes hänge entscheidend davon ab, ob es ihm gelinge, im Stil und Auftreten stets mit der Zeit zu gehen und sich den Erfordernissen des letzten Drittels dieses Jahrhunderts und den sich bereits abzeichnenden Aufgaben des 21. Jahrhunderts anzupassen.

KEIN BRITISCHER BOYKOTT

London - Britannien wird die Olympischen Spiele in München im nächsten Jahr nicht boykottieren, falls Rhodesien daran teilnehmen sollte, erklärte Sandy Duncan, der Generalsekretar des Britischen Olympischen Verbandes. Er kommentierte die Meldung, dass die Rhodesier eine Einladung zur Teilnahme an der Olympiade erhalten haben. Duncan fügte hinzu, das Internationale Olympische Komitee habe sich offenbar davon überzeugt, dass in Rhodesien gemischt-rassiger Sport betrieben werde, keine Diskriminierung der Rassen im Sport herrsche und alle olympischen Bestimmungen eingehalten werden.

Sambia und Äthiopien haben bereits angekündigt, dass sie auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in München verzichten würden, falls Rhodesien daran teilnimmt.

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