02 Juli 2020 | Geschichte

Vor 50 Jahren

1970-07-02

BILDER AUS DEM PLATTENSPIELER

Berlin – Fernsehaufzeichnungen können künftig im eigenen Heim von Platten abgespielt werden. „Frisch aus dem Labor” präsentierten die Firmen AEG-Telefunken und Teldec (Telefunken-Decca) ihre gemeinsam entwickelte Bildpalette. Auf zwölf Bildschirmen eines Vorführraumes im AEG-Telefunken-Hochhaus war vor der Presse Weltpremiere von Bildplatten-Darbietungen aus den Gebieten der Unterhaltung, der Bildung und der Dokumentation.

Bildplatte und Bildband (der sogenannte Kassetten-Recorder) sollen in Zukunft, wie Sprecher der Firmen betonten, nebeneinander bestehen und sich dabei sinnvoll ergänzen können. Die Unternehmen rechnen damit, dass Bildplattenspieler, je nach Ausführung, bei genügend großen Stückzahlen einmal zwischen 500 und 1 000 Mark kosten werden. Unterhaltungsbildplatten sollen, wenn sich die Erwartungen bestätigen, für weniger als 20 Mark zu haben sein. Es wird daran gearbeitet, die Bildplatte; die vorerst nur Schwarzweiß-Sendungen mit einer Spieldauer von maximal zwölf Minuten liefert, in der Zahl bis zur Einführung in etwa eineinhalb bis zwei Jahren auch „farbtüchtig” zu machen.

Die erste Bildplatte der Welt ist das Ergebnis fünf-jähriger Entwicklungen durch vier Berliner Ingenieure. Sie hatten vor allem das Problem zu lösen, drei bis vier Millionen Bild- und Tonschwingungen (gegenüber bisher 15 000 Tonschwingungen) pro Sekunde in Plattenrillen zu überspielen. Mit einer neuen Tiefenschrift werden nun 130 bis 150 Rillen pro Radius-Millimeter graviert gegenüber der bislang üblichen Speicherdichte von 10 bis 13 Tonrillen pro Millimeter.

Bild- und Tonsignale werden in eine extrem dünne und biegsame Kunststoff-Folie gepresst. Die erreichte Wiedergabe-Qualität entspricht der eines Video-Magnetbandes. Der neu entwickelte Bildplattenspieler arbeitet nach dem ebenfalls neuen Prinzip der Druckabtastung. Dabei wird der abtastende Diamant nicht, wie bisher üblich, durch die Rillen-Auslenkung bewegt, sondern er empfängt in starrer Lage von der sich elastisch verformenden Bildplatte Druckimpulse im Rhythmus der gespeicherten Signale. Ein Druckwandler setzt die Signale so um, dass sie auf einem Fernsehempfänger sichtbar werden.



WEGEN PERSONALMANGELS STILLGELEGT

Köln/Berlin – Zum ersten Mal hat jetzt ein deutsches Postamt wegen Personalmangels vorübergehend die Tore geschlossen. Am Eingang eines Milner Amtes verkündet ein Schild, dass voraussichtlich bis zum 5. September jeglicher Betrieb ruht. Die fünf Bediensteten werden nach Angaben der Oberpostdirektion in anderen Kölner Postämtern aushelfen. „Der Personalmangel, die Urlaubszeit und die auf insgesamt 180 000 angewachsene Zahl von Überstunden alter Kölner Postangehörigen trafen jetzt zusammen und zwangen uns zu diesem Schritt”, sagte ein Sprecher der Post. Es werde erwogen, während der Universitätsferien ein zweites Kölner- Postamt mit überwiegend studentischer „Kundschaft” zu schließen.

Wegen Personalmangels wird die Berliner Post während der Sommerschulferien vom 11. Juli bis 22. August vier Postämter ­schließen. Die Landespostdirektion Berlin verwies am selben Tag darauf, dass von den 900 Arbeitsplatzen im Berliner Schalterdienst nur 750 besetzt seien. Alle Bemühungen, durch Nachwuchskräfte und Neueinstellungen die Lage zu verbessern, hatten bei dem angespannten Arbeitsmarkt zu keiner spürbaren Entlastung geführt.



GUERILLAS WOLLEN PALÄSTINA BEFREIEN

Hamburg – Wenn man alle in den arabischen Nachbarländern Israels erreichbaren Informationen zusammenstellt und mit eigenen Feststellungen bei den verschiedenen Guerilla-Kommandos ergänzt, ergibt sich, dass allgemein über die Zahl der arabischen Guerillas übertriebene Vorstellungen herrschen. Es gibt etwa 35 verschiedene Organisationen. Nur ein gutes Dutzend jedoch ist überhaupt erwähnenswert. Die Mehrzahl hat irgendwann einmal ihren Namen der Öffentlichkeit präsentiert und ist wieder in der Versenkung verschwunden, wo man ihre Fortexistenz nicht mehr feststellen kann. Entweder bestehen sie aus nur einer Handvoll junger Leute, von denen man nichts hart, oder sie bestehen überhaupt nur auf dem Papier.

Das gute Dutzend ernst zu nehmender Organisationen verfügt alles in allem über etwa 20 000 bewaffnete Mitglieder; manchmal sind es etwas mehr, manchmal wahrscheinlich weniger. Nur ein Bruchteil davon ist jeweils im eigentlichen Partisaneneinsatz. Aber auch diese Ziffer ist bedeutend genug, wenn man berücksichtigt, dass Partisanen erfahrungsgemäß beim Abwehrkampf das Mehrfache regulärer Truppen binden.



ULBRICHT HÄLT MUSTERUNG

Bonn – In schöner Regelmäßigkeit findet alle vier bis sechs Jahre in der DDR der Umtausch der Mitgliedsbücher und Kandidatenkarten statt, beschlossen vom Zentralkomitee der SED (Sozialistische Einheitspartei), um auf diesem Wege unliebsame Mitglieder dafür zu strafen, dass sie wider den StacheI zu löcken gewagt hatten; die Ausfolgung ihrer Karten verzögert sich oder entfällt überhaupt. Und somit konnte der Erste Parteisekretär, Walter Ulbricht, mit Recht in einem Interview von einem „ganz normalen Vorgang im innerparteilichen Leben“ sprechen. Tatsächlich gibt es zurzeit keine erkennbare Opposition in den kommunistischen Parteireihen, seit Professor Robert Havemann, der Dichter Wolf Biermann und einige ihrer Gesinnungsgenossen ausgeschlossen wurden und seit sich daraufhin die mehrfach gemaßregelten Schriftsteller still verhielten. Aber eine Partei von 1,9 Millionen Mitgliedern – was so viel bedeutet wie die Mitgliedschaft jedes fünften Bürgers – hat eine Vielzahl von Problemen, die sich am besten auf kaltem Wege bereinigen lassen, wobei jedes Aufsehen, das ein Parteiausschlußverfahren mit sich brächte, vermieden werden kann. Man darf es sich in einer solchen Massenpartei (erzwungen durch Druck mit Arbeitsplatz und Besoldung und von Opportunismus durchsetzt) ohne weiteres leisten, Tausende, ja Zehntausende draußen zu lassen. Schon die Ankündigung des Umtauschs mochte zahllose SED-Mitglieder, die beargwöhnt wurden, mürbe und wieder „zuverlässig“ gemacht haben. Daher konnte der Diktator in Pankow in seinem Interview auch sagen, der Umtausch sei „ein Ereignis von großer gesellschaftlicher Bedeutung”; das ist es zweifellos, wenn Ulbricht in seinen Reihen Musterung halt.



HEIDELBERGER SDS AUFGELÖST

Heidelberg/Stuttgart – Die Hochschulgruppe des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Heidelberg ist vom baden-württembergischen Innenministerium verboten und aufgelöst worden. Der SDS in Heidelberg ist nach Ansicht des Ministeriums eine Vereinigung, deren Zwecke und Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen und die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet.

In der Begründung der Verfügung macht das Innenministerium den SDS für Ausschreitungen während der internationalen Konferenz über Entwicklungshilfe-Politik am 19. Juni in Heidelberg verantwortlich, bei denen die Straftatbestände des Landfriedensbruches, des versuchten Totschlages, der Nötigung und der gefährlichen Körperverletzung erfüllt worden seien.

Die Vorgänge am 19. Juni in Heidelberg sind nach Ansicht des Innenministeriums keine „einmaligen Entgleisung” der Hochschulgruppe Heidelberg des SDS. Vielmehr habe der SDS-Heidelberg in den vergangenen Jahren mehrfach gegen die Strafgesetze verstoßen.

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