29 Januar 2020 | Geschichte

Vor 50 Jahren

28. Januar 1970

ZWEITES LECK IM HARDAP-DAMM GEFLICKT

Windhoek - Der Hardap-Damm hat möglicherweise noch ein drittes Leck. Mit Sicherheit konnte dies noch nicht festgestellt werden, sagte ein Sprecher der Abteilung Wasserwesen heute Vormittag. Dies könne erst geschehen, wenn das zweite Leck vollkommen abgedichtet sei. Die Möglichkeit sei aber nicht ausgeschlossen.

Das zweite Leck ist inzwischen soweit lokalisiert worden, dass mit den Flickarbeiten begonnen werden konnte. Taucher sind seit dem Wochenende in Hardap damit beschäftigt, das Leck zu suchen. Bereits vor Weihnachten war es der Abteilung Wasserwesen gelungen, die Leckstelle durch Anwendung von Salzen ungefähr zu orten. Mit Hilfe von zwei Tiefseetauchern war es schließlich möglich, die genaue Leckstelle festzustellen.

Ein Sprecher der Abteilung Wasserwesen teilte der AZ heute Vormittag mit, die Taucher seien bereits soweit mit ihrer Arbeit fortgeschritten, dass der Wasserverlust aus dem See auf unter 1000 Kubikmeter in der Stunde reduziert werden konnte. Voraussichtlich wird das Leck zum Wochenende ganz abgedichtet sein.

Die Leckstelle befindet sich in einer Tiefe von 22 Metern. Genaue Angaben über die Stelle und die Art des Lecks wollte der Sprecher vorerst noch nicht machen. Nähere Einzelheiten darüber sowie über die Methode der Abdichtung sollen wahrscheinlich in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

REGEN BRACHTE RÜCKSTAND

Windhoek - Um wenigstens zwei Monate in den Rückstand ist das Straßenbauunternehmen der Windhoeker Stadtverwaltung mit dem Teeren einer ganzen Reihe von Straßen in Windhoek und Pionierspark sowie mit dem Bau einer Ausfallstraße vom Republikweg in Richtung Kaiser-Wilhelms-Berg (der sogenannte Kupferbergweg) durch den Wolkenbruch vor einer Woche geworfen worden.

Nahezu 20 Straßen waren in Windhoek zu dem Zeitpunkt bereits soweit vorbereitet und aufgebaut, dass sie in absehbarer Zeit mit einer Teerdecke hatten versehen werden können. Durch den Regen sind sie zum Tell gänzlich verspült worden und müssen ganz von vorne wiederaufgebaut werden.

In Pionierspark sind die Coetzee-, Jordaan-, Hintrager- und Fritschestraße in diesen Auftrag eingeschlossen. Es handelt sich dabei um die wichtigsten Ringstraßen dieses Wohnviertels. Es ist nicht bekannt, warum dieser Kontrakt abgeschlossen wird. Ursprünglich wollte das Unternehmen bereits im März/April den Auftrag erfüllt haben. Die Kontraktzeit ist im Juni abgelaufen.

REIS AUS DEM OVAMBOLAND

Ruacana - Im Nordwesten des Ovambolandes nähert sich ein drei-Millionen-Rand-Projekt der Vollendung. LTA und Lafrenz bauen zurzeit einen Kanal samt Pumpstation, der Wasser vom Kunene für ein Berieselungsprojekt im Ovamboland liefern soll. Für die Berieselung sind zunächst etwa 3000 Hektar vorgesehen. Hier soll später vor allem Reis angebaut werden.

Oberhalb der Ruacana-Fälle, auf portugiesischem Gebiet, wird ein Pumpenhaus gebaut, das Wasser aus dem Kunene entnimmt und in eine zwei Kilometer lange Steigleitung hineindrückt. Aus der Steigleitung fällt das Kunene-Wasser in ein Beruhigungsbecken und wird durch einen zementierten Kanal über die Angola-Grenze nach Südwestafrika befördert und in Richtung Ombalantu geleitet. Der Kanal ist etwa 20 Meilen lang.

Von der Mahanene-Baustelle, etwa 16 Meilen östlich vom Flughafen Ruacana, wird dieses ambitiöse Projekt geleitet. Dreißig weiße Spezialisten, dreihundert Eingeborene und dreißig schwarze Spezialisten aus der Republik sind zur Zeit dabei, Kanal und Pumpstation zu bauen. Der in den letzten Tagen gefallene Regen behindert die Arbeiten erheblich, da die schweren Maschinen auf dem glitschigen Boden nicht zu bewegen sind. Ende Januar 1971 soll das Kanalsystem einsatzbereit sein.

100 JAHRE AUSWÄRTIGES AMT

Bonn - Mit einem Festakt unter Anwesenheit zahlreicher prominenter Politiker - an der Spitze Bundespräsident Gustav Heinemann - hat das Auswärtige Amt in Bonn am 9. Januar das hundertjährige Jubiläum seiner Namensgebung gefeiert. Im Stadttheater betonte Außenminister Walter Scheel in einer Rede vor allem, dass der auswärtige Dienst in guten und schlechten Tagen seiner hundertjährigen Geschichte Traditionswerte entwickelte und zu erhalten wusste. Er selbst, sagte Scheel, verspüre sehr stark die große Verpflichtung, eine so traditionsreiche Behörde in das zweite Jahrhundert ihrer Existenz hinüberzuführen.

Anfang Januar 1870 hatte Bismarck das preußische „Ministerium für auswärtige Angelegenheiten“ in „Auswärtiges Amt“ umgetauft und die Behörde zugleich in den 1867 gegründeten Norddeutschen Bund übernommen.

Die Bundesrepublik muss sich nach Ansicht des Historikers Golo Mann selber erkennen und „selber anerkennen“. In seinem Festvortrag betonte Mann, daraus flössen von selber andere Erkenntnisse und Anerkennungen, gleichgültig in welcher Form. Die Bundesrepublik sei trotz aller Vorbehalte von Anfang an als ein Staat eigenen Gepräges angelegt worden und den Weg eines Staates gegangen. Indem sie sich selber als das erkenne, was sie sei, würde sie „eines der Hindernisse forträumen, welche Ost- und Westeuropa trennen, aber nur eines und kaum das am schwersten wiegende“. Die Entwicklung der Dinge innerhalb des russischen Imperiums sei von außen nicht zu beeinflussen, betonte Mann.

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