09 Januar 2019 | Geschichte

Vor 50 Jahren

8. Januar

NIGERIA-KRIEG NUR NEBENBEI ERÖRTERT

London - In seiner Eröffnungsansprache vor der Konferenz der Commonwealthpremiers in London sagte der britische Ministerpräsident Harold Wilson am Dienstag: „Wir treffen uns zur Diskussion ernster und herausfordernder Probleme - die ungelösten und Probleme Asiens, die großen Problems Afrikas und nicht zuletzt die Probleme des südlichen Afrikas, Rhodesiens und seiner Nachbarn. Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, zu dem unsere Herzen durch die tragischen Kämpfe in Nigeria zerrissen sind.“ Zu diesem Krieg äußerte sich Wilson in seiner Rede nicht weiter. Jede Frage, die das Commonwealth angeht, soll in den nächsten Tagen in größerer Offenheit und mit dem entsprechenden Verantwortungsbewusstsein entweder am Konferenztisch oder in Privatgesprächen erörtert werden. Diese Konferenz hat nach den Worten des britischen Premiers den großen Vorteil, dass sie ein Treffpunkt aller Rassen der Welt ist. In einer Welt, in der die Probleme der Rassen und der Hautfarbe immer stärker ins Rampenlicht rücken, ist das Commonwealth nicht nur vielrassig, sondern vereint in einem Antirassismus.

TERRORISTENPROZESS IN NATAL

Pietermaritzburg - Zwölf Bantus werden wegen terroristischer Aktivitäten in Südafrika im Obergericht von Pietermaritzburg angeklagt. Es handelt sich dabei um elf Mariner und eine Frau. Sie wurden am Dienstag vor Gericht gestellt. Der Prozess wurde jedoch bis zum 12. Februar vertagt. Die Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft. Gegen zehn der Bantus liegen auch noch andere Anklagen vor. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, dass sie im Ausland militärisch ausgebildet wurden.

Die zwölf Bantus sollen in dem Zeitraum vom 27. Juni 1965 bis zum 29. November 1968 an terroristischen Aktivitäten innerhalb der Republik teilgenommen und in dieser Weise die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung gefährdet haben. Ferner sollen sie die Verbreitung von Unzufriedenheit gefördert und den Gedanken an Gewalttätigkeit und Revolution in der Republik Vorschub geleistet haben. Ihr Ziel war in jedem Fall der Umsturz der bestehenden Ordnung.

Zu den 26 Komplizen, die in einem Anhang der Anklageschrift aufgeführt werden, zählen Abram Fisher, Nelson Mandela, Walter Sisulu, Joe Slovo, Jack Hodgson, Oliver Tambo und Duma Nokwe. Außerdem werden vier Organisationen angeführt: die Südafrikanische Kommunistische Partei, Umkontu we Sizwe, Speer der Nation und der African National Congress.

Zwei der Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie im Ausland eine Ausbildung militärischer Art, in Propagandawesen, Partisanenkrieg und Terrorismus absolviert haben. Nach Angaben der Anklageschrift soll diese Ausbildung in der Sowjetunion, Äthiopien, Algerien, Tansania, Sambia und in Südafrika erfolgt sein.

WICHTIGES IN KÜRZE

Washington - Der Negerabgeordnete im amerikanischen Kongress, Adam Paul, wurde als Mitglied des Repräsentantenhauses vereidigt, nachdem er sich bereit erklärt hatte, eine Buß von 17 500 Rand wegen Missbrauchs von Regierungsgeldern zu zahlen. Paul war aus dem Kongress ausgeschlossen worden, weil ihm vorgeworfen worden war, etwa 28 000 Rand Regierungsgelder zweckentfremdet verbraucht zu haben.

OFFENE WORTE EINES AFRIKANERS

Addis Abeba - Robert K.A. Gardiner, Sekretär der Wirtschaftskommission für Afrika, erklärte aus Anlass des zehnten Geburtstages seiner Organisation, die Welt sei bereit und in der Lage, den afrikanischen Ländern bei ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu helfen, „jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt“.

Wenn die Afrikaner die Hilfe jedoch nicht sachgemäß anwenden, und die Grenzen der Hilfe sehen, wenn sie ihre eigenen Probleme nicht erkennen, Opfer bringen, Steuern zahlen und ihre Hilfsquellen mobilisieren, wenn sie nicht eine Atmosphäre des wirtschaftlichen Vertrauens schaffen, das die Grundlage jedes Handels und aller Kapitalbewegungen ist, wenn sie nicht ihre sozialen Institutionen reformieren und die schöpferische Energie ihrer Menschen nutzen, wenn sie nicht die dringenden Aufgaben der wirtschaftlichen Expansion und des sozialen Wachstums selbst übernehmen, dann können sie nicht erwarten, dass andere Leute die Lebensbedingungen in Afrika verbessern. Gardiner, ein Ghanaer, sieht eine „reale Gefahr“ voraus, wenn die Afrikaner diese Dinge nicht erkennen.

Die Kommission für wirtschaftliche Entwicklungen in Afrika wird am 3. Februar offiziell ihren zehnten Geburtstag in Addis Abeba in Anwesenheit von Kaiser Haile Selassie von Äthiopien und UNO-Generalsekretär U Thant feierlich begehen.

„APOLLO 9“ AUF STARTRAMPE

Kap Kennedy - Amerika hat am Freitag mit den Vorbereitungen für die abenteuerlichste Raumfahrt in der Weltgeschichte - die Landung zweier Astronauten auf der Mondoberfläche gegen Mitte Juli - begonnen. Zuvor aber wird die Raumkapsel „Apollo 9“ in das All getragen, um dort gewissermaßen eine Generalprobe der bevorstehenden Mondlandung von Menschen durchzuführen. „Apollo 9“ befindet sich seit Freitag auf seiner Abschussrampe in Kap Kennedy. Ihr Start ist für den 28. Februar vorgesehen.

Während des Raumfluges der „Apollo 9“ müssen zwei Astronauten schwierige Manöver zur Erprobung des eigentlichen Mondlandegerätes durchexerzieren. Wenn diese Tests gelingen, werden drei weitere amerikanische Astronauten den Mond Mitte Mai in „Apollo 10“ umrunden und bei dieser Gelegenheit noch einmal das Trennungsmanöver mit dem Mondlandegerät durchführen. Im Juli soll dann „Apollo 11“ den großen Sprung auf den Mond wagen. Die Astronauten für diesen Flug sind bisher noch nicht bestimmt worden.

SIRHAN VOR DEM SCHWURGERICHT

Los Angeles - Zum ersten Mal erschien der 24jahrige t gebürtige Jordanier Sirhan Bishara Sirhan im Anzug mit Hemd und Krawatte vor Gericht. Bisher war Sirhan nur im offenen Hemd und Hose vor Gericht erschienen. Unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung des Schwurgerichts in Los Angeles beantragte der Chefverteidiger Sirhans, Grant B. Kooper, eine Vertagung für private Konsultationen“. Dem Antrag wurde entsprochen. Eine Stunde lang hatte die Verteidigung Gelegenheit, eine Anzahl von Anträgen zu besprechen. Nach dem Wiederbeginn der Sitzung beantragte die Verteidigung eine doppelte Besetzung der Geschworenen. Eine Geschworenenbank soll, nach dem Antrag der Verteidigung, das Verfahren anhören, während die zweite über das Strafmaß entscheiden soll. Der Antrag wurde abgelehnt.

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