15 Dezember 2020 | Geschichte

Vor 50 Jahren

15. Dezember 1970

SIR SERETSE KHAMA GEGEN GEWALTPOLITIK

Gaborone — Jede Aktion, die die Gefahr von Gewaltmaßnahmen im südlichen Afrika näher bringe, müsse vermieden werden, erklärte der Präsident von Botswana, Sir Seretse Khama, bei der Eröffnung des Parlaments in Gaborone. Zu diesen Aktionen würde er auch britische Waffenlieferungen an Südafrika zählen. Gewaltmaßnahmen afrikanischer Staaten gegen Südafrika würden diese härter treffen als die Minderheitsregime im südlichen Afrika. Botswana, befürworte die friedliche Entwicklung zur Selbstbestimmung, wobei er jedoch keine Gebiete des südlichen Afrikas erwähnte. Er verurteile jedoch jene nicht, die Gewalt anwendeten, wenn alle anderen Wege verschlossen seien. Aber diejenigen, die für friedliche Mittel seien, sollten nichts tun, was Gewaltmaßnahmen fördern könnte.


NOTSTAND IN SPANIEN

Madrid — Das spanische Kabinett unter General Franco hat am Montag auf einer Sondersitzung eine Proklamation erlassen, die den Notstand in Spanien erklärt. Durch den Regierungserlaß werden bestimmte Paragraphen der verfassungsmäßigen Rechte der spanischen Bevölkerung aufgehoben. Gleichzeitig stattete das Kabinett die Polizei mit uneingeschränkten Sondervollmachten aus, die ihr die Verhaftung und Gefangennahme von Verdächtigen über einen Zeitraum von sechs Monaten erlaubt. Die Ausrufung des Notstandes wird von politischen Beobachtern mit dem Basken-Prozess in Burgos und dem damit gepaart gehenden Unwillen der spanischen Bevölkerung, der inzwischen in ganz Spanien zu zahlreichen Demonstrationen und Streiks wie auch handgreiflichen Auseinandersetzungen geführt hat, in Zusammenhang gebracht.


VERSUCH EINER WEICHLANDUNG AUF DER VENUS

Moskau – Im Laufe des heutigen Dienstags soll die siebente sowjetische Venus-Sonde den Versuch unternehmen, die heiße und dichte Atmosphäre der Venus zu durchstoßen und dabei eine Weichlandung auf der Oberfläche des Morgensterns auszuführen, ein Unternehmen, dass bei Gelingen als erste interplanetarische Weichlandung in die Annalen der internationalen Weltraumfahrt eingehen wird. Bisherige sowjetische Venus-Sonden sind entweder an ihrem Ziel vorbeigeflogen oder zerschellten bei dem Versuch, eine Weichlandung auszuführen, auf der Oberfläche dieses Planeten. An Bord der am 17. August gestarteten Venus-Sonde befinden sich zahlreiche wissenschaftliche Instrumente, deren vorrangigste Aufgabe es sein wird, eine genaue Gasanalyse der Atmosphäre des Morgensterns vorzunehmen.


WIEDER GREENWICH-ZEIT FÜR GROSSBRITANNIEN

London — Mit der großen Mehrheit von 366 gegen 81 Stimmen hat sich das britische Unterhaus für die Wiederherstellung der alten Greenwich-Zeit ausgesprochen. Das Experiment einer Angleichung an die Uhren auf dem Kontinent zur sogenannten „Britischen Standard-Zeit“ war 1968 auf zunächst drei Jahre befristet — in der Amtszeit der Labour-Regierung unternommen worden und ist damit gescheitert. Für die entscheidende Abstimmung hatten die Parteiführungen den Fraktionszwang aufgehoben.
Großbritannien kehrt nun von 1971 an wieder zu dem alten System zurück, wonach die Uhren auf dem Kontinent und in Großbritannien nur in den Sommermonaten die gleiche Zeit zeigen, während England im Winter eine Stunde zurückliegt.


WIEDER LICHT

London — Nach der Erklärung des Notstandes in Großbritannien haben die vier Gewerkschaften, die für den Bummelstreik der 125 000 Elektrizitätsarbeiter verantwortlich sind, überraschend beschlossen, wieder zur normalen Arbeit zurückzukehren. Der Bummelstreik hatte eine Woche gedauert und eine wachsende Unzufriedenheit unter der Bevölkerung hervorgerufen. Überall konnten am Montagabend die Weihnachtslichter aufleuchten. Der Streik wurde abgebrochen, obwohl die Lohnfrage noch nicht gelöst ist. Die Gewerkschaften verlangen eine Lohnerhöhung von 25 Prozent, während der Elektrizätsrat im Hinblick auf die antiinflationistische Politik der Regierung nur 10 Prozent gewähren will.


DIE UNO LEGITIMIERT DIE GEWALT

New York — Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat alle Länder und internationalen Organisationen aufgefordert, ihre Unterstützung Südafrikas, Portugals und Rhodesiens in jeglicher Form einzustellen, bis diese Länder „ihre Politik der Kolonialherrschaft und der Rassendiskriminierung eingestellt haben“. Eine entsprechende Resolution wurde mit 93 zu fünf Stimmen bei 22 Stimmenthaltungen verabschiedet. Ferner wurden alle Mitglieder der Vereinten Nationen sowie alle Organisationen im Rahmen der UNO aufgefordert, die Befreiungsbewegungen in den „Kolonialgebieten“ mit „moralischer und materieller Hilfe“ zu versehen.

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