10 Oktober 2019 | Geschichte

Vor 50 Jahren

9. Oktober 1969

SAMBIA APPELLIERT AN SICHERHEITSRAT

Lusaka - Sambia hat seinen Chefdelegierten in der UNO ersucht, die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des Weltsicherheitsrates zu verlangen, damit Sambia gegen die Bombardierung sambischer Dorfer durch portugiesische Flugzeuge protestieren könne. Dies teilte Vizepräsident Simon Kapwepwe beim Wiederzusammentritt des Parlaments mit. Kapwepwe sagte nicht, wo und wann diese Bombardierungen sich ereignet hatten. Er antwortete nur auf die Frage eines Abgeordneten, der sich nach den „Grenzverletzungen“ durch den „gemeinsamen Militärrat Südafrikas, Rhodesiens und Portugals“ erkundigte. Kapwepwe fügte hinzu, Sambia beabsichtige niemals, einen Angriffsakt gegen die drei genannten Länder zu begehen. Sambia verteidige nur sein eigenes Volk. Im Übrigen verbiete es die Sicherheit, über diese Probleme in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Auf eine Frage des Oppositionsführers Nkumbula, ob Sambia Söldner angestellt habe, antwortete Kapwepwe: „Ein großes Nein.“

REGEN, HAGEL UND STURM

Kapstadt - Während hohe Beamte am Mittwoch eine Konferenz zur Planung des Wiederaufbaus in dem von einem Erdbeben heimgesuchten Katastrophengebiet in Boland vorbereiteten, war die Misere der obdachlosen Opfer durch schweren Regen, Hegel und Sturmwind noch vergrößert worden. Der Sturm hatte die vom Militär aufgestellten Zelte zum Teil wieder umgerissen.

Besonders in Ceres erlebten die Zeltbewohner Überschwemmungen ihrer vorübergehenden Wohnungen. Sämtliche im Einsatz befindlichen Soldaten wurden aufgerufen, den Katastrophenopfern zu helfen und die zusammengebrochenen Zelte wieder aufzustellen. Nach dem Regen konnte nicht sofort festgestellt werden, inwiefern die bereits schwer beschädigten Gebäude in Ceres, Tulbagh und Wolseley weiter unter der zusätzlichen Belastung gelitten haben. Erdrutsche oder Steinschläge in den Bergpässen um diese Orte sind nicht vorgekommen. Im Laufe des heutigen Tages waren verschiedene Sitzungen geplant. Der Katastrophenausschuß des Bolands unter Vorsitz des Bürgermeisters Reinach sowie der Katastrophenausschuß der Regierung sollten im Laufe des Tages zusammentreten.

SPANISCHE FLOTTE VOR GIBRALTAR

Gibraltar - Sechs spanische Kriegsschiffe, nämlich der Kreuzer „Canarias“ - das größte Kriegsschiff Spaniens, ein Hubschrauber-Träger sowie vier Zerstörer kreuzen vor Gibraltar, wo bereits kleinere spanische Kriegsschiffe vor Anker gegangen waren. Großbritannien war von der UNO aufgefordert worden, den Felsen am 1. Oktober Spanien zu übergeben. Großbritannien weigert sich jedoch, auf Gibraltar zu verzichten, da sich die Bevölkerung für das Verbleiben unter britischer Herrschaft ausgesprochen hatte. Die spanische Flottendemonstration ist die zweite gegen Gibraltar gerichtete Aktion. Vor einigen Tagen sind alle Telefonverbindungen zwischen Spanien und Gibraltar abgeschnitten worden: Man vermutet, dass die Flotte den Auftrag hat, von allen Schiffen, die in Gibraltar anlegen, eine spanische Hafengebühr einzuziehen, weil der Hafen Gibraltar als zu Spanien gehörig betrachtet wird. Auch besteht nun eine scharfe Kontrolle über den Luftverkehr. Es ist schwierig, in Gibraltar zu landen, ohne dass spanisches Hoheitsgebiet verletzt wird.

HERTZOG BERUFT KONGRESS EIN

Pretoria - Allminister Dr. Albert Hertzog, der inzwischen aus der Nationalen Partei ausgeschlossen worden ist, veranstaltete am Mittwoch in der Stadthalle Pretoria-Nord gemeinsam mit den ebenfalls von der Partei ausgeschlossenen Volksratsabgeordneten Jaap Marais (Innesdal) und Louis Stofberg (Worcester) eine Kundgebung.

Hauptsprecher vor dem vollbesetzten Stadtsaal war Dr. Hertzog, der sich in einer Rede, die zwei Stunden dauerte, einzig und allein darauf beschränkte, die Chefredakteure der Kapstädter Morgenzeitung „Die Burger“ und der Sonntagszeitung „Die Beeld“ scharf zu kritisieren und als die geistigen Väter des neuen Liberalismus in der Führung der Nationalen Partei hinzustellen.

AUSTRALISCHER BRANDSTIFTER VOR GERICHT

Jerusalem - Gefaßt und ruhig sah der 28-jährige Australier Denis Rohan am Montag seiner Gerichtsverhandlung entgegen. Rohan hat sich wegen Brandstiftung vor einem israelischen Gericht in Jerusalem zu verantworten. Durch die von ihm gelegte Feuersbrunst wurde ein Teil der El-Aqsa-Moschee zerstört, was eine heftige Reaktion der mohammedanischen Welt zur Folge hatte. Besonders starken Angriffen sah sich Israel ausgesetzt, das von der arabischen Welt als Initiator des Moschee-Brandes beschuldigt worden ist.

Unterrichtete Beobachter meinen, dass der Anwalt Rohans Einspruch wegen einer möglichen Geisteskrankheit seines Klienten erheben wird. Sollte dies der Fall sein, so wird sich das Verfahren über Wochen hinauszögern und theoretisch mit einer 44-jährigen Gefängnisstrafe für den Australier enden. Als Richter Hendry Baker den Anwalt des Angeklagten, Yitzhak Tunik - einer der hervorragen-den Rechtsvertreter Israels - zur Einwendung möglicher Einsprüche aufrief, erwiderte dieser: „Der Angeklagte plädiert auf unschuldig.“ Die Tatbestände werden nicht in Erwägung gezogen. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

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