11 Juli 2018 | Meinung & Kommentare

Von Verweigerung der Gefolgschaft

Da sind sie wieder diese Worte: Hochverrat, Volksverhetzung, Staatsfeind, Verfassungsgegner. Wer die Festnahme von sechs mutmaßlichen Separatisten in der Sambesi-Region als überraschendes déjà vu empfindet, hat nicht verstanden, was dort vor sich geht.

Fakt ist, dass Einwohner des Caprivi-Zipfels aus historischen und kulturellen Gründen keine Affinität zum Rest des Landes verspüren. Und Tatsache ist auch, dass sich die daraus entstandenen Unabhängigkeitsbestrebungen nicht durch Partei-Verbote, Polizei-Einsätze oder Strafprozesse bekämpfen lassen. Weil eine Gesinnung gegen äußere Einflüsse immun ist, weil sich Menschen nicht durch Drohungen, Gesetze oder Überzeugungsarbeit gegen ihren Willen integrieren lassen.

Und dieser Wille ist spätestens am 2. August 1999 abhandengekommen, als Sicherheitskräfte nach dem gescheiterten Aufstand einiger Caprivi-Rebellen versucht haben, Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen. Als sie wahllos mutmaßliche Separatisten oder deren vermeintliche Gesinnungsgenossen drangsaliert, verhaftet und gefoltert haben. Als sie ethnische Minderheiten unter Generalverdacht gestellt und mit ihrer Hexenjagd eben das bestätigt haben, was diese Randgruppen ohnehin vermuten: Dass sie marginalisiert, diskriminiert und ausgegrenzt werden. Dass sie bestenfalls geduldet sind, aber nie anerkannter Teil Namibias sein werden.

Wer daran zweifelt, sollte die hunderten im botswanischen Exil verharrenden Flüchtlinge fragen, die 1999 vor dem Terror der Polizeiwillkür geflohen sind und bis heute aus Angst vor weiteren Übergriffen die Rückkehr scheuen. Die sich wie Fremde in der eigenen Heimat fühlen, sich vor eben der Regierung fürchten, die von ihnen Gefolgschaft verlangt.

Die Verfassungstreue lässt sich simulieren, die eigentlichen Absichten im Geheimen mit Gesinnungsgenossen im Busch besprechen. Wer glaubt, mit der Verhaftung einzelner auch separatistisches Gedankengut isolieren zu können, wird sich noch mehrmals täuschen.

Marc Springer

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