16 April 2018 | Meinung & Kommentare

Von vertraulichen Verschlusssachen

Verdächtig und unverhältnismäßig: So lässt sich der Versuch des Geheimdienstes (NCIS) beschreiben, eine Zeitung an der Veröffentlichung vermeintlich vertraulicher Information zu hindern.

Dass der NCIS dabei derart schwere Geschütze auffährt und zum Instrument der Unterlassungsklage greift, zeigt zweierlei: Erstens, dass die Information der Zeitung wahrscheinlich korrekt ist und der Geheimdienst mindestens zwei Farmen gekauft hat. Und zweitens, dass dieser Vorgang vermutlich fragwürdig war, weil die Farmen etwa zur Freizeitgestaltung von NCIS-Funktionären angeschafft und mit Steuergeldern bezahlt wurden.

Wer dermaßen überstürzt ans Obergericht eilt, der hat etwas zu verbergen, der nutzt den Vorwand nationaler Sicherheit als Scheingrund dafür, Medien mundtot zu machen und sich vor unliebsamen Recherchen zu schützen. Der verkennt, dass ein Geheimdienst wie auch immer geartete Gefahren abwehren und sich nicht selbst vor Anfragen abschirmen soll, die zumindest augenscheinlich in keiner Weise sicherheitsrelevant sind.

Erreicht hat der NCIS das Gegenteil, weil durch die Klage nun andere Medien auf das Thema aufmerksam geworden sind und Nachforschungen anstellen werden. Medien, die nicht einer möglichen Verfügung gegen die beklagte Zeitung unterworfen wären und publizieren könnten, was immer ihnen behagt.

Demnach stellt sich die Frage, warum der NCIS nicht das getan hat, was Regierungsinstanzen in diesen Fällen immer tun: Anfragen aussitzen, Anrufe und Emails ignorieren und einfach abwarten, bis der lästige Reporter erschöpft aufgibt. Indem der Dienst das Farm-Thema zur Verschlusssache erklärt, hat er nun den journalistischen Jagdinstinkt zahlreicher Redakteure geweckt und sich selbst einen Bärendienst erwiesen.

Denn wenig fordert Medienschaffende derart heraus, wie Geheimniskrämerei, legt es doch nahe, dass wo Rauch ist, auch Feuer sein muss, dass die Farmen nicht dem Schutz Namibias, sondern dem Privatvergnügen von NCIS-Mitarbeitern dienen sollen.

Marc Springer

Gleiche Nachricht

 

Schein und Sein des Militärs

vor 14 stunden | Meinung & Kommentare

Nirgendwo wird Beschäftigungstherapie so deutlich wie bei einer Armee im Friedenszustand. Zum Beispiel in Namibia. Zwar wünschen wir uns, dass der Frieden anhält und die...

Wieder mal der Sündenbock

vor 4 tagen - 19 April 2018 | Meinung & Kommentare

Der Swakopmunder Laidlaw Peringanda hat gedroht, den Küstenkarneval zu „stoppen“, sollten die deutsch-namibischen Swakopmunder nicht am Wochenende zu seiner Fotoausstellung kommen und dabei „den Genozid...

Ungleiche Allianz mit China

vor 5 tagen - 18 April 2018 | Meinung & Kommentare

Die benachbarten Staatschefs gaben sich vor kurzem fast die Klinke in die Hand. Erst machte Namibias Präsident Geingob, dann Simbabwes Staatsoberhaupt Mnangagwa seine Aufwartung in...

Ankündigung allein tut's nicht

vor 6 tagen - 17 April 2018 | Meinung & Kommentare

In seinem Bericht zur Lage der Nation (SONA) meinte Präsident Geingob: „Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit NEEEF, das als Säule der Gleichstellung gedacht war,...

Von vertraulichen Verschlusssachen

1 woche her - 16 April 2018 | Meinung & Kommentare

Verdächtig und unverhältnismäßig: So lässt sich der Versuch des Geheimdienstes (NCIS) beschreiben, eine Zeitung an der Veröffentlichung vermeintlich vertraulicher Information zu hindern. Dass der NCIS...

Zwischen Wahrheit und Glaube

1 woche her - 13 April 2018 | Meinung & Kommentare

Am Ende blieb nichts übrig als heiße Luft. Denn das „Geheimabkommen“ zwischen zwei Regierungen, wonach Deutschland lieber großzügige Entwicklungshilfe an Namibia zahlt, um sich damit...

Namibia ist gut vorbereitet

1 woche her - 12 April 2018 | Meinung & Kommentare

Gut gemacht. Alle Interessenträger, die vor kurzem schnell reagiert haben und die Ölverschmutzung beim Afrodite-Strand beseitigt haben, verdienen ein Lob. Sehr zügig haben die verantwortlichen...

Zeit sich an die Nase zu fassen

1 woche her - 11 April 2018 | Meinung & Kommentare

Misswirtschaft und Korruption kommen in Namibia von langer Hand. Nun hat der unlängst ernannte Minister für öffentliche Arbeiten seine beträchtliche Mannschaft zur Ordnung gerufen. Dabei...

Mit Abfall kommt Verantwortung

1 woche her - 10 April 2018 | Meinung & Kommentare

Aus den Augen, aus dem Sinn. Das gilt bei vielen Menschen auch ganz offensichtlich für den Müll. Laut Angaben der Windhoeker Stadtverwaltung landen jeden Monat...

Das Budget und die faulen Eier

vor 2 wochen - 09 April 2018 | Meinung & Kommentare

Es ist fast wie zu Ostern: Je mehr man sucht, desto mehr Eier tauchen auf. So war es auch, nachdem der Entwurf des Staatshaushalts von...