12 Juli 2018 | Meinung & Kommentare

Von Unvernunft und Populismus

Die ungezügelte Rüge zweier Minister an aktuellen Befunden der diesjährigen Meinungsumfrage Afrobarometer zeugt von dem einfältigen Niveau der hiesigen Politik: Lieber wird der Überbringer ins Visier genommen, anstatt sich den Beweggründen zu widmen. Und so beweisen diese Regierungsvertreter, dass sie nicht nur den Wert sozioökonomischer und -politischer Forschung gar nicht verstehen, sondern dass sie angesichts wohlverdienter Kritik und aus Furcht vor dem Verlust an Wählerstimmen auch schnell auf die Barrikaden gehen und leicht dem Populismus zuneigen.

Die Worte des Ministers für Armutsbekämpfung und Sozialfürsorge, Zephania Kameeta, sowie des Vizeministers für Ländliche und Städtische Entwicklung, Derek Klazen, zeugen von komplettem Missverständnis von Seiten dieser Politiker. Kameeta erklärte, er könne „diese sogenannte akademische Untersuchung“ gar nicht nachvollziehen – und somit sei für ihn deutlich, dass die Ausrichter lediglich versuchten, die Bevölkerung „gegen die Regierung aufzuwiegeln“. Auch Klazen nahm kein Blatt vor den Mund und behauptete, das Afrobaromter verbreite „nur Lügen“, um die „gute Arbeit der Landesführung in Verruf zu bringen“. Zudem diskreditierte der Vizeminister die Befunde, indem er behauptete, dass eine Umfrage von „vielleicht 1000 Personen“ kaum für die gesamte Bevölkerung gelten könne.

Das zeigt, dass sich unsere werten Politiker nicht nur selbst überschätzen und keinerlei Kritik vertragen können, sondern auch den Sinn und Zweck dieser Meinungsforschung verkennen. Denn wer eine Untersuchung lediglich anhand der Größe der Stichprobe ablehnt, ohne auf Demografie und Methodik einzugehen, hat von Forschungsarbeit offensichtlich keine Ahnung und ist somit in der Ministerposition fehl am Platz. Vor allem wenn die Umfrage von beispielsweise der Diplomatin und ehemaligen US-Unterstaatsekretärin für Afrikanische Angelegenheiten, Linda Thomas-Greenfield, als „Goldstandard für unabhängige Meinungsforschung in Afrika“ bewertet wird.


Clemens von Alten

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