12 Dezember 2019 | Meinung & Kommentare

Von kollektiver Entfremdung

Es sind subtile Zeichen, die den Hauch eines Wandels andeuten, die nahelegen, dass etwas in Bewegung geraten ist, sich etwas in der öffentlichen Wahrnehmung verschoben hat. Das Plakat auf dem „SWAPO down!“ steht. Das Transparent mit der Aufschrift: „Geingob must go!“ Oder der Name Panduleni Itula, der bei Demonstrationen wie der eines Heilsbringers skandiert wird.

Das ist neu. Dass sich die Wut über seit langem herrschende Missstände so unmittelbar gegen die Regierung, so unverschleiert gegen die machthabende Partei richtet. Dass nicht generell Mangel- und Misswirtschaft angeprangert, sondern die SWAPO öffentlich als deren Ursprung identifiziert wird.

Wer bei Kundgebungen wie der gegen Korruption gerichteten Protestveranstaltung in Walvis Bay genau hinhört, der bemerkt eine Veränderung in der Tonlage. Dem fällt auf, dass nicht die Vergabe von Fischfangquoten an ausländische Firmen im Allgemeinen verurteilt wird, sondern dass es heißt, SWAPO-Vertreter würden sich bei diesem Vorgang an Schmiergeld bereichern.

Früher hätte der Fischer gesagt, sein Arbeitgeber habe die Fangquote verloren und er dabei seinen Job eingebüßt. Heute behauptet er, SWAPO-Minister hätten persönlich an der Quotenvergabe verdient und dabei seinen Arbeitsplatz geopfert. Und er sagt, dass es in anderen Bereichen gewiss genauso sei, dass Regierungsvertreter vermutlich auch bei der Vergabe von Beschaffungsaufträgen, Schürflizenzen oder Baugenehmigungen die Hand aufhalten würden.

Dieser Argwohn, diese Distanz zur SWAPO lässt sich nicht allein mit der Fishrot-Affäre erklären. Wer sich erkundigt hört immer wieder, der Skandal habe nicht wirklich überrascht, sondern nur bestätigt, was man ohnehin lange vermutet habe: Dass die SWAPO korrupt sei und abgewirtschaftet habe. Der begreift, dass es hier nicht um eine einmalige Kränkung, eine unerwartete Enttäuschung, sondern um Verschleißerscheinungen und schleichenden Liebesentzug nach einer langen Beziehung geht.

Marc Springer

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