21 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Von Faszination und Vertreibung

Allein dem Wort wohnt etwas magisches, etwas erhabenes inne: Wüstenlöwe. Es evoziert den Zauber des Einzigartigen, birgt die Verheißung einer einmaligen Begegnung mit dem König der Tiere, der in karger Umgebung wie ein deplatzierter Fremdkörper wirkt.

Und gleichzeitig ist es eben dieser Reiz, der die Raubkatzen zum Mythos gemacht und eine Faszination ausgelöst hat, die auch die Keimzelle ihrer Vertreibung enthält. Der Grund liegt wie so oft in der Verlockung des Geldes. Wer unvergleichliches zu bieten hat, dem ist das Interesse wohlhabender Globetrotter sicher, die bereits exklusivste Orte der Welt bereist und dort Fotos wie Trophäen gesammelt haben. Der ist versucht, von der Anziehungskraft der Wüstenlöwen finanziell zu profitieren, selbst wenn dies mit der hehren Absicht geschieht, einen Teil der Einnahmen in deren Schutz zu investieren.

Für den Besucher, der in einer der wachsenden Anzahl Lodges im Territorium der Raubkatzen viel Geld bezahlt hat, der will dafür etwas geboten bekommen. Für den ist eine Sichtung der ebenso seltenen wie scheuen Tiere mitunter nicht weniger als der Antrieb für die eigene Anreise. Auf den muss eine Löwenfährte wie eine Verlockung, wie die Spur zum eigenen Glück wirken.

Die kollektive Erwartungshaltung der Gäste setzt wiederum den Reiseführer unter Druck, bestehende Wege zu verlassen und ökologisch sensibles Gebiet zu durchfahren um seinen Passagieren die Sehnsucht nach einer Löwensichtung zu erfüllen. Ist das Objekt der Begierde geortet, werden Kollegen per Funk verständigt, machen sich Selbstfahrer auf den Weg, den Ortskundigen auf ihrer Suche nach den teilweise zu Fabelwesen verklärten Raubkatzen zu folgen.

Es formiert sich eine Art Wagenkolonne in Richtung der Löwen, es beginnt sich eine kleine Wagenburg um die Tiere zu bilden. Wie reagieren diese auf die unerwünschte Aufmerksamkeit? Sie stehen auf und gehen und mit ihnen der Grund dafür, warum ihre Beobachter gekommen sind.

Marc Springer

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