11 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Vom Sterben auf unseren Straßen

Einen soeben verunfallten Menschen zu sehen, der um die letzten Atemzüge seines Lebens ringt, ist kein schöner Anblick. Rettungssanitäter dabei beobachten zu müssen, wie sie den Leichnam einer Frau aus einem Autowrack ziehen, auf eine Pritsche legen und abfotografieren ist kein angenehmes Erlebnis.

Wer als Reporter unter dem Eindruck dieser Erfahrung auf dem Rückweg von einem entgegenkommenden Autofahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit passiert wird, der empfindet vor allem eines: Wut. Der fragt sich, was im Kopf eines Fahrzeugführers vorgeht, der in scharfer Kurve und an unübersichtlichem Hang zum Überholmanöver ansetzt, der seinen Wagen zur Waffe umfunktioniert, und nicht nur mit seinem Leben russisches Roulette spielt, sondern auch mit dem anderer Verkehrsteilnehmer.

Der kann einfach nicht glauben, dass das Schlachten auf namibischen Straßen unser kollektives Schicksal sein soll. Dass wir motorisierten Mutproben nichts entgegensetzen, das tägliche Sterben auf vier Rädern nicht zumindest eindämmen können. Der fragt sich, warum es nicht mehr Radarfallen, mehr Geschwindigkeits- und Verkehrskontrollen gibt. Warum es nicht möglich ist, unterwegs Raser telefonisch der Polizei zu melden, damit sie bei der nächsten Straßensperre aus dem Verkehr gezogen werden können. Warum nicht Egomanen der Führerschein entzogen wird, die unsere Straßen als Rennbahn nutzen.

Die Justiz wird keine Abschreckung schaffen, wird nicht den Unfallfahrer Jandré Dippenaar wegen Mordes verurteilen und ein Exempel statuieren können, weil ihm kein Vorsatz nachzuweisen ist. Wir müssen es richten, müssen protestieren, demonstrieren und aufbegehren.

Der Rettungssanitäter sagt, er müsse bei der Arbeit emotionale Distanz wahren, dürfe nicht in die Augen der Opfer schauen. Wir brauchen, ja dürfen uns hingegen nicht zügeln. Wir müssen Genug! rufen, müssen wütend werden und dagegen ankämpfen, dass das sinnloses Sterben auf den Straßen zu unserem Alltag wird.

Marc Springer

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