06 März 2012 | Politik

Vom Schlagabtausch zum Dialog

Die kontroverse Auseinandersetzung um die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte entzündet sich periodisch bei Gedenkanlässen, die entweder gemeinsam begangen werden, wie die Zusammenkunft auf Ohamakari im August 2004, oder sie verlaufen in fast völlig getrennter Bahn, wie das Gedenken am Reiterstandbild am 27. Januar 2012 - einmal zur 100. Wiederkehr der Schlacht am Waterberg bzw. zum Gedenken an die Enthüllung des Standbilds vor 100 Jahren. Damit sind Beispiele der Extreme aufgezeigt, die durch Dialog und Austausch überbrückt werden müssen, um die friedliche Zukunft weiter zu gestalten, die mit Risiken und Altlasten zahlreicher Ebenen 1990 begonnen hat, die aber auch aus dem konfliktreichen Jahrzehnten davor abzuleiten ist.

Wir stehen dabei auf den Schultern voriger Generationen, die nach ihren Möglichkeiten, nach ihrem Ermessen und innerhalb ihrer Grenzen das Ihrige geleistet, verpasst oder verfehlt haben. Bei der Betrachtung der Landesgeschichte bieten sich sowohl schriftliche als auch mündliche Quellen an, wobei den Nachfahren auch das Unterscheidungsvermögen abverlangt wird, was zur Legende, zum Mythos und zur ausschmückenden Übertreibung zu zählen ist und was dem Boden der Tatsachen zugerechnet werden kann. Der lutherische Bischof Dr. Zephania Kameeta hat als unabhängige Stimme die Redaktion der Allgemeinen Zeitung beschuldigt, dass sie es bei der Aufarbeitung der Themen an Würde fehlen lasse und einer verwerflichen Ideologie folge, die zur Verzerrung historischer Fakten führe. Der Bischof ist dafür bekannt, dass er auch gegen Mehrheiten unerschrocken Missstände wie Tribalismus und Nepotismus aufgreift und trotz Widerspruchs vom Staatsoberhaupt in der Armutsbekämpfung Stehvermögen beweist. Kameeta ist selbst vom Medieninstitut des Südlichen Afrika (MISA) schon einmal (2003) als "freier Meinungsverfechter" des Jahres ausgerufen worden.

Auch wenn Kameeta grobes Geschütz auffährt und bei mangelnder Konkretisierung von "Verzerrung historischer Fakten" und einer nicht definierten "Ideologie" in der AZ spricht, übt er sein und unser gutes Recht auf freie Meinungsäußerung aus, das wir verteidigen werden, auch wenn wir seinem Urteil aus gutem Grund nicht folgen können. Es bleibt auch die Frage, ob Kameeta und Andere - wie Präses Schneider in Deutschland - sich an selektierter mündlicher Überlieferung und selbstzensierten Schriften orientieren, oder ob sie imstande sind, auch seriöse Quellen zu berücksichtigen.

Auf jeden Fall enthalten die aktuellen Hirtenbriefe aus der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie Kameetas scharfe Kritik dennoch konstruktive Ansätze und gemeinsame Nenner, "um nach vorn zu schauen und um die Beziehungen und die Zukunft gemeinsam und konstruktiv zu gestalten", wie es in Kameetas Formulierung heißt.

Es gibt fürwahr keinen Grund, den gemeinsamen Weg an unterschiedlicher Auslegung der Vergangenheit zu gefährden.

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