30 November 2017 | Meinung

Vom Machtgedöns bis zurück in den Alltag

Nach dem politischen Gedöns vom Safari Hotel in Ovenduka bis in die Straßen von Harare kehren wir wieder in den Alltag zurück. Diev Oukies checken ihr Angelgerät und die Tussies legen Zwieback, Klipdrift und Koeksusters zurecht. Die Ferntaxis planen derweil, wie sie den Ansturm auf den Norden befördern können. Und der Verkehrsunfallfonds bangt um seine strapazierten Mittel, ob die für alle Karambolagen und Überlebende reichen.

Der Alltag is nach dem Parteitag zurückgekehrt, der so ziemlich die ganze Nation der Bravourösen in Atem gehalten hat. Es war denkbar, aber schier unmöglich, dass wir eine Situation gehabt hätten, dass Omukwaniilwa Comräd Jerry Ekandjo, ansonsten noch Jugendminister, oder gar Omushamane Nahas Angula die Spitze der Partei besetzt hätte, die sich als die Größte aller Zeiten wähnt, derweil Omupräsidente III, Comräd !Gôahesab Hage Gottfried Geingob, auf dem Staatsthron der Nation gesessen hätte. Also zwei Machtzentralen in einer Kultur, die sowieso wüst schwer kriegt, mit Macht umzugehen, das wär´ wrachtach ein Szenario für ´n nationales Desaster.

Immerhin nach außen is die sakrosankte Einheit der Partei gewahrt und die Weichen scheinen gestellt, dass Omupräsidente III von seinen Genossen 2019 als Präsidentschaftskandidat für seinen zweiten Amtstermin nominiert wird. Das heißt, das Omupräsidente III bis 2025 für Stabilität im Hause Namibia zu sorgen hat, bis ihn dann ein anderer ablöst. Bisher ham wir unsere Präsidenten mit goldenem Hähndschäik in den Ruhestand verabschiedet. Auch wenn die hohen Ausgaben dafür unsere Scherzgrenze überschreiten, isses tatsächlich besser, als wenn ein in die Macht vernarrter Diktator vom Thron gestoßen werden muss.

Die Stadtväter von Ovenduka ham schon wieder Lust auf die Umbenennung von Straßennamen. Die machen sich in die Hose, dasses noch ´ne Lazarettstraße gibt. Jetzt ham die klugen Stadträte die goldene Gelegenheit, die Mugabe-Äwwenju in Ovenduka mit einem vernünftigen Namen anstelle den des Diktators zu versehen. Während eines der blutigen Pogrome in Simbabwe hatten findige Windhoeker auf etlichen Mugabe-Straßenschildern den Vornamen „Robert“ mit dem Sticker „Killer“ überklebt. Denkt Ihr, unsere Stadtväter könnten soviel Mut aufbringen?

Nach dem beschleunigten Abgang des von unseren Genossen vielfach bewunderten Diktators is nun Emmerson Munangagwa, das Krokodil, der neue Heilsbringer, Jahrzehnte lang Comräd Boppa Mugabes Steigbügelhalter. Die afrikaanse Sonntagszeitung Rapport nennt ihn „Mord-Messias“. ´s is verständlich, dass die Masse der Simbabwer nach dem Niedergang und Terror unter Mugabe zunächst jedweden Nachfolger jubelnd begrüßt und wenig über seine Vergangenheit worried. Check net Emmersons Vergangenheit, eine Büchse der Pandora. Aber man soll bekanntlich den Optimismus nich verlieren, dass ein Mensch sich toch noch ändern könne, wie´s in der Möglichkeitsform heißen muss.

Den Moment, Mugabe unter Hausarrest zu stellen, ham die Militärs übrigens sehr gut abgepasst. Tausende von Jubel-Demonstranten in Simbabwe und sogar anderswo konnten erstmal ihren aufgestauten Frust auf den Straßen ausdrücken. Darunter auch explizit weiße Simbabwer - von denen sind nach dem Mugabe-Rassismus sowahr noch paar übrig - auf ihrem Banner und Transparent war zu lesen: „Wir ham uns nich ausgesucht, als Simbabwer geboren zu werden. Aber wir hatten das Glück“ - We didn´t ask to be born Zmbabwean. We just got lucky. Gewiss sind noch andere Übersetzungen möglich.

Kehren wir in unsere Gefilde zurück und wünschen wir unserer Opolifi zu ihrem 27. Jubiläum viel Scharfsinn und Ausdauer, die Verbrecher in der Gesellschaft und die bleddy Halunken in ihren Reihen dingfest zu machen.

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