02 August 2018 | Meinung & Kommentare

Vom Chaos zum Sahnehäubchen

Es ist eine namibische „Krankheit“: Bei vielen Instanzen werden oft neue Systeme eingeführt, die weder gut durchdacht sind noch getestet wurden. Ein gutes Beispiel für solch schlechte Planung ist das neue Parkplatzsystem in Swakopmund, das bei der gestrigen Einführung in ein völliges Chaos ausartete.

Der Hauptgrund für das Chaos war eine besonders schlechte Planung sowie Informationsmangel. Weder Autofahrer noch Geschäftsinhaber in der Stadtmitte wurden angemessen informiert und somit vom neuen System überrascht worden. Und obendrein kommen die neueingestellten Parkplatzwächter mit der einhergehenden Technik nicht klar.

Dass sich die bestehenden Autowächter weigern, Teil dieses neuen Systems zu werden, ist völlig nachvollziehbar. Sie befürchten einen Einbruch ihres Einkommens, was eine kurze Berechnung auch bestätigt. Zurzeit erhalten die Autowächter für ihre Dienste ein Trinkgeld – viele Autowächter, die schon seit mehr als zehn Jahren in der Stadtmitte arbeiten und auch bekannt sind, verdienen so nach eigenen Angaben rund 4000 N$ pro Monat.

Im Gegensatz erhält der Parkplatzwächter ein festes Gehalt in Höhe von 500 N$ und eine Kommission von 7 Prozent. Wenn man bedenkt, dass im Schnitt jedem Aufpasser rund 15 Parkplätze zugewiesen werden, führt das zwangsläufig zu einem deutlich geringeren Einkommen. Sollten nämlich alle 15 Parkplätze durchgehend besetzt sein und jeder Autofahrer sechs N$ pro Stunde zahlen, kann ein Wächter gerademal mit einem Einkommen von höchstens 1634 N$ im Monat rechnen – weniger als die Hälfte der gegenwärtigen Einnahmen. Die Firma, die für das System verantwortlich ist, würde deutlich mehr kassieren.

Dabei ist die Einführung eines Parkiersystems eigentlich sinnvoll, wie es in vielen Orten dieser Welt die Norm ist. In diesem Fall sorgen Informationsmangel und die Art und Weise der Umsetzung für Irritation und Verwirrung. Dass sich die Stadt nun davon distanziert, obwohl sie das System gutgeheißen hat, ist die Krönung.



Erwin Leuschner

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