15 November 2021 | International

Viele Tote durch Feinstaub

300 000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaubbelastung

Durch einen verstärkten Klimaschutz dürfte die Erderwärmung erst in einigen Jahrzehnten gestoppt werden. Einen Effekt haben solche Maßnahmen aber fast unmittelbar: frischere Luft mit weniger Schadstoffen - und damit verbunden weniger vorzeitige Todesfälle.

Von Steffen Trumpf, dpa
Kopenhagen
Die Luftqualität in Europa wird immer besser - trotzdem fallen jährlich weiterhin Hunderttausende Europäer der Belastung durch Feinstaub und andere Schadstoffe zum Opfer. Wie die EU-Umweltagentur EEA mitteilte, starben im Jahr 2019 schätzungsweise 307 000 Menschen in der Europäischen Union vorzeitig durch die Belastung ihrer Umgebungsluft mit Feinstaub, unter ihnen Zehntausende in Deutschland. Mehr als die Hälfte dieser vorzeitigen Sterbefälle in der EU - etwa 178 000 oder 58 Prozent - hätten laut EEA theoretisch verhindert werden können, hätten alle Mitgliedstaaten die neuen Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO eingehalten.
Die WHO hatte ihre empfohlenen Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft im September deutlich strenger gefasst. Das, was die Organisation für gesundheitlich vertretbar hält, liegt damit noch deutlicher unter den auch in Deutschland derzeit geltenden EU-Richtwerten. Jedes Jahr sterben nach WHO-Schätzungen weltweit sieben Millionen Menschen frühzeitig infolge von Luftverschmutzung.
Die in Kopenhagen ansässige EEA unterstrich nun in einer umfassenden Analyse zu den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie 14 weiteren europäischen Ländern, dass die Luftqualität in Europa 2019 besser als 2018 gewesen sei. Dies habe auch weniger negative gesundheitliche Folgen für die Europäerinnen und Europäer nach sich gezogen. Damit liegt 2019 im Trend der Vorjahre: Langfristig betrachtet geht die Luftverschmutzung zurück, während die Länder daran arbeiten, ihre klimaschädlichen Emissionen zu verringern und die Luftqualität zu verbessern.
Investitionen in sauberere Wege beim Heizen sowie in Verkehr, Landwirtschaft und Industrie sorgten für eine bessere Gesundheit, Produktivität und Lebensqualität für alle Europäer, erklärte EEA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx. „Diese Investitionen retten Leben und tragen auch dazu bei, den Fortschritt in Richtung CO2-Neutralität und starker Biodiversität zu beschleunigen.“
Ehrgeiziges Ziel
Die EU-Kommission hat im Rahmen ihres sogenannten European Green Deal das Ziel ausgegeben, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch die Belastung mit Feinstaub bis 2030 um mehr als 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. Nach EEA-Angaben ist die EU dabei derzeit auf einem guten Weg: Diese Zahl sei zwischen 2005 und 2019 um etwa ein Drittel reduziert worden.
Das bedeutet jedoch bei Weitem nicht, dass der Kampf gegen die Luftverschmutzung gewonnen ist: Wie aus der jährlich veröffentlichten Analyse hervorgeht, sind neben den 307 000 vorzeitigen Todesfällen aufgrund von Feinstaub (PM2.5) 40 400 weitere auf chronische Belastung mit Stickstoffdioxid sowie 16 800 mit bodennahem Ozon zurückzuführen. Im Falle von Deutschland gibt die Umweltagentur diese Zahlen mit 53 800, 6000 und 3350 an.
Zusammengezählt werden sollten diese Werte wegen möglicher Doppelzählungen nicht. Insgesamt kommt die EEA aber zum Schluss, dass sich die Situation 2019 im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat, am meisten dabei beim Stickstoffdioxid. Doch trotz der Fortschritte der vergangenen Jahre habe man noch einen langen Weg vor sich, um das Niveau der neuen WHO-Grenzwerte zu erreichen, so der Regionaldirektor der WHO Europa, Hans Kluge.
Grenzwerte überschritten
Erst im September hatte die Umweltagentur gewarnt, dass die Menschen in weiten Teilen der EU noch immer zu viele Schadstoffe einatmeten. Die Konzentration von Luftschadstoffen sei in den meisten Staaten Europas weiter zu hoch, hatte die EU-Behörde mitgeteilt. Die meisten EU-Länder überschritten 2019 mindestens einen der gesetzlichen EU-Grenzwerte. In Deutschland wurden demnach Werte oberhalb der EU-Grenzen beim Stickstoffdioxid (NO2), bodennahem Ozon (O3) und Benzo(a)pyren (BaP) - einem krebserregenden Schadstoff, der vor allem bei der Verbrennung von Kohle und Holz entsteht - gemessen.
Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon ist nach EEA-Angaben die größte von der Umwelt ausgehende Gefahr für die Gesundheit in Europa und eine der Hauptursachen für frühzeitige Sterbefälle und Erkrankungen.

Gleiche Nachricht

 

Vor Nato-Treffen: Ukraine warnt vor Einmarsch russischer Soldaten

vor 19 stunden | International

Riga/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat kurz vor einem Nato-Treffen vor einem möglichen Einmarsch Russlands in ihr Land gewarnt. „Im schlimmsten Fall versucht Russland, die...

Fachkräfte gesucht - Maschinenbauer wollen Personal aufstocken

vor 1 tag - 29 November 2021 | International

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands Maschinenbauer beklagen einer Umfrage zufolge eine Verschärfung des Fachkräftemangels. Die Mehrheit der 356 im November befragten Personalverantwortlichen sieht Engpässe bei allen...

Corona-Variante Omikron in Deutschland angekommen

vor 2 tagen - 28 November 2021 | International

Berlin (dpa) - Die im südlichen Afrika entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus hat Deutschland erreicht. In München wurde die als besorgniserregend eingestufte Variante nach Angaben des...

Kein Kimmich gegen Dortmund: Das Virus mindert Bayerns 2G-Problem

vor 5 tagen - 25 November 2021 | International

München (dpa) - Jetzt hat das in Deutschland wütende Coronavirus Joshua Kimmich direkt erwischt und ist auch in seinen Körper eingedrungen. Und das hat vielfältige...

Corona zum Trotz: Weihnachtshäuser sorgen für großes Bling-Bling

vor 5 tagen - 25 November 2021 | International

Balzhausen/Oberhausen (dpa) - Weihnachtsmärkte sind wegen Corona mancherorts abgesagt, aber auf die Bewohner privater Weihnachtshäuser ist auch dieses Jahr wieder Verlass. Ob Delmenhorst im Norden,...

Rekord an Neuinfektionen

vor 6 tagen - 24 November 2021 | International

Von Deutsche Presse-AgenturBerlin Die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Corona-Neuinfektionen hat abermals einen neuen Höchststand erreicht. Zudem stieg die bundesweite...

Verhandlungen über Ampel-Koalitionsvertrag vor dem Abschluss

vor 6 tagen - 24 November 2021 | International

Berlin (dpa) - Zwei Monate nach der Bundestagswahl stehen die Verhandlungen von SPD, Grünen und FDP über die Bildung einer Ampel-Regierung unmittelbar vor dem Abschluss....

Vier Länder kommen zum Weltkindertag zusammen

1 woche her - 23 November 2021 | International

Zum ersten Mal in der Geschichte sind am Weltkindertag der UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die vier Länder Namibia, Botswana, Sambia and Simbabwe zusammengekommen....

Bundesbank: Inflation von knapp 6 Prozent und Konjunkturdelle

1 woche her - 22 November 2021 | International

Frankfurt/Main (dpa) - Inflationsraten von knapp 6 Prozent und ein vorläufiges Ende der Konjunkturerholung in Deutschland: Die Aussichten zum Jahresende haben sich inmitten steigender Corona-Zahlen...

Heiße Quellen und neue Tierarten im Golf von Kalifornien...

1 woche her - 21 November 2021 | International

La Paz (dpa) - Forschende aus Mexiko und den USA haben im Golf von Kalifornien neue hydrothermale Quellen und wohl bislang unbekannte Tierarten entdeckt. Mit...