25 November 2021 | Gesundheit

Viele sind gegen die legale Abtreibung

Das System „versagt“ - „Wo waren Verhütungsmittel während des Lockdowns?“

Die Diskussion um die geplante Legalisierung von Abtreibungen gewinnt an Fahrt. Vor kurzem haben sich die Mehrheit der Teilnehmer bei einer öffentlichen Debatte zu diesem Thema dagegen ausgesprochen und stattdessen von der Regierung mehr Unterstützung für Frauen gefordert.

Von Leandrea Louw und Erwin Leuschner, Swakopmund/Walvis Bay

Namibia will das Gesetz über Abtreibung und Sterilisierung von 1975 überarbeiten. Angesichts mehrerer Petitionen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sowohl die Legalisierung als auch Nicht-Legalisierung der Abtreibung in Namibia fordern, macht das Thema wieder Schlagzeilen. Zurzeit führt der parlamentarische ständige Ausschuss für Geschlechtergleichstellung, soziale Entwicklung und Familienangelegenheiten landesweite Gespräche und holt die Meinung der Öffentlichkeit ein. Vor kurzem wurden derartige Konsultationen in der Erongo-Region gehalten - bei der Zusammenkunft in Walvis Bay hat sich der Großteil der Teilnehmer gegen die geplante Legalisierung ausgesprochen.

Zurzeit sind Abtreibungen in Namibia lediglich in vier Fällen legal: Wenn eine Schwangerschaft auf Vergewaltigung oder Inzest beruht; wenn es medizinische Gründe dafür gibt und wenn das Baby oder das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft gefährdet ist.

Bei der Zusammenkunft in Walvis Bay meinte Luzelle Lestrade, dass eine Abtreibung keine Lösung ist. „Obwohl es um ‚mein Körper, meine Wahl‘ geht, wurde wissenschaftlich belegt, dass ein Baby nicht Dir gehört. Es ist ein Mensch mit eigenem DNA, Fingerabdrücken, Persönlichkeit und Schicksal. Abtreibung ist Gewalt“, sagte sie. Ihr zufolge entschließen sich Frauen für eine Abtreibung, „weil unser Gesundheitssystem unsere Frauen im Stich lässt“. „Wo waren die Verhütungsmittel während des Lockdowns? Repariert das System“, forderte sie. Das aktuelle Gesetz sei ausreichend.

Bei dem Treffen gab die örtliche Sozialarbeiterin Gail Taukuheke einen düsteren Einblick in ihre tägliche Arbeit. Als Sozialarbeiterin müsse sie statistisch gesehen 30 000 Menschen betreuen. „Das ist eine unmögliche Aufgabe. Ich habe einen Fall einer 10-Jährigen gehabt, die durch Inzest schwanger wurde. Stellt Euch vor, eine 10-jährige musste eine Abtreibung vornehmen und kämpft jetzt noch mit dem Schmerz“, sagte sie.

Ihr zufolge gibt es in Namibia auch Fälle von Müttern, die den Körper ihrer Kinder verkaufen. „In einem Fall war das Kind gerade Mal 14 Jahre alt. Und wenn es schwanger wird, zwingt die Mutter ihrer Tochter eine Abtreibung in einer Seitenstraße auf“, sagte sie. Aus diesem Grund forderte sie, dass das Gesundheitsministerium mehr Stipendien für Sozialarbeiter vergibt. „Wir müssen Zentren für Krisen-Schwangerschaften und mehr Zufluchtsorte einrichten, Familien unterstützen und mehr Adoptionszentren schaffen“, sagte sie und erläuterte einen weitere grausamen Fall: „Eine 10-Jährige, die nicht einmal emotionalen Schmerz artikulieren kann, wird jede Nacht von ihrem Vater vergewaltigt, derweil die Mutter in einer Fabrik auf Nachtschicht geht.“

Taukuheke stellte daher fest: „Wir müssen uns nicht gegenseitig bekämpfen und schauen, wer für die Legalisierung oder wer dagegen ist. Wir müssen uns vielmehr mit den Realitäten konfrontieren, die wir täglich erfahren und sehen“, sagte sie. Die Debatte um die Legalisierung sei schließlich „nicht nur für uns, sondern für künftige Generationen“.

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