01 Juni 2017 | Afrika

Viel Potenzial, viele Hürden: Warum Afrika Nahrung importiert

Afrika will seine Landwirtschaft nutzen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Doch schlechte Infrastruktur, nachteilige Handelsverträge sowie starke EU-Subventionen der europäischen Landwirte machen den afrikanischen Bauern das Leben oft schwer.

Wüsten und Savannen - dieses Bild von Afrika haben viele Menschen im Kopf. Doch tatsächlich verfügt der Kontinent über riesige Mengen fruchtbarer Felder. „Viele Länder südlich der Sahara sind potenzielle Kornkammern“, stellt die UN-Welternährungsorganisation FAO fest. Eigentlich. Denn allzu oft liegen die Flächen brach. Und Afrika muss viele Nahrungsmittel einführen: 2010 lagen die Importe der Subsahara-Staaten bei 70 Milliarden US-Dollar, die Exporte hingegen bei rund 30 Milliarden.

Rund 80 Prozent der Lebensmittel in Afrika müssen importiert werden, wie die UN-Wirtschaftskommission für Afrika berichtet. Wie die Landwirtschaft auf dem Kontinent angekurbelt werden kann, war auch ein Thema beim Weltwirtschaftsforum Afrika, das vor kurzem im südafrikanischen Durban stattfand. Das Thema drängt: Denn laut der UN-Organisation FAO gehören auch Grundnahrungsmittel wie Mais, Weizen, Reis, Soja und Milch zu den Importgütern.

Ein großer Anteil kommt aus der Europäischen Union, wo hohe Subventionen dazu beitragen, dass Landwirte Preise aufrufen können, die nicht einmal die Produktionskosten decken würden. Insgesamt verkauft die EU für 18,3 Milliarden Euro im Jahr Lebensmittel nach Afrika, etwa Getreide, Milchpulver und Pflanzenöle. „Die afrikanischen Regierungen müssen ihre heimischen Industrien vor ausländischen Dumpingpreisen schützen“, sagt der Agrarwissenschaftler Nick Kotze von der Universität Stellenbosch.

Doch das ist leichter gesagt als getan. So kritisiert die UN-Organisation FAO „unfaire Handelspraktiken“ von Afrikas Partnern - darunter der EU. Zwar erlaubt die EU den afrikanischen Staaten im Rahmen eines Wirtschafts- und Partnerschaftsabkommens (genannt EPA) zoll- und quotenfreien Marktzugang. Im Gegenzug müssen die Afrikaner aber den Großteil ihrer Märkte öffnen, Gebühren und Zölle abbauen.

„Die afrikanischen Länder können mit einer Wirtschaft wie der deutschen nicht konkurrieren“, sagte Andrew Mold, UN-Wirtschaftsexperte für Ostafrika, schon Ende 2014 der ARD-Sendung „Report Mainz“. „Das führt dazu, dass durch den Freihandel und die EU-Importe bestehende Industrien gefährdet werden und zukünftige Industrien gar nicht erst entstehen, weil sie dem Wettbewerb mit der EU ausgesetzt sind.“ Da hatte eben die kenianische Regierung den EPA-Vertrag unterschrieben - die EU hatte unter anderem mit Importzöllen auf Schnittblumen gedroht, einem der wichtigsten Ausfuhrgüter des Landes.

Experten kritisieren zudem, dass hohe EU-Importzölle auf verarbeitete Lebensmittel die afrikanischen Landwirte zwingen würden, ihre Produkte unverarbeitet und damit deutlich billiger zu verschiffen. So sind unverarbeitete Produkte wie Kaffee oder Kakao, die in Europa nicht wachsen, von Gebühren ausgenommen. Auf geröstete Kaffeebohnen werden aber 7,5 Prozent Importzoll erhoben, auf Kakaopulver 7,7 Prozent. Das habe etwa dazu geführt, dass Deutschland 2014 mit dem Re-Export gerösteter Kaffeebohnen mehr als 1,5 Mal so viel eingenommen habe wie der Großproduzent Afrika mit der Ausfuhr von Kaffee, schrieb der Harvard-Professor Calestous Juma in seinem Blog.

Doch die Handelsverträge sind bei weitem nicht die einzige Hürde, warum die Produktion von Nahrungsmitteln für Afrikas Bauern ein schwieriges Geschäft sein kann. Oft genug scheitert die Entwicklung der Landwirtschaft an schlampiger Politik und mangelnder Infrastruktur, geringer Produktivität und schlechten Produktionsbedingungen. Zwar ist mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, doch macht der Anteil der Branche am gesamtafrikanischen Bruttoinlandsprodukt derzeit nur 15 Prozent aus, wie die Afrikanische Entwicklungsbank feststellt.

Doch manche Länder wollen umsteuern. So macht die Landwirtschaft im ostafrikanischen Uganda bereits 85 Prozent des Exports aus, das Nachbarland Ruanda hat seine Nahrungsmittelproduktion zwischen 2007 und 2014 verdoppelt, vor allem durch den Ausbau der Infrastruktur. Eins der ambitioniertesten Projekte kommt aus Nigeria. Der größte Ölproduzent des Kontinents möchte seine Wirtschaft breiter aufstellen und innerhalb von nur fünf Jahren zum größten Reisexporteur der Welt werden. Möglich machen soll das auch Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas, dessen Vermögen vom US-Magazin „Forbes“ auf 12,2 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Er hat versprochen, eine Milliarde Dollar in den Reisanbau zu stecken.

Kristin Palitza, dpa

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