15 März 2019 | Natur & Umwelt

Viehkraal bleibt ungenutzt

Gespendetes Gehege zum Schutz vor Löwen von Farmern abgelehnt

Ein „eindrucksvolles“ und „durchaus solides“ Gehege wurde in einer Siedlung bei Palmwag errichtet. Das Konstrukt war eine Spende einer gemeinnützigen Organisation und soll den Farmern dienen, ihr Nutzvieh vor Löwenangriffen zu schützen. Genutzt wird es allerdings nicht.

Von Nina Cerezo, Windhoek/Mbakondja

Eine durchaus große Zahl an Nutztieren könnte in dem kürzlich errichteten Kraal in der Siedlung Mbakondja nördlich von Palmwag Platz finden, wie Izak Smit von der gemeinnützigen Organisation Desert Lions Human Relations Aid (DeLHRA) erklärt. Im Januar hatte er das Dorf besucht, um von den Bewohnern von aktuellen Mensch-Tier-Konflikten zu erfahren, die die Organisation zu reduzieren und damit die Population der Wüstenlöwen zu schützen versucht.

Als der Stammesführer Niklaas den Gästen das Gehege zeigte, waren diese zunächst von dem Konstrukt aus verzinktem Stahl, umgeben von Schattennetz und mit Stacheldraht am oberen Rand, beeindruckt. „Außerdem gehören ein Antennenmast samt Funkempfang und vier Flutlichtern sowie eine Sirene zu der Anlage“, erklärt Smit. Ihm zufolge lösen Löwen, die ein Funkhalsband tragen, ab einer gewissen Distanz ein Signal aus, woraufhin alle Flutlichter in jene Richtung einen Lichtstrahl werfen, aus der sich der Löwe nähert. Außerdem fange die Sirene an zu heulen und im Schaltkasten des Funkmastes leuchte je nach Distanz des Löwen ein Licht auf, das darauf schließen lasse, ob sich das Tier weit weg oder schon ganz nah befinde. Dies soll den Farmern ermöglichen, ihr Nutzvieh in prekären Situationen in den Kraal zu treiben und sie so vor Löwenangriffen zu schützen.

„Natürlich ist es gut zu wissen, wenn Ärger im Anmarsch ist“, erläutert in diesem Zusammenhang Stammesführer Niklaas. Dennoch gebe es „einige Probleme“ in der Nutzung, da beispielsweise bei starkem Wind eine Sirene ungehört bleibe und in der Dämmerung – einer Hauptangreifzeit von Löwen – das Flutlicht nicht ausreiche, um die Tiere sehen zu können. „Und wenn wir durch die Sirenen eine Warnung erhalten, ist niemand von uns tapfer genug, unser Vieh in den Kraal zu treiben – dann verstecken wir uns lieber in unseren Hütten“, berichtet Niklaas weiter. Es sei dann also bereits „zu spät“, um zu handeln.

Darüber hinaus gebe es jedoch noch eine weitere Tatsache, die Bewohner davon abhalte, den Kraal zu nutzen: „Wenn wir die Tiere unterschiedlicher Farmer hier gemeinsam einschließen und in der Nacht wird dann ein Junges geboren, dann gibt es Streit darüber, wem dieses gehört“, so Niklaas, der weiter bemängelt: „Die Menschen, die hierher kommen und uns helfen wollen, hören uns nicht zu. Sie verstehen nicht, dass wir feste Traditionen haben und jeder Farmer einen eigenen Kraal hat.“

Laut Smit gebe es keine Anzeichen, dass das Gehege jemals genutzt worden sei. „Es gibt die verbreitete Annahme, dass Nichtregierungsorganisationen (NGO), die im Rahmen von Mensch-Tier-Konflikten tätig sind, bewusst keine langfristigen Lösungen anvisieren, weil sie dann ihre Daseinsberechtigung verlieren“, sagt der DeLHRA-Mitwirkende. Laut ihm habe die Vereinigung Integrated Rural Development and Nature Conservation (IRDNC) den Kraal errichtet. Diese verweigerte auf AZ-Nachfrage die Stellungnahme, lud jedoch zu einem Besuch vor Ort ein.

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