25 März 2021 | Glosse

Vexierbild - Wider die schlechte Stimmung

Auf der grasumsäumten Teer- und Sandpad herrscht saisongemäß in guter Regenzeit jetzt der todgeweihte Kannibalismus. Dickpänse krabbeln scharenweise in die Fahrspur, um ihre plattgefahrenen Artgenossen zu verschmausen. Die kannibalische Fressbegierde gibt ein Rätsel auf, aus welchem Grund die Krabbelbiester bei dem derzeit saftigen Gras und schmackhaften Zier- und Gemüsepflanzen in den Gärten dennoch triebhaft über die Kadaver ihresgleichen gefräßig herfallen müssen. Dass sie sich Vogelsaat und Knochenreste vom Küchentisch auch munden lassen, kann man noch verstehen. Dass der schwarz ausgewachsene Krabbler der Panzerheuschrecke sich aber sogar am noch grünlich getarnten Halbwüchsigen seiner Art vergeht, den noch Zappelnden vernascht und auffrisst, muss der Lobby der Tierrechtler gemeldet werden. Diese Verhaltensweise hat dann mit den ersten kalten Nächten ein Ende, bis der Dickpäns in der nächsten guten Regezeit in einem oder in fünf Jahren wieder scharenweise auftritt. Aber sein schlechtes Vorbild hat bei den Triebtätern, die sich an Kleinkindern, Mädchen und Frauen vergehen, muhts Nachhall.

Patriotische Bauchbinde

Auf dieser Seite ham wir heut noch mal das patriotisches Otjiperendero abgedruckt, das als Bauchbinde - nich Maulbinde - dreier Tageszeitungen zum 31. Unabhängigkeitsanlass gedient hat. Die Indeppedenz-Collage dürfte für engstirnige Zeitgenossen mit Geschichtsphobie zum Vexierbild werden. Tjeck das moi! Unter der einigenden Klammer der strahlenden namibischen Flagge stehen unzensiert unverkennbare, zeitlose Wahrzeichen der namibischen Nation. Von links besehen der Heldenobelisk auf dem Heldenacker mit dem hier schlecht erkennbaren, aber auch ansonsten völlig unbekannten Soldaten nord-koreanischer Manufaktur. Dann folgt die Christuskirche im Gleichschritt mit der Kaffeemaschine, sodann das Kudu-Standbild der Independence-Äwwenjuh, dann hoppla! das Reiterstandbild - vor acht Jahren nordkoreanisch im Auftrag von Historio-Hysterikern abmontiert, dann das Staatshaus mit chinesisch-koreanischem Geschmack ausgestattet, das aber viel kleiner als das derzeit noch grün verhüllte neue Hauptquartier der Partei ausfällt, die sich für die Größte aller Zeiten hält. Zwei treffende Motive aus dem Staatswappen ergänzen das Gesamtbild mit der feiernden Menge: Gemsbock und Welwitschia. Der immer gut wirkende Oryx bedarf keiner Erwähnung. Und die zeitlose Welwitschia is hier besser erkennbar als auf dem urheberrechtlich festgelegten Staatswappen, wo das Urgewächs leider nur wie `ne Handvoll Sauerkraut an der unteren Kante hingeworfen is. Ebenfalls zeitlos im Mittelpunkt ruht der Hoba-Meteorit. Wenn der erzählen könnte, wann, von wo im All er stammt und wieviele Milliarden Kilometer - oder sind es Lichtjahre? - er nach Namiba zurückgelegt hat!

Am prominentesten erscheint unser kostbarster Dickhäuter, das Spitzmaulnasorn, das sich übrigens auch auf der neuen 30-Nam-Dollar-Banknote mit den ersten drei Präsidenten der Nation der Braven tummeln darf.

Auf der Innenseite des Bildes steht poetisch-eine patriotische Widmung „... Die Kraft der Solidarität schlägt in unseren Adern - Namibier zu sein, bedeutet positiv zu bleiben ...“ Feine Worte in geprüften Zeiten.

Der Krankenkasse, die die Bauchbinde in Umlauf gebracht hat und die sich zu einem integrativen Geschichtsbild bekennt, darfste wünschen, dass polit-historische Korinthenkacker ihr nich ans Bein pinkeln.

Buschhäcksel bis an die Alster

In der Hansestadt Hamburg gibt`s Umweltaktivisten der Linken sowie der Robin-Hood-Organisation und Öko-Sympathisanten der FDP und AfD, so das Hamburger Abendblatt, die ham den verfilzten namibischen Kratzbusch als Ziel ihrer Rettungsaktion entdeckt. Robin-Hood-Anhänger gehen mit dem Tranparent auf die Straße: „Heizen mit Holz aus Namibia? Unfair und klimaschädlich“. Die Hansestadt will nämlich gehäckselten Dornbusch aus verbuschten Regionen des Landes importieren, um die städtischen Heizanlagen weitgehend ohne Steinkohle zu betreiben, was den Kohlenstoff-Ausstoß (CO²) senken werde. Die Farmer, die Stadt Hamburg und namibische Umweltapostel sehen darin eine Win-Win-Situation. Hierzulande gibt es schon die sehr effektiven „Bushblocks“, die aus Buschhäcksel gepressten soliden Brickets, die Du gut zum Braaifeier und zu glühender Holzkohle verwenden kannst. Und die Geparden-Hüter erhalten einen kleinen Teil der Einkünfte.

Bei dem HH-Nam-Projekt gewinnt die Hochveld-Savanne Gras- und Weideflächen und die Entbuschung schafft Arbeitsplätze und die Hamburger Wärme GmbH macht weniger schlechte Luft. Seit Mai 2020 prüfen die Hansestadt und die Nam-Regierung das Konzept einer „transkontinentalen Biomassepartnerschaft Hamburg - Namibia“. Die Möglichkeit wird von drei Hochschulen und von der städtischen SPD an der Alster unterstützt. Aber die Öko-Aktivisten der Linken sehen das wüst anders. Auf der Weide der entbuschten Flächen sehen die hanseatischen Öko-Aktivisten schon Beester, die Methan-Gas abgeben und damit der Umwelt schaden. Und - jetzt aufgepasst, die Aktivisten verstehen was von Politik - sie warnen vor neokolonialistischer Ausbeutung der früheren Kolonie! Leser ham hier die Wahl, ob sie mit Robin Hood auf die Straße rumdemmeln - toy-toyn - oder sich hinter die Initiative einer planmäßigen Buschverwertung und der Wiederhestellung von Weideflächen stellen und den Besserwissern vom Wendekreis des Steinbocks her zurufen: Hummel-Hummel - Mors-Mors!

Aus Namibia immer was Neues.

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