20 August 2021 | Landwirtschaft

Veterinärlinie erneut im Visier

Amupanda kritisiert ohne eine praktische Lösung vorzuschlagen

Windhoeks Bürgermeister betont am Ende eines erneuten, im Internet publizierten Aufrufs, die „Rote Linie“ abzuschaffen, dass er Akademiker und Aktivist sei. Gemessen an einem Gespräch mit einer Veterinärfachkraft scheint Amupanda in der Tat die Praxis außer Acht zu lassen - jedenfalls ließe er bisher keine praktischen Lösungsvorschläge verlauten.

Von Frank Steffen, Windhoek

Der Windhoeker Bürgermeister Job Amupanda hat in den elektronischen Medien erneut gegen die „Rote Linie“ gewettert. Der Veterinärzaun verläuft von der Atlantischen Küste im Westen nach Osten an die Grenze zu Botswana. Der Zaun entstand infolge der Rinderpest im Jahr 1897 und trennt seitdem das Kaokoveld sowie Ovamboland und die Kavango-Regionen vom restlichen Land. Der Zaun wurde während der 60er nochmals verstärkt.

Unlängst hatte sich Amupanda bitter beschwert, weil man ihm Fleisch abgenommen hatte als er den Kontrollpunkt Oshivelo überschritt (AZ berichtete). Die B1-Hauptstraße verbindet Tsumeb mit den Ortschaften Omuthiya und Ondangwa im Norden. Diese Standardmaßnahme wurde vor der Unabhängigkeit vielerorts als Schikane betrachtet, doch blieb sie nach der Unabhängigkeit Namibias im Interesse der Pestkontrollen in Kraft - maßgeblich um der Maul- und Klauenseuche (MKS) vorzubeugen.

Amupanda erkennt in dem Veterinärzaun ein Relikt aus der Kolonialzeit, dass kein Bestandsrecht mehr hat: „Wenn die Landwirtschaft nur fünf Prozent zum Bruttosozialprodukt des Landes beiträgt, sollte der Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb Meatco als einzelner Beiträger zu diesem Sektor nicht das Recht beanspruchen dürfen, diesen Zaun zu erhalten, nur damit sein Exportmarkt erhalten bleibt.“

Die Verschiebung des Kontrollzaunes ist indessen kein neues Thema, sondern hatten die vorigen Landwirtschaftsminister John Mutorwa und Alpheus /Naruseb auch schon angedeutet, dass das passieren muss. /Naruseb wollte damit den Zugang zum Schlachtvieh nördlich des Zaunes schaffen. Mutorwa hatte vor etwas mehr als sechs Jahren angedeutet, dass sich dadurch der Zugang zu Rindern im Lande verdoppeln könne - er sprach zu jener Zeit von 160000 Rindern.

Eine staatliche Veterinärkraft, die nicht namentlich genannt werden möchte, erklärte der AZ, dass eine einfache Verschiebung des Zaunes, wie es sich Amupanda vorstellt, keine Lösung sei. „Die Grenze zwischen Namibia und Angola ist offen, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Selbst wenn wir die Kontrollen an die Grenze verschieben, werden wir immer den Zaun erhalten, damit wir einen MKS-Ausbruch jederzeit eindämmen können.“

Theoretisch könnte man versuchen, die Linie zu verlegen und beispielsweise nur die Kavango-Regionen ausklammern, da die meisten Ausbrüche infolge der Büffelpräsenz dort entstehen, doch ergebe dies keinen Sinn, solange keine Kontrollen in Angola eingeführt werden. Die MKS werde von Südost-Angola aus nach Süd-Angola und weiter in die Ovambo-Regionen getragen. Somit sei eine Eindämmung unmöglich.

Indessen müssten die Kontrollen vorerst nicht nur dem Fleischexport nach Europa zuliebe, sondern im Interesse der gesamten Farmerei mit Paarhufern bestehen bleiben.

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