02 August 2018 | Meinung

Vergängliche Zeiten zwischen Putsch und Wahlurne

Wenn Diktatoren an der Macht sind, sieht´s ihnen so aus, als könne die Glorie niemals enden. Oder wenigstens tausend Jahre dauern wie das angesagte tausendjährige Reich der Teutonen. Und der ehemalige Präsident und Diktator in unserem benachbarten Sambesi-Kariba-Staat, Comräd Boppa Mugabe, hätte fast ein viertes Jahrzehnt seiner Herrschaft angetreten, wenn da nich der Rivale Comräd Emmerson, das Krokodil, und die Sim-Militärs aufgetreten wären. Die sind davon ausgegangen, dass, wenn ein Mensch nich vom Sensenmann abgeholt wird, das net nich bedeuten kann, dass er sein „shelf-life“, sein politisches Verfalldatum, selbst bestimmen könne. Das is die grosse Differenz zwischen Boppa und seinem Steigbügelhalter Comräd Emmerson.

In Anbetracht der Blut- und Terrortaten während des Mugabe-Regimes isses nochall ein Zeichen der Versöhnung, dass der Blitzputsch der Militärs derart unblutig verlaufen is. Zum Beispiel im Gegensatz zu Burkina Faso, dem Tschad und Mali – um nur wenige zu nennen, die während der vergleichbaren Periode der Mugabe-Ära nochall stief Turbulenzen hatten und noch haben. Comräd Mugabe erhält eine Staatspension für seine verbliebene Zeit auf dem Erdenrund. Und er darf seinen Privatpalast mit Meme Grace weiter bewohnen. Und für sein Alter genießt er offensichtlich gute Gesundheit, wenn man bedenkt, dass Mittneunziger sich ansonsten nich sommer so ohne Rollstuhl fortbewegen.

Kräftige Personen in seinem Alter fragt man gewöhnlich: „Wie machst Du das? Was is Dein Geheimnis? Bei welchem Gesundbrunnen gehste aus und ein? Jesslaik, verrat uns das toch mal.“ Wir wissen, dass er manchmal nach Asien geflogen is, um sich dort wahrscheinlich einer Frischzellenkur zu unterziehen. Und die berauschende Staatsmacht, die manchen Despoten lange auf den Thron gehalten hat, hat hier muhts auch Anreiz zu beneidenswerter Gesundheit gegeben.

Die Medien berichten nun, dass Comräd Boppa kürzlich vor der Wahl eine erste Pressekonferenz nach seinem Sturz abgehalten habe. Er hat von der Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht, die er unter seinem eigenen Regime kaum einem anderen gegönnt hat. So gab er seinem Groll Ausdruck, dass er nich die Partei wählen könne. Gemeint is die ZANU-PF, die ihn Jahrzehte lang an der Macht gehalten hat, bis zu seinem politischen Verfalldatum eben, dasser nich wahrhaben wollte.

Bei der Pressekonferenz hat Comräd Boppa laut südafrikanischen Medien noch Erstaunliches von sich gegeben. Er is bedonnert, dass Comräd Mnangagwa und dessen Regierung ihm – Mugabe – nich die Pension zahlen, die man ihm nach dem sanften Putsch versprochen habe. Eine Abfindung von 10 Mio. US-Dollar. ´s is nochall möglich, dasse ihm die Karotte vorgehalten ham, um ihn zu einem friedlichen, wenn auch zappelnden Abgang zu bewegen. Anstatt der Zehnmillion hätten sie ihm nur sowas wie 470 000 Dollar vermacht. Da müssen wir sofort nachhaken. Die 470 000 Dollar sind nämlich keine echten US-Dollar, sondern die Parallel-Moneten unter gleichem Namen. Nach Boppas Hyperinflation vor zehn Jahren – Jesslaik, wie die Zeit vergeht! – wurde der Zim-Dollar mos abgeschafft und dafür der US-Dollar als Zahlungsmittel eingeführt, weil die Sim-Wirtschaft mit kullernden Trillionen Nullen net nich mehr gedjobbt hat. Warum Mugabe die Währung eines der verhassten kapitalistischen West-Staaten (USA) ins Land geholt hat, die toch an allem schuld sind, was in Simbabwe schiefgegangen is, weiß Comräd Boppa nur alleene.

Weil die Sim-Wirtschaft aber noch lange nich wieder richtig jobbt, musste Mugabe und muss Emmerson genauso die Mickey-Maus-Dollar als Parallel-Zaster in Umlauf bringen, die eben nich so viel wert sind wie echte US-Dollar. Und jetzt beklagt sich Comräd Boppa, dass er mit Ersatz-Dollar abgespeist wird. Sowahrachtach, die Welt is toch vergänglich.

Sic transit gloria mundi.

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