25 September 2019 | Leserpost

Vergangenheit nicht vergessen

Betr.: Ihr Kommentar „Respekt ist eine Zweibahnstraße“ AZ 5.9.19 / „Deutschland will helfen“ AZ 2.9.19

Lieber Herr Steffen,



seit Jahren geben sich deutsche Repräsentanten aus Parlament, Kirche und Druckgruppen die Klinke in Namibia in die Hand, um ein Volk mit unvollkommenem Geschichtsverständnis bei Laune zu halten. Daß hier von beiden Seiten mit der Wahrheit respektvoll umgegangen wird, sehe ich nicht.

Das Gegenteil ist der Fall. Ob Bundestagspräsident, holsteinischer Ministerpräsident oder jetzt Dr. Müller (CSU) von der Partei der Industrie – die Wahrhaftigkeit vertreten sie nicht, wo Geschichte verdreht werden muß, damit sie in die Politik des Tages hineinpaßt. Die Beurteilung der Vorgänge im Kolonialreich aus heutiger Sicht ist nicht nur unpassend, zur Aufrechterhaltung größtmöglicher Forderungen ist der benutzte Wortgigantismus auch ein deutliches Anzeichen geistiger Ignoranz. Müller will Verhandlungsfortschritte erkannt haben und stellt Entwicklungshilfe in Aussicht als eine Art Wiedergutmachung. Er bietet eine Mitgliedschaft in einem Afrika-Kompakt-Programm an und Schlettwein zeigt sich interessiert. Er bringt Freundschaft und bietet Hilfe an. Er will nach vorne blicken, nachdem beide Seiten im Text einig geworden sind und die Vergangenheit nicht vergessen, die verdrängt worden sein soll.

Hier wird nicht aufgearbeitet, mit allen Betroffenen gesprochen, schon gar nicht ehrlich und aufrichtig, wo eine SWAPO-Regierung und Linke-Stimmen zwei Völker mit der veröffentlichten Meinung gekapert haben.

Wer einen anderen zurechtweist, wird zuletzt eher gedankt, als einem der freundlich tut. Auf welchen „Gebieten ist Namibia eines der stärksten Länder Afrikas“? Seit der Unabhängigkeit trinkt sich das Volk in den Suff, um vor seinem Schuldenberg zu fliehen. Der Verkehr ist ein „russisches Roulette“ geworden. Sondereinheiten jagen Diebe und Wilderer im Busch. 50% der Oberschüler sind Schulabgänger. Die Arbeitslosigkeit liegt amtlich bei 33%.

Private Unternehmen erreichen doppelt so viel Profit wie kommerzielle SOE's, sagt Jooste. Dokumente bei Gerichten (680 Mio. GIPF) gehen verloren und Schuldige kommen frei, wie die Mörder aus den Polizeizellen in Swakopmund. Die Regierung strebt im Haushalt nach Aussage von Schlettwein 2019 eine nachhaltige Verschuldung an. Was ist an einer Verschuldung nachhaltig? Nachhaltig heißt, etwas hält an, mit anderen Worten wird konserviert. Tatsächlich geht es (nur noch) um's Geld, sagte Schlaga. Der Dialog wird mit Milliarden Euros von deutscher Seite erkauft; aber ist das Hilfe? Die Vertreter der Industrie und afrikanische Revolutionäre in Namibia, das sie von Arbeitsnotwendigkeit befreit haben, reichen sich die Hand auf Kosten der geschichtlichen Wahrheit zu den Aufständen, wie es im Herero/Namaland um die Jahrhundertwende zuging.

Auf der einen Seite wird Geschichte gebogen, um Untertanen zu Freiheitshelden zu deklarieren und die Urheber von Mord und Totschlag als Opfer darzustellen – zur Selbstentschuldigung. Auf der anderen Seite wird Geschichte abgebügelt für's Geschäft – deklariert als Entwicklungshilfe – und damit sein Gewissen verkauft, wo (deutsches) Blut geflossen ist. Niemals wird (deutsches) Geld die momentan vorliegende Wirtschaftskrise überwinden.

In Namibias Staatskasse ist das Geld nie genug. Sozialistische Mißwirtschaft ist nicht lebensfähig; es sei denn, ein Buhmann bietet sich an, zu überleben.

Der Irrtum ist: Beide Verhandlungspartner erhoffen sich eigene Vorteile auf einem Weg, auf dem sie sich in die eigene Tasche lügen, der weder christlich, noch wahrheitsgemäß, noch hilfreich ist. Das ist das Ergebnis des heutigen Zeitgeistes. Diese Regierungen sind morgen und übermorgen verschwunden, aber künftige Generationen haben es zu tragen.



Mit herzlichen Grüßen,

Bernd Seefeldt

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