01 Juli 2010 | Reiseberichte

Urlaub mit Vierbeinern (Teil 1)

Kurze Schulferien zu Ostern 2010: Wir sind so vermessen und fragen bei verschiedenen Hundepensionen an, ob unsere zwei Hunde für die Zeit versorgt werden können, um einen kleinen Ausflug zum Oranje machen zu können. Felix Unite hat nämlich uns eine Paddeltour zugesagt, aber nicht mit zwei Hunden. Wir erhalten nur Absagen, Ostern werden überall Hunde und Katzen zur Versorgung abgegeben, also fahren wir kurzentschlossen mit den zwei Hunden, Reian und Jackie, los. Sie stammen aus dem SPCA, leben erst seit einem Jahr mit uns und fahren unglaublich gern Auto, das sie außerdem in der Stadt hervorragend bewachen. Dafür hatten wir sie eigentlich - nach einem Überfall in Windhoek - auch angeschafft.
In dem südafrikanischen Buch "Pet Friendly Accommodation" (Haustierfreundliche Unterkünfte) gibt es nur etwa sechs Anschriften für Namibia, im Internet finden wir sogar nur eine Anschrift in Walvis Bay. Aber immerhin gibt das Buch uns eine gute Argumentation für unsere Anfrage, ob wir mit zwei Hunden auch campieren dürfen oder sogar in einem Haus unterkommen können, an die Hand: Sie rauchen nicht im Haus, sie nehmen keine Bettwäsche mit, sie fälschen auch keine Kreditkarte usw. In unserer eigenen Publikation, TRUMMIs Liste, sind inzwischen recht viele Angebote dafür enthalten, Tiere in der einen oder anderen Form aufzunehmen. Jetzt werden wir versuchen, selbst he-rauszufinden, wie unsere zwei Hunde auf den Campingplätzen akzeptiert werden und ob sie auf dem Platz Spaß haben und wir mit ihnen.
Hundepaddeln auf Flüssen und SeenUnser erster Stop ist kurz nach Windhoek das Lake Oanob Resort bei Rehoboth. Wie üblich schaffen wir die Abfahrt aus Windhoek erst spät - in letzter Minute hat auch der Veterinär seinen Stempel auf das Papier gedrückt, damit wir sogar über die Grenze nach Südafrika einreisen können. Der darf bei Einreise nicht älter als zehn Tage sein und ist, wenn die Tiere gegen Tollwut geimpft worden sind, auch ohne Schwierigkeiten zu erhalten.

Noch hat das Osterwochenende nicht begonnen, der Platz am Oanob-Damm liegt um 20 Uhr fast im Dunkeln, aber alles ist gut organisiert, auch ohne Anmeldung erhalten wir eine hölzerne Plattform direkt oberhalb des Sees mit einem Grill, elektrischem Licht und Schattendach. Den leichten Regen in der Nacht hält das Dach sogar soweit ab, so dass wir ungestört draußen auf unseren Matratzen schlafen und dem Geschnatter der Gänse zuhören können. Die zwei Hunde sind durch die Büsche getobt, die stämmige Jackie, eine kleine Schäferhündin, ist mit uns baden gegangen, der schlanke Reian ist etwas wasserscheu. Zufrieden liegen sie zusammengerollt mit uns auf der Plattform, wir wissen, wenn jemand kommt, werden sie anschlagen. Einen neugierigen, sehr großen Hund hatten sie zusammen bereits in die Flucht geschlagen. Bei der Rezeption werden die beiden Helden am nächsten Morgen allerdings selbst von einem kleinen Pinscher verscheucht und springen zum Schutz zurück ins Auto.

Lake Oanob Resort hat die Tier-Frage so gelöst: Mietet man eins der wunderschönen Häuser direkt oberhalb des Sees oder ein Zimmer, dann zahlt man pro Hund 50 N$/Nacht. Auf dem Campinggelände sind die Tiere frei, da muss man dann selbst dafür sorgen, wie sie mit den anderen Vierbeinern zurechtkommen. Auf dem Oanob-Damm haben die beiden auch ihr erstes Paddelerlebnis und ihren ersten Restaurantbesuch, kurz nachdem wir sie aus dem Tierheim geholt hatten, gehabt. Das Paddeln verlief gut, den noch sehr kleinen Reian mussten wir nach unfreiwilligem Bad wieder ins Boot ziehen, Jackie zeigte, dass sie wirklich eine echte Schäferhündin ist, wenn ihre Beine auch recht kurz sind, und genoss sofort das Schwimmen. Im Restaurant allerdings wollten sie uns vor jedem Besucher bewachen. Doch jetzt, ein Jahr später, können sie sich auch im Restaurant "benehmen", ohne zu bellen, ohne zu betteln.
Problem: Andere Hunde auf dem PlatzDie weitere Fahrt in den Süden genießen sie im Führerhaus von unserem alten F250, mal schlafend, mal wachend, immer sofort wach, wenn es einen Halt und eine Möglichkeit gibt, kurz durch das Gelände zu laufen - natürlich jenseits der gefährlichen und verdreckten Picknickplätze entlang der B1. Aber es gibt ja in Namibia genügend Nebenstraße, die fast ohne Verkehr sind.
In Maltahöhe erleben wir das Hauptproblem für das Reisen mit Hunden in Namibia: Auf dem netten Gelände vom Oahera-Centre, wo wir für eine Erfrischung Halt machen, sind mehrere Hunde, die sofort unser Auto belagern und die fremden Eindringlinge verbellen wollen. Eine Übernachtung kommt deshalb auf keinen Fall hier infrage. Nachts wird auch der größte Hund, ein Dobermann, aus dem Gehege gelassen, der das Gelände beschützt und der, um sich zu beweisen, auch schon einmal sechs Ziegen das Genick durchgebissen hat. Brian und Anne Gyselinck, Pächter und Manager des Platzes, haben darauf tagelang Schlachter gespielt und nur noch Ziegenfleisch gegessen - und verschenkt. Wir lassen also unsere Vierbeiner einfach im Auto, irgendwann werden beide Parteien auch müde, sich anzubellen. Es wird wieder einmal deutlich, dass Touristen in Namibia immer Hunde in Kauf nehmen müssen, denn welche Farm oder welches Camp - außer in den Nationalparks - hat keine?
Problemlos: Ziegen und andere CamperNächster Halt für die Nacht: Gästefarm Burgsdorf. Im TRUMMI steht, dass diese wiedereröffnete Gästefarm auf Anfrage Hunde zulässt. Sie haben eine große Ziegenzucht - und Geparden. Wird sich das mit einander verbinden lassen? Wir versuchen es auf Gut Glück und haben Glück.

Die Lodge, eine alte gemauerte Polizeistation, liegt in einem schattigen Garten mit viel Rasenfläche, gut eingezäunt, wahrscheinlich gegen ungebetene Gäste. Nur ein kleiner Hund der Angestellten begrüßt uns und will sofort mit Reian spielen. Man habe keinen offiziellen Campingplatz, aber es sei möglich, auf einer Rasenfläche zu campieren und dazu auch eins der angrenzenden Zimmer als Bad zu benutzen. Die Farm selbst, wo Familie Roussow ihre Ziegenzucht hat, liegt 10 km weiter entfernt. Ein Familienmitglied kommt schließlich rübergefahren, öffnet die Bar und erklärt uns den besonderen Farmbetrieb: Vor allem Drachen- und Gleitflieger aus Frankreich hätten inzwischen ihr Gelände entdeckt, da die Windverhältnisse sowohl vor dem Schwarzrand wie in der Zone des Südwestwinds, die hier zusammentreffen, besonders günstig seien. Während wir uns unterhalten, toben die zwei Hunde frei über das Gelände,spielen verrückt mit unseren zwei Mädchen, die sich den Ziegenturm als ihr nächtliches Gespensterhaus auserkoren haben. Dass sich Reian im Garten auf einem Beet eine kleine sandige Ecke aussucht, um sich ein Loch zu buddeln und genußvoll hineinzulegen, scheint kein Problem zu sein, Sand gibt es in diesem Landstrich irgendwie genug. Der nächste Morgen führt uns noch kurz zur "working farm", wir trinken zu der Tasse Kaffee frische Ziegenmilch und können zwei junge Geparden streicheln. Unsere beiden Hunde haben nichts dagegen, in der Zwischenzeit das Auto zu bewachen, niemand außer uns kann sich ihm nähern, ohne dass nicht ein wütendes Bellen ertönt.

Der nächste Stop ist immer noch nicht der Oranje, da wir insgesamt drei Plattfüße zu bewältigen hatten. So konsultieren wir den TRUMMI für den nächsten Halt: Das Camping am Konkiep Rivier ist der nächste Ort gegen Abend und im einfachen Konkiep River Restcamp ist alles unproblematisch. Es ist ein idealer Platz für Overlander und für unsere Vierbeiner, die kurzentschlossen den verschiedenen Zeltern an der einzigen Pad neben dem Rivier einen Höflichkeitsbesuch abstatten. Niemand scheint sich an ihnen zu stören, sie wollen eher die Hunde füttern und streicheln, was Jackie auf keinen Fall zulässt. Reian findet einen Spielkameraden, aber wenn es zu heftig wird, geht Jackie knurrend dazwischen. Sie verteidigt immer noch Reian, der einst "ihr" Welpe war, obwohl Reian inzwischen etwas größer und agiler als Jackie geworden ist. Touristen in Namibia müssen ja immer Hunde in Kauf nehmen und insofern macht unser Hundebesuch keinen Unterschied zu den bereits vorhandenen Schnüffeleien der ortsansässigen Vierbeiner.
Glück zu Ostern: Eine hilfsbereite LodgeUnsere zwei jungen Mädchen wollen unbedingt einen Abstecher zum Schwimmen nach Ai Ais machen, was für den nächsten Tag geplant ist. Was aber machen wir mit zwei Hunden auf einem Gelände von NWR? Wir wissen nicht, was erlaubt und was nicht, da wir aber nur zum (kostenlosen!) Baden ins Resort fahren, lassen wir die zwei eingesperrt in unserem ausgebauten Camper, obwohl es hier unten am Fischfluss wirklich heiß wird im Camper. Doch wir bleiben nicht lange: Der neu ausgebaute Innenpool ist ohne Wasser, weil die Pumpen kaputt seien, das Becken draußen, in dem sich jetzt alle Gäste tummeln, ist voller schwarzer schwimmender kleiner Partikel. Erst denken wir, das seien Teerrückstände, aber da sie etwas glitschig sind, wissen wir, dass es sich um Algen handelt.

Mit Sorge betrachten wir auf der Weiterfahrt Reians Auge: Aus einem Busch kam er mit einem tränenden, zuklebenden Auge heraus und versuchte angestrengt, einen offensichtlichen Juckreiz loszuwerden. Hat ihn ein Skorpion, eine Spinne gebissen oder eine Schlange angespuckt? Nur einige Wochen vorher war Jackie von einer Zebraschlange gebissen und ins Auge gespuckt worden, hatte es aber Dank schneller veterinärer Hilfe in Windhoek gut überlebt. Weit und breit gibt es aber in der Nähe vom Fischfluss keine Tier-Klinik. Wir spülen das Auge kräftig mit Wasser aus, in unserer Apotheke finden sich noch Augentropfen, widerwillig lässt er es über sich ergehen und schaut mit seinem anderen Auge immer noch recht munter aus dem Fenster.

Wolfgang Leyerer

Den zweiten Teil lesen Sie in der August-
Ausgabe von Tourismus Namibia.

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