08 Oktober 2021 | Natur & Umwelt

Untersuchung wird zur Farce

ReconAfrica: Carte Blanche auf Kosten der Kavango-Bevölkerung

Die Bevölkerung der Kavango-Region scheint tief gespalten über die Ölexplorationsübung, die von einem erheblichen Mangel an Kommunikation und damit einem Mangel an Verständnis für die damit verbundenen Prozesse begleitet wird. Inzwischen wird der Besuch des Ständigen Parlamentarischen Ausschusses für Natürliche Ressourcen als PR-Übung zugunsten von ReconAfrica interpretiert.

Von Frank Steffen, Rundu

Es hat den Anschein, als ob dem kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmen Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) jetzt mit vollem Segen der namibischen Regierung und möglicherweise sogar der Parlamentarier ein Freibrief gewährt wird, jeglicher Kritik seitens der Kavango-Kommunalbevölkerung an der Ölexploration, aggressiv entgegenzuwirken. Der jüngste, kaum verhüllte Versuch, Kommunalvertreter zu bestechen, richtete sich an die Führung der George Mukoya Conservancy, der angeblich geraten wurde, eine Liste von Menschen aus ihrer Gemeinschaft zusammenzustellen, „die Hilfe brauchen“. Einer Quelle zufolge wurden sie offenbar nicht nur gebeten, ihre „Kandidaten“ aufzulisten, sondern auch die ihres Partner-Hegegebietes, Muduva Nyangana Conservancy. ReconAfrica hat dabei offenbar seine Bedingungen klargestellt: Alle Klagen gegen die Exploration nach Öl fallenlassen.

Kasera verweigert Kommentar

Mundu Kasera, der Projektmanager von ReconAfrica in Rundu, lehnte es ab, sich zu diesem Vorwurf zu äußern, obwohl sein lokales Büropersonal der AZ mitgeteilt hatte, dass er der „richtige Mann“ sei, mit dem man sprechen sollte. Er beendete das Gespräch schnell und verwies die Zeitung an Pressesprecherin Ndapewoshali Mwanyengwa, die diese Behauptung als absurd abtat: „Wir arbeiten nur mit dem Kapingakawale-Hegegebiet zusammen und das tun wir aufgrund einer entsprechenden Nachfrage ihrerseits.”

Eine beträchtliche Anzahl von Einheimischen – insbesondere Frauen, die die Felder bearbeiten – äußern ihre Besorgnis darüber, dass „viele Politiker“ angeblich Druck auf Gemeindevorsteher (Stammeschefs, Häuptlinge und Ältestenräte) ausüben, um jeden Widerstand gegen die Ölförderung in dieser Gegend zu beseitigen. Dabei wird der Besuch des Ständigen Parlamentarischen Ausschusses für Natürliche Ressourcen in den betroffenen Kavango-Regionen unter dem Vorsitz des früheren Ministers und jetzigen Swapo-Hinterbänklers, Tjekero Tweya, nun von einigen Lokalansässigen ernsthaft in Frage gestellt. Während Städter kaum Interesse zeigen, scheint die Bevölkerung vom Lande den Besuch weitgehend als Farce der „Regierung“ zu betrachten. Es gelte den Eindruck zu erwecken, dass der Staat fair auf die Petition reagiert hat, die während eines Protestmarsches durch Aktivisten und Umweltschützern unter dem Dachverband SOUL (Saving Okavango's Unique Life) im Juni dieses Jahres dem namibischen Parlament in Windhoek angetragen worden war.

Tweya vorbelastet

Tweya selbst scheint einige Einheimische verärgert zu haben, noch bevor er mit seinen Parlamentskollegen auf die Tour in den Nordosten ging. Die folgende Aussage einer Frau aus der Siedlung Ncaute war ebenso vernichtend wie klar: „Dies ist derselbe Mann, der als Minister illegal Land im Wahlkreis Mukwe im Stammesgebiet der Mbukushu an sich gerissen hat. Er gab es erst auf, als es ein Gericht dies anordnete. Wie wird er also meine Landrechte schützen?“

Es ist offensichtlich, dass die laufende Gas- und Ölexploration in den nordöstlichen Kavango-Regionen Namibias das Kavango-Volk stark gespalten hat. Die Aussicht auf versprochene Beschäftigung und eine verbesserte Lebensgrundlage einerseits, wird andererseits gegen die Möglichkeit langfristiger Umweltschäden abgewogen, es verunsichert die Menschen. Max Muyemburuko, der Vorsitzende der Kavango East and West Regional Community Conservation & Forestry Associations (KEWRCCFA), räumt ein, dass es schwierig sei, die Stimmung vollständig einzuschätzen, aber es scheine, als ob die Menschen, die im öffentlichen Sektor beschäftigt oder mit dem öffentlichen Sektor verbunden sind, generell das ReconAfrica-Projekt befürworten, während die direkt betroffenen Gemeinschaften an der Basis fest gegen jede Form der Ölexploration sowie -Produktion sind – insbesondere die Förderung durch den Fracking-Prozess.

Fehlendes Vertrauen

Ein erhebliches Maß an Misstrauen gegenüber ReconAfrica scheint auch auf angeblich gebrochenem Versprechen zu beruhen. „Ich habe gezielt einen der ReconAfrica-Vertreter gefragt, ob Fracking meinen Feldern und Bäumen hier in Ncaute Schaden zufügt. Er sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen; es entstehen keine negativen Folgen und schon gar keine Schäden an den Bäumen. Aber sie haben nicht richtig erklärt, wie das mit Bohrlöchern funktioniert, die 750 Meter unter meinen Füßen verlaufen“, sagt indessen die sichtlich besorgte Kudumo Mestilde von Ncaute Ruzaza. Ndara Veronika bestätigt, dass ihr das gleiche gesagt wurde. Sie habe es aber nicht glauben wollen, als sie herausfand, dass „horizontale Linien über weite Strecken in alle Richtungen gebohrt werden, was sicherlich mein Grundwasser beeinträchtigen wird“.

In Bezug auf die seismische Übung und ihre tatsächliche Bewertungslinie, die durch ihr Feld führte (ungefähr 60 Meter hinter ihrer traditionellen Lehmhütte), fügte Mestilde hinzu: „Sie kamen, um mir zu sagen, dass sie mein Feld einmal durchqueren und ‚stampen‘ würden. Und sie sagten mir, dass sie mich bezahlen werden – das war im September. Sie fahren immer wieder durch mein Grundstück und erzählen mir Unsinn, dass der staatliche Zahlungsprozess seine Zeit in Anspruch nimmt. Ich glaube ihnen nicht mehr.“

Schäden an Unterkünften

Nur 300 Meter von Mestildes Haus entfernt steht ein weiteres traditionelles Lehmhaus, das durch die gewaltigen Schläge der seismischen Ausrüstung beschädigt wurde. Und direkt gegenüber von diesem Unterstand steht ein Backsteinhaus, das erhebliche Risse bekommen hat. So sehr, dass ReconAfrica im letzteren Fall ein Reparaturteam entsandte, das diese Risse reparierte – die Reparaturen bleiben deutlich sichtbar. Die Leute fragen immer wieder, warum diese Übung und mögliche Auswirkungen nicht vorher mit ihnen besprochen werden konnten.

Mangelnde Kommunikation und Nichteinhaltung der Bestimmungen des Umweltgesetzes von Namibia scheinen eine ständige Herausforderung für ReconAfrica zu sein. Der Umweltkommissar Teofilus Nghitila zerstreute die Bedenken von Einheimischen sowie weltbekannten Wissenschaftlern und stellte ReconAfrica einfach ein Umweltfreigabezertifikat aus, das es ihnen ermöglichte, eine seismische Bewertung durchzuführen. Die kürzlich ernannte lokale Mediensprecherin von ReconAfrica, Hilda Basson-Namundjebo, folgte diesem Trend und beurteilte alle negativen Medienberichte als inhaltslos und grundsätzlich voreingenommen. Doch ähnlich wie bei der ersten Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA), bei der ReconAfrica zwei Sondierungsbohrungen bei Kawe und Mbambi durchführen durfte, obwohl sie sich nie an die ordnungsgemäßen Konsultationsanforderungen gehalten hatten, beklagen sich auch jetzt die Menschen über mangelnde Konsultationen.

Vorsitzender voreingenommen

In der Zwischenzeit wurde Ausschussvorsitzender Tweya während der Anhörungen von mehreren Gemeinderäten darüber informiert, dass sie buchstäblich im Nachhinein über die Durchführung und Funktionsweise der seismischen Untersuchung informiert worden seien. Tweya wird jetzt von Leuten wie der Vorsitzenden des Ncaute Community Forest, Kudumo Elizabeth, vorgeworfen, selbst voreingenommen zu sein. Der Ex-Minister und gleichgesinnte Vertreter sagten der Kalenga-Familie, die an dem Treffen in Kayengona östlich von Rundu teilnehmen wollte, dass sie „nicht direkt betroffen“ seien und daher nicht an der angeblich öffentlichen Anhörung teilnehmen dürften. Dies ist die Familie von Andreas Sinonge, dem Mbambi-Bauern, der mit Hilfe des Rechtsbeistandsbüros LAC ReconAfrica verklagt, weil das Unternehmen sein Land in Mbambi unrechtmäßig übernommen hatte.

Mehrere Leute lehnen die Informationsveranstaltungen als Übung ab, die darauf abzielt, ReconAfrica „weiß zu waschen“. So wurden die Veranstaltungsorte nach Angaben der Vertreter von drei verschiedenen Hegegebieten, die dem Volk der Shambyu- und Gciriku-Stämme angehören, wiederholt in letzter Minute verschoben. Kasera meinte, dass dies nicht ReconAfrica vorgeworfen werden dürfe. „Dies wurde eindeutig getan, um uns davon abzuhalten teilzunehmen und sich zu beschweren”, meinten die Kommunalvertreter.

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