12 September 2019 | Meinung & Kommentare

Unmögliche Leistungserwartung

Im Jahr 2004 stritt sich der Parlamentsabgeordnete Johan de Waal (DTA) mit der Finanzministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila wegen des Windhoek Country Clubs: der Betrieb hatte für 2003 einen Verlust von 31 Millionen N$ eingefahren und weitere 46 Mio. N$ winkten für 2004. Spult man die Zeit nach vorn, verzeichnete der Betrieb im Jahr 2014 erstmals Rekordziffern und zahlte im Jahr 2016 Dividende in Höhe von 5 Mio. N$ an den Staat (2018 sogar 6 Mio. N$).

Letzteres geschah als Sven Thieme den Aufsichtsrat anführte - dieselbe Person, die den Aufsichtsrat der Namibia Broadcasting Corporation (NBC) anführt und zu dem Schluss gelangt ist, dass der NBC sich im bestehenden Format nicht selbst tragen kann. Gemessen an den politisch-gestellten Erwartungen, muss der Betrieb besser vom Staat subventioniert werden oder er muss die Türen schließen.

Man braucht kein Investmentbanker zu sein, um zu erkennen, dass ein Wachstum im Jahresumsatz von 90 Millionen N$ auf 100 Mio. N$ nicht den Unterschied auffangen kann, der in der gleichen Zeit durch die Verminderung der Subventionierung, von 237 Mio. N$ runter auf 140 Mio. N$, entstanden ist. Momentan frisst der Verlust eines einzelnen Monats bereits die gewonnenen 10 Mio. N$ auf. Das Service-Angebot des NBCs hat in den vergangenen Jahren aufgrund politischer Aufträge und Erwartungen unwahrscheinlich zugenommen, doch gleichzeitig hat sich die Brieftasche der Regierung ständig verkleinert.

Staatliche Rundfunkanstalten machen selten einen Gewinn, eben weil sie sich auch mit Projekten befassen, die finanziell keinen Sinn ergeben. Wenn der Staat aber der Anstalt ein bestimmtes Service-Muster abverlangt, ist er im weiteren Sinne nicht nur Eigentümer der Rundfunkanstalt, sondern auch derer größter Kunde. Bei sechs Fernsehsendern entsteht dann die Frage, ob der Staat mit der geleisteten finanziellen Unterstützung tatsächlich seinen rechtmäßigen Obolus zahlt? Oder verlangt er dem Rundfunk - und somit dem Aufsichtsrat - Unmögliches ab?

Von Frank Steffen

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