03 Januar 2017 | Lokales

Ungenutztes Agrar-Potenzial

Anwendung des Wassers kann Namibias Zukunft beeinträchtigen

Sollte Wasser, das nun ungenutzt im Atlantik verschwindet, für Agrar-Zwecke umgeleitet oder für geplante Hydrologie-Zwecke genutzt werden? Die andauernde Trockenheit sowie die zunehmende Bevölkerungszahl in Namibia führen dazu, dass längst vergessene Theorien neu betrachtet werden.

Von Frank Steffen, Windhoek

Winfried Metzger wird als fähige Fachkraft auf dem Gebiet des Schlagens von Bohrlöchern und Wasserversorgung respektiert. Unlängst drückte er sein Unverständnis über die anscheinend mangelhafte Koordination zwischen dem Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserversorgung sowie dem halbstaatlichen Wasserversorgungbetrieb NamWater und der Stadtverwaltung aus. Abgesehen von der unsystematischen Nutzung des Aquifers im Süden Windhoeks, ist Metzger über den Zustand des Omatako-Kanals besorgt: „Massen an Frischwasser verschwinden. Sie kommen nicht wie ursprünglich vorgesehen, in Windhoek an. Der Omatako-Kanal hat die Kapazität Windhoek zu versorgen, dafür wurde er ja gebaut. Die Regierung spricht von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften (PPP). Die Sanierung des Kanals wäre ein ideales Projekt für solch eine PPP. Das Outsourcen ist die einzige Antwort, denn die bisher Verantwortlichen, sind der Sache deutlich nicht gewachsen.“

Metzger erklärte außerdem, dass das riesige Wasservorkommen in den unterirdischen Wasserreservoirs des Ovambolands aus der Zeit stammt, als der Kunene noch als Inlandsee endete. In der Vorzeit bog der Kunene-Fluss (heute die Nord-Westliche Grenze zwischen Namibia und Angola) auf der Höhe von Calueque (unweit Ruacana) in eine östliche Richtung ab, wodurch das Wasser in die Gegend des heutigen Olushandja-Dammes lief, und von dort weiter in die Etoscha-Pfanne, wo es allmählich verdampfte und versickerte. Tektonische Erschütterungen und Verschiebungen ermöglichten dem Kunene den Durchbruch Richtung Atlantik vor mehr als 16000 Jahren. Die Etoscha-Pfanne trocknete aus und wird heute nur noch sporadisch vom Ekuma-Rivier gespeist. Die Salz-Pfanne trug ursprünglich den Namen Ekuma-See. Der 1990 fertiggestellte Olushandja-Damm, weiter nordwestlich in der Oshana-Region gelegen, empfängt indes sein Wasser über das Etaka-Rivier, welches aus dem angolanischen Calueque-Damm gepumpt wird.

Nun wies Metzger auf eine Theorie des Professors EHL Schwarz von der Rhodes-Universität, aus dem Jahre 1919. Schwarz postulierte, dass das Wasser des Kunene-Flusses umgeleitet werden sollte, damit die Etoscha-Pfanne wiederbelebt würde. Dies entsprach sogar vorigen bestehenden Plänen der deutschen Kolonialregierung. Eine Umleitung war allerdings wiederholt aufgrund der Kosten abgelehnt worden, und dieser Trend setzte sich bis in die Sechziger durch. Schwarz vertrat indes die Meinung, dass diese Art Überschwemmung dazu führen werde, dass sich das Wasser mit der Zeit durch das Ovambo-Rivier bis zum Okavango-Fluss im Osten vorkämpfen- und diese beiden Riviere vereinen würde. Die nunmehr gefüllte Pfanne und umliegendes Areal würde ein Verdampfungsgebiet von etwa 8000 km² kreieren (die Pfanne allein ist 4800 km² groß), welches zu verbesserten Niederschlägen im Inland führen würde. „Diese Idee sollte wieder aufgegriffen werden, denn mit den heutigen Mitteln wird so ein Projekt tragbar. Obendrein ist das Frischwasser für die Bewohner viel wichtiger; sie brauchen Wasser und Nahrungsmittel im Inland. Wenn das Ovamboland ordentlich Wasser hätte, dann könnte man die sogenannten ‚Green-Schemes', die man entlang des Okavango-Flusses und beim Hardap-Damm findet, auch im zentralen Norden entwickeln. Davon abgesehen kann man davon ausgehen, dass das Verhältnis der Verdampfung gegenüber dem im See angelangten Wasser etwa 50/50 steht. Diese Luftfeuchtigkeit führt zu einem eigenen Kreislauf, welcher sich durch wesentliche Niederschläge vorteilhaft auf die gesamte Umgebung auswirkt“, erklärte Metzger und stellte abschließend die Frage: „Was ist wichtiger? Wasser für unsere eigene Bevölkerung und eine entsprechende Selbstversorgung in der Nahrungsmittelfrage, oder der Export von Strom?“

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