21 August 2015 | Natur & Umwelt

Unbezahlbare Erfahrung gesammelt

Von Dirk Heinrich, Windhoek/Okavango Über seinen Professor gelangte der 27-jährige Götz Neef in die Gruppe der Auserwählten, die die Expedition des Okavango Wilderness Projekts mitmachen durften. „Ich sollte als Entomologe mitkommen und regelmäßig Wasserproben des Cuito und des Okavango nehmen. Gleich am Anfang fragte mich Expeditionsleiter Dr. Steve Boyes ob ich Sport betreibe und wie meine Balance sei. Kurz darauf musste ich eines der sieben Mokoros steuern“, sagte ein immer noch aufgeregter Götz Neef Anfang August am Ufer des Okavango, nachdem die Gruppe bereits über 1000 Kilometer quer durch Angola auf dem Cuito zurückgelegt hatte. Drei Tage zuvor hatten sie die Stelle an der namibischen Grenze erreicht, wo der Cuito in den Okavango mündet. Nach wenigen Tagen und einem beschwerlichen Beginn der Expedition, da die Mitglieder die sechs Meter langen Einbäume (Mokoros) aus Glasfiber wegen der engen Windungen des dort noch schmalen Cuito über Land ziehen mussten, bekam Neef eine weitere Aufgabe. Der Fischexperte war gestürzt und hatte sich verletzt. Neef sollte nun täglich am Abend Reusen auslegen und am nächsten Morgen den Fang auswerten und für wissenschaftliche Zwecke präservieren. „Fische haben mich schon immer interessiert und jetzt bekam ich die Gelegenheit nicht nur mehr zu lernen, sondern gleich eine wissenschaftliche Aufgabe zusammen mit der einzigen Angolanerin in der Gruppe, Adjany Costa, zu übernehmen“, teilte Neef mit. Es seien wahrscheinlich einige neue Arten entdeckt worden und allem Anschein nach, dient der von der Gruppe entdeckte Wasserfall als Barriere für Fische, die oberhalb des Wasserfalls weit oben in Angola, sowie jenen Arten die unterhalb des Wasserfalls vorkommen. Die Aufgabe mache sehr viel Spaß und auch das Steuern eines Mokoros sei nach wenigen Tagen einfach gewesen. „Es ist unwahrscheinlich wie gut die Zusammenarbeit in der Gruppe ist, wie wir als Gruppe zusammengewachsen sind, wie jeder jedem hilft und sein Fachgebiet erklärt und unser Expeditionsführer Steve, der einfach bewundernswert alles anpackte und durchführte“, sagte Neef. Jeder war auf den anderen angewiesen und es funktionierte. „Wir sind gespannt was uns jetzt erwartet. Wir müssen die Gefahr der Minen aus dem Kopf bekommen, da wir Angola verlassen haben und nun neuen Gefahren in Form von Flusspferden, Elefanten, Krokodilen und Löwen trotzen“, meinte der junge Namibier. Schon die darauffolgenden Tage wurde dies Wirklichkeit, denn die Gruppe begegnete allein in den wenigen Tagen auf namibischem Gebiet hundert Mal mehr Flusspferden und Elefanten, als in den zwei Monaten in Angola. „Ich hätte nie gedacht, dass wir soweit oben in Angola frieren würden. Wir hatten dort Frost und es war saukalt“, meinte Neef. Anderseits war er und die Gruppe erschreckt wie wenige Säugetiere zu sehen waren. Die wenigen Menschen die am Oberlauf des Cuito wohnen, leben nur von der Jagd. „Da ist fast nichts mehr und wir haben in einigen verlassenen Jagdhütten Felle von Duckern entdeckt, die wir nicht kennen. Wir lassen die Felle jetzt wissenschaftlich untersuchen. Tier geben dort keinen Laut von sich und flüchten wenn Menschen kommen. Wir hatten eines von nur 15 Flusspferden die wir gesehen haben, welches vor uns flüchtete und dabei wie ein Delfin durch das Wasser schwamm und sprang“, erzählte Neef. Völlig überrascht und erfreut waren Neef und die Gruppe von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Angolaner, vorne weg dem Gouverneur der Cuando-Cubango-Region, General a.D. Higino Carneiro. „Der Gouverneur war sehr interessiert, hat uns Hubschrauber zur Verfügung gestellt und am Ende gab es eine riesige Abschiedsfeier. Als wir Probleme mit der hiesigen Einreisebehörde hatten, flog er uns nach Rundu und zurück nach Dirico“, schwärmte der junge Namibier. Im Augenblick befindet sich Neef mit dem Rest der Gruppe in Botswana, wo sie dem Okavango auf dem Hauptfluss quer durch das Okavango-Delta folgen bis sie kein Wasser mehr unter dem Kiel haben. „Für mich war und ist diese Expedition eine einmalige Gelegenheit und Erfahrung, Ich möchte aber auch, dass junge Leute vor allem in Namibia sehen, dass Wissenschaft und Forschung gebraucht wird“, betonte Götz Neef. Nicht nur die Fauna und Flora am und im Fluss war sehr interessant, sondern auch die Überbleibsel vom langjährigen Bürgerkrieg in Angola und die Auswirkungen auf Natur und Mensch. Weitere Informationen über die Expedition an der ein Namibier, eine Angolanerin, fünf Südafrikaner, fünf Botswanesen, ein Brite und vier US-Amerikaner teilnehmen und die von National Geographic finanziert wird, unter: intotheokavango.org oder auf twitter @intotheokavango#okavango 15 and live on.

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