06 Oktober 2011 | Politik

Trauerfeier bleibt ohne Konsens

Windhoek - Eine Woche intensiver Emotionen zwischen Berlin und Windhoek hat gestern auf dem Heldenacker einen vorläufigen Abschluss gefunden, als im Anzeichen der 20 heimgeholten Totenschädel von Herero und Nama, die während des Kolonialkriegs "zu Forschungszwecken nach Deutschland" geschafft wurden, eine Trauerfeier, das "Requiem der Märtyrer", abgehalten wurde. Den geistlichen Teil des Gedenkens an die Toten gestaltete der lutherische Bischof Dr. Zephania Kameeta. Traditionelle ethnische Führer der Ovaherero/Ovambanderu und Nama, die die Schädel aus Berlin geholt haben, nahmen aktiv am Gedenken teil. Zugleich hoben sie bestehende Differenzen in der Frage der Reparationsforderung hervor, die im Gegensatz zur deutschen Bundesregierung und der namibischen Regierung bestehen. Präsident Pohamba begrüßte die "sterblichen Überreste unserer Leute, die ihr Leben im antikolonialen Widerstandskrieg verloren haben" auf dem Heldenacker. Die Schädel sollen dann im neuen Unabhängigkeitsmuseum untergebracht und geehrt werden, für künftige Generationen, um ihnen "die Brutalität des Krieges vor Augen zu führen".
Ohne auf Einzelheiten einzugehen - vermutlich lagern noch mehr Schädel aus Namibia in Deutschland - hat sich Pohamba für die Rückführung weiterer Objekte von kultureller und historischer Objekte ausgesprochen, und die Wissenschaftler beider Länder sollen dabei helfen.
Pohamba ging auf den Schießbefehl des Generals Lothar von Trotha von 1904 ein, spannte den Bogen dann jedoch bis in die Gegenwart: "Wir werden weiterhin mit der Regierung der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und zum gegenseitigen Vorteil der beiden Völker zusammenarbeiten. Wir sind zuversichtlich, dass unsere beiden Länder weiterhin zusammenarbeiten, um verbliebene (namibische) Reste zu repatriieren." Zuvor hatte er die Einheit der namibischen Nation betont, zu der die Widerstandskämpfer beigetragen hätten. Sie verpflichteten die jetzige Generation zu Frieden und Stabilität. "Dazu müssen wir die Übel des Tribalismus, der Ethnizität, des Rassismus, Regionalismus und Sexismus verwerfen." Zeremonienmeister Alpheus !Naruseb, Minister für Ländereien und Neusiedlung, bat Botschafter Kochanke mit folgenden Worten ans Rednerpult: "Wir können die Geschichte nicht rückwirkend ändern, aber wir können das Schicksal unserer Nation gestalten." Kochanke verneigte sich vor den Schädeln und erklärte, dass die Bundesregierung seit "Entdeckung der Überbleibsel" 2008 alle Bemühungen zur Repatriierung unterstützt habe. "Wir erinnern uns heute an Gräueltaten von vor über 100 Jahren. ... Gestatten Sie mir, an der Trauer zu diesem tragischen Geschehen teilzuhaben. Ich verneige mich und drücke mein tiefes Bedauern aus." Der Botschafter betonte die besonderen deutsch-namibischen Beziehungen, die bilaterale Zusammenarbeit und Kooperation zur Entwicklung Namibias als einer Nation. "Meine Regierung unterhält keine Sonderbeziehungen zu individuellen ethnischen Gruppen."
Die Herero- und Namaredner forderten durchgehend den Dialog mit der Bundesregierung, um sich auf Reparationen zu einigen und so wahre Versöhnung herzustellen.


Gleiche Nachricht

 

Wahlen finden am 27. November statt

vor 7 stunden | Politik

Windhoek (nic) – Die Wahlen der Präsidentschaft und Nationalversammlung finden am 27. November 2019 statt. Dies gab heute Vormittag die namibische Wahlkommission (ECN) bei der...

Wenn Unrecht verdrängt wird

vor 22 stunden | Politik

Anerkennung und Rehabilitation. Das ist alles, was die ehemaligen SWAPO-Dissidenten fordern, die über Jahre in den sogenannten Lubango-Kerkern gefangen gehalten und gefoltert wurden. Das ist...

Privatsektor vermisst Mitspracherecht

vor 22 stunden | Politik

Von Catherin SasmanWindhoek Die Studie des Forums für die Erforschung der Wirtschaftspolitik EPRA, die sich mit dem Gesetzesentwurf zur wirtschaftlichen Ermächtigung NEEEF auseinandergesetzt hat, beschert...

Guibeb sorgt für deutsche Schlagzeile

vor 22 stunden | Politik

Windhoek (ste) - In einem Artikel der Bild-Zeitung wird der namibische Botschafter in Deutschland Andreas Guibeb scharf angegriffen. Der Botschafter habe Schulden in Höhe von...

Wahrheitskommission bleibt Tabu

vor 1 tag - 16 Mai 2019 | Politik

Von NMH, M. Springer, WindhoekBei einem Treffen mit Überlebenden der sogenannten Lubango-Kerker warnte Geingab gestern im Staatshaus zum widerholten Male davor, dass Namibia „in Flammen...

Vertrauen schwindet

vor 2 tagen - 15 Mai 2019 | Politik

Von Catherin Sasman & Frank Steffen, Windhoek Die namibische Premierministerin, Saara Kuugongelwa-Amadhila, hatte im August 2018 als Teil einer weiteren Gesprächsrunde über den Gesetzesentwurf zur...

Südafrika hat gewählt: Kontinuität statt Wandel

vor 2 tagen - 15 Mai 2019 | Politik

Die südafrikanischen Wahlen vom 8. Mai finden, gemessen an den in europäischen Medien sonst höchstens in Form von Randnotizen wahrgenommenen Wahlen afrikanischer Staaten, eine beachtliche...

Geingob gratuliert Nujoma

vor 3 tagen - 14 Mai 2019 | Politik

Windhoek (ste) - Anlässlich des 90. Geburtstages des namibischen Gründungspräsidenten, Dr. Samuel Nujoma, gratulierte der amtierende Präsident Hage Geingob, dem als „Vater der Nation“ verehrten...

Offener Brief an Deutschland

vor 4 tagen - 13 Mai 2019 | Politik

Das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte definiert sich auf seiner Internetseite wie folgt: „Dem Unrecht das Recht entgegensetzen - das ist das erklärte Ziel...

Offener Brief an das Bundesministerium

vor 4 tagen - 13 Mai 2019 | Politik

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Frau Dr. Merkel Sehr geehrter Herr Bundesminister des Äußeren, lieber Herr Maas Sehr geehrte Frau Staatsministerin, liebe Frau Müntefering, wir...