02 Januar 2018 | Polizei & Gericht

Transit-Schwindel mit Hühnerfleisch

Antikorruptionseinheit: Spur führt nach Sambia – ACC sucht nach Betroffenen

Ein sambisches Importunternehmen soll aus Europa eingeführte Transitware als ein Produkt aus Namibia angegeben und zudem unterbewertet haben, um geringere Abgaben und Steuern zu zahlen. Der millionenschwere Betrug ist aufgeflogen, jetzt suchen auch namibische Behörden nach Zeugen.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Die namibische Untersuchung laufe bereits seit Februar vergangenen Jahres, als ein hiesiges Unternehmen die namibische Anti-Korruptionskommission (Anti Corruption Commission, ACC) auf dubiose Aktivitäten aufmerksam gemacht habe. Den Ermittlern zufolge soll eine im benachbarten Sambia sässige Importfirma unrechtmäßig den Namen des namibischen Unternehmens verwendet haben, um der Steuerzahlung im eigenen Land zu entgehen.

Bei dem verdächtigten Unternehmen handele es sich um die Firma Daily Meat Products Limited, die vor geraumer Zeit Container mit gefrorenem Hühnerfleisch als Transitware aus den Niederlanden zunächst nach Namibia zum Weiterexport nach Sambia eingeführt habe. „Sämtliche Dokumentation hat zu diesem Zeitpunkt gestimmt“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung der ACC, und: „Die Lieferung wurde im Hafen von Walvis Bay empfangen und mit Transitbescheinigung zum Wenela-Grenzübergang (bei Katima Mulilo) geschafft, von wo aus die Fracht mit authentischer Dokumentation Namibia wieder verlassen hat.“



Betrüger in Sambia

Auf sambischer Seite nehme der Fall kriminelle Züge an: Ein Im- und Exportagent soll ein neues Zollanmeldeformular sowie erfundene Rechnungen angefertigt haben, die den Wert der Ware deutlich unterbewertet hätten. „Ferner muss wohl ein gefälschter SADC-Herkunftsnachweis im Spiel gewesen sein, der vorgibt, dass das Hühnerfleisch aus Namibia stammt, und dabei als Ursprung der Ware Namen und Angaben des Unternehmens enthalten hatte, das von all dem nichts ahnte“, erklären Namibias Anti-Korruptionsermittler. Weil innerhalb der SADC-Staatengemeinschaft besondere Abkommen gelten, gibt es für Unternehmen, die regionalen Handel betreiben, gewisse Vorteile wie Steuervorzüge. „Weil die (unterdeklarierte) Ware vermeintlich aus Namibia stammte, brauchten die Importeure viel weniger Steuern zahlen als bei Produkten, die aus den Niederlanden stammen“, so die ACC.

In ihrer Heimat sei die sambische Firma seit Januar 2015 im Visier der Ermittler. „Daily Meat Products Limited hat Handelsware unterbewertet und Rechnungen gefälscht, um Schmuggel zu betreiben“, erklärt Topsy Sikalinda, Pressesprecher der der sambischen Steuerbehörde (Zambia Revenue Authority, ZRA). In einem Fall soll die Firma eine Importlieferung aus Simbabwe um 943000 N$ unterbewertet haben. Einem Bericht der „Zambia Daily Mail“ zufolge beziffert die ZRA die Steuerhinterziehung von Daily Meat Products Limited auf eine Summe von 1,2 Millionen sambische Kwacha (umgerechnet mehr als 1,5 Mio. N$).

In dem Fall in Namibia habe das hiesige Unternehmen per Zufall und infolge einer eigenen Untersuchung erfahren, dass sein Name missbraucht werde. „Erst als die namibische Firma die auf sambischer Seite vorhandenen Dokumente zu Gesicht bekommen hatte, wurden diese als Fälschungen bestätigt und die ACC eingeschaltet“, heißt es.

Nun sucht die ACC nach Firmen, denen ähnliches widerfahren ist. Beispiele und andere verdächtige Aktivitäten können der Behörde unter Tel. 061-4354000 gemeldet werden.

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