29 Juli 2013 | Natur & Umwelt

Toktokkie spricht: Beobachtend, immerzu auf der Hut

Als ich durch das Dickicht pirschte, machte ich plötzlich Halt. Es war ganz still. Das Einzige was sich bewegte, waren Blätter in sanfter Brise. Nicht einmal ein Zistensänger huschte durchs Geäst. Ich spürte die Beobachtung, nahe, nicht gespenstisch, aber aufmerksam. Vorsichtig durchkämmte mein Blick das undurchdringliche Dickicht und ich erkannte das leichte Schimmern großer, dunkler Augen, gekrönt mit aufrecht steifer Stirnlocke, daneben große Ohren nach vorne gerichtet und eine zuckende lange, schmale Nase. Diese aufgeweckte Erscheinung schwebte scheinbar im Busch, wie die Räselkatze von Alice im Wunderland. Allerdings, was vor mir stand war ein Damaradikdik, Madoqua damarensis. Nachdem diese Windspielantilope mich wahrgenommen hatte, verschwand sie wie ein Windspiel, und ich wunderte mich, was mich wohl sonst noch im Kaokoveld beobachtete. Wie jeder Namib-Toktokkie weiß, sind Dikdiks nicht die einzigen Lebewesen, die Menschen im Busch beobachten. Obwohl Pflanzen uns nicht sehen, hören oder riechen, können viele Tiere das sehr wohl, obendrauf noch viel schärfer als wir sie wahrnehmen können. Selbst die kühnsten Beobachter unter uns Menschen werden viel mehr beobachtet als wozu wir mit unseren mickerigen Sinnen fähig sind. Im Kaokoveld scheint der Busch alles zu beobachten, und dabei versteckt es wer weiß was, selbst Elefanten ganz in der Nähe, trotz einer Schulterhöhe zehnmal so hoch wie ein Dikdik. Manche Himba ahmen wohl die Natur nach, indem sie sich in der Landschaft unsichtbar machen und nur ihre wachen Augen verraten sie durch Zufall. Die Natur und Naturmenschen haben gute Gründe, uns zu beobachten, weil wir eine mögliche oder tatsächliche Bedrohung sind, oder vielleicht eine günstige Gelegenheit. Auf jeden Fall können sie nie sicher sein, was wir wohl anstellen werden. In Afrikas Wildnis sind viele Kreaturen vor Menschen auf der Hut. Manche wollen, dass wir verschwinden – der Inbegriff ist wohl der klassische „go-away“-Ruf des Grauen Lärmvogels. Im Vergleich erscheinen einheimische Tiere auf abgelegenen Inseln recht naiv. Charles Darwins Sportgeist als Jäger war auf den Galapagosinseln enttäuscht, als er Museumsexemplare sammelte und dabei mit dem Gewehrlauf einen Habicht vom Ast schubsen konnte. Das Schicksal der ausgestorbenen Dodos, dicke taubenähnliche Inselbewohner, verdeutlicht die Vorteile der Tiere auf dem afrikanischen Kontinent. Dort entwickelten sich die Tierarten zusammen mit Menschen und lernten deswegen, dass zumindest Vorsicht geboten ist. Glücklicherweise sind die meisten nur wachsam und nur wenige sind dem Menschen gegenüber bedrohlich. In Afrika haben wir immer noch mehr unserer Naturschätze übrig als jeder anderer Kontinent, außer Antarktika. Das liegt wohl an der sinnvollen Wachsamkeit unserer Natur, aber es könnte auch sein, weil Menschen hier am längsten mit der Natur gelebt haben. Durch das Bevölkerungswachstum sowie den Antrieb ökonomischer Globalisierung – eine Zwickmühle der Armutsbekämpfung – wird die Wachsamkeit der Natur allerdings zunehmend bedeutungslos. Zophosis moralesi weist darauf hin, dass wir unsere recht schwachen Spürsinne ausgleichen könnten, indem wir unsere nicht-unsinnigen Sinne zwischen den Ohren sinnvoll einsetzen. Hoffentlich, denn Mutter Erde beobachtet uns – immerzu auf der Hut. Dr. Joh Henschel, Walvis Bay

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