30 April 2009 | Glosse

Toi-Toi-Politik wird steilisch

Jong, die Wahlen in Südafrika haben stief Sports gebracht. Lassen wir uns den Stil der Präsidenten der Kaprepublik einmal Revue passieren, fällt auf, dass Madiba Nelson Mandela erst einmal den Kulturstrick und das weiße Hemd der weißen Regierungselite durch das buntfarbene Afro-Hemd mit großen Mustern ersetzt hat. In diesem Outfit hat Madiba sich dann zu den Takten der Musik vor der Masse schon einmal zum Beat im Toi-Toi-Rhythmus bewegt und zur Belustigung der Menge die Knie gebeugt.
Sein Nachfolger, der gestrenge und eher distanzierte Omupräsidente Thabo Mbeki, hat sich wieder häufiger im bürgerlichen Anzug in Schlips und Kragen sehen lassen und dabei sauberes Englisch gesprochen. Beim Populisten Omupräsidente Jacob Zuma wird der Stil noch einmal anders, denn er weiß, wie man mit der Masse Party skoppt. Auf den Parteiplakaten hat er sich allerdings auch mit Kulturstrick sehen lassen. Jong, aber wenn der den Kulturstrick abmacht und in das Leopardenfell der Zulu-Häuptlinge steigt, den Kierie der Impis hebt, dann tobt die Masse, auch wenn er als Bürgerlicher nicht das Anrecht auf die Häuptlingstracht hat. Zuma hat auf jeden Fall auf dem bisherigen Weg alle möglichen Konventionen durchbrochen.
Als jovialer Populist kann er aber auch bedonnert werden. So arbeiten einige Anwälte an Verleumdungsklagen gegen Schreiberlinge und Karikaturisten. Nachdem er sich nach einem Liebesakt - die Frau sprach von Vergewaltigung - zum Schutz gegen HIV/Aids geduscht hatte, wie er im Gericht vor der Nation bekannte, wird er in der Karikatur auf Zeitungspapier den Duschkopf auf seinem Kopf net nich los. Aber die Toleranzgrenze seiner Anhänger ist derart breit, dass sie über all das und die Korruptionsklagen boggeroll geworried sind.
So konnten sich auch die Gäste beim Empfang der Hochkommissarin Eunice Komane in Ovenduka zur Feier des südafrikanischen Freedom Day freuen, dass die Wahlen friedlich verlaufen sind. Sie haben neuen Stil in die Politik gebracht. Madam Eunice, die traditionelle Basuto-Decke um die Schulter geschlungen, demonstrierte, dass jetzt allemann wieder mehr auf Ethno spielen dürfen und sollen. Der Perlenschmuck der Xhosa, der mit Mandela und seinem Stammesgenossen Mbeki prominenter in Umlauf kam, ordnet sich jetzt eher ebenbürtig und nicht vorrangig unter die größere Vielfalt der Regenbogennation ein. Zum ersten Mal nach Antritt der Mehrheitsregierung in Südafrika steht ein Zulu an der Spitze, so dass Feder-geschmückte Impi-Tradition ins Rampenlicht rückt.

Madame Komane hat dennoch unbeirrt ihre eigene Basuto-Tracht zur Schau gestellt. Die besondere Solidarität zwischen Südafrikanern und Namibiern, die sich auf den Kampfjahren der beiden Bewegungen ANC und SWAPO begründet und sich aus der langen Territorialunion ergibt, hat Komane nur leicht gestreift, bevor sie die Bauarbeiten an den Fußballstadien für WM 2010 anpries. Und dann spielte sie auf die geheime Sehnsucht vieler Namibier an, wieder zum größeren Südafrika zu gehören. Viele Comräds und bleiche Namibier haben insgeheim ihre frühere südafrikanische Staatsangehörigkeit als zweite Möglichkeit in den namibischen Staat hineingenommen. "Hier laufen toch viele Namibier mit südafrikanischen IDs rum", sagte sie belustigt und ohne Widerrede vom namibischen Außenminister Marco Hausiku. Nach dem Gesetz darf ein Oukie im Lande der Braven keine zweite Staatsangehörigkeit besitzen. Meme Komane wertet den Umstand der geheimen Südafrika- IDs aber eher als Votum fortgesetzter Solidarität. Außerdem kann sie dabei auf ihren Parteipräsidenten verweisen, der mit Regeln wenig geworried is.

Dennoch, Zuma muss unter dem Duschkopf hervorkommen, um eine Republik zu regieren, in der die Wirtschaft weniger Spaß versteht als er.

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