16 Oktober 2019 | Afrika

Äthiopiens Abiy Ahmed

Der Reformer vom Horn von Afrika

Abiy ist in Afrika der Mann für den Frieden. Dafür erhält er die wichtigste politische Auszeichnung der Welt: Den Friedensnobelpreis. Am Ende ist der Äthiopier mit seiner Arbeit aber noch lange nicht.

Von Gioia Forster, dpa

Addis Abeba

Abiy Ahmed überrascht gerne. Wie kaum ein anderer Politiker hat der 43-Jährige am krisengebeutelten Horn von Afrika einen radikalen neuen Weg eingeschlagen. Sein Heimatland Äthiopien hat der Regierungschef nach Jahren der repressiven Regierungsführung mit Reformen aufgerüttelt. Er startete einen Friedensprozess mit Eritrea, dessen Auswirkungen in der ganzen Region zu spüren sind. Und dem Sudan hat er zu einem politischen Wandel verholfen, der wohl in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Zwar muss sich die Wirkung vieler seiner Taten noch zeigen - noch ist nachhaltiger Frieden und Stabilität in der Region Zukunftsmusik. Doch die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis ist womöglich auch ein Signal: Weiter so.

Als Abiy im April 2018 in Äthiopien an die Macht kam, rechneten die wenigsten mit einem Umbruch. Der Vielvölkerstaat wurde jahrelang mit harter Hand geführt, die Macht wurde von einer einzigen ethnischen Minderheit dominiert. Oppositionsarbeit und Pressefreiheit waren eingeschränkt. Demonstrationen von Gruppen, die sich marginalisiert fühlten, wurden mit der ganzen Gewalt des Staates unterdrückt.

Der junge Politiker sollte die Gemüter im Land beruhigen. Doch Abiy hatte andere Pläne. In Windeseile setzte er eine Reform nach der anderen durch und brach dabei etliche Tabus: Er ließ politische Gefangene frei, beendete einen Ausnahmezustand, strich Oppositionsgruppen von der Terrorliste und liberalisierte die Wirtschaft. Vor allem junge Äthiopier feierten den Reformer. Sein wohl größter Schachzug aber war der Friedensschluss mit Äthiopiens bitterem Rivalen Eritrea. Dies war zuvor fast undenkbar: Die beiden Staaten führten einen blutigen Grenzkrieg und blieben danach verfeindet. Das repressiv geführte Eritrea schottete sich von der Außenwelt ab.

Aus heiterem Himmel verkündete Abiy dann im Sommer 2018, er würde mit Eritrea bedingungslos Frieden schließen. Seitdem haben die Staaten zwar wenig Fortschritt gemacht: Kaum Gespräche wurden geführt, große Streitpunkte sind noch immer offen. Doch die Symbolkraft des Friedensschlusses in den Ländern und der Region war enorm. Das Nobelkomitee wies besonders auf diese Initiative Abiys hin, die ihm die Auszeichnung einbringe.

Doch Abiys radikaler Umbruch ist noch unfertig. Viele seiner eingeleiteten Reformen wurden nicht weitergeführt oder umgesetzt – allen voran der Frieden mit Eritrea. Auch die politische Lage im Sudan ist weiterhin ein Drahtseilakt. Um dort nachhaltige Stabilität zu schaffen, muss Abiy am Ball bleiben. Auch die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, machte bei der Bekanntgabe am Freitag in Oslo klar, dass es noch eine Menge zu tun gebe.

Gleiche Nachricht

 

Nahrungsmittelhilfen für Tausende Menschen in Kenia

vor 1 tag - 10 November 2019 | Afrika

Johannesburg (dpa) - Tausende Familien sind in Kenia wegen Überschwemmungen von der Außenwelt abgeschnitten und sollen nun Hilfe vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bekommen. Das...

UN-Bericht: Türkei, Emirate, Jordanien schicken Waffen nach Libyen

vor 3 tagen - 08 November 2019 | Afrika

New York (dpa) - Der verheerende Bürgerkrieg in Libyen wird nach Angaben von UN-Experten durch illegale Waffenlieferungen von der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und...

US-Regierung belegt führenden Dschihadisten in Mali mit Sanktionen

vor 3 tagen - 08 November 2019 | Afrika

Washington (dpa) - Die US-Regierung hat einen malischen Dschihadisten wegen terroristischer Aktivitäten mit Sanktionen belegt. Damit soll Amadou Kouffa die Planung und Durchführung weiterer Anschläge...

Haft für Milizenführer aus Kongo

vor 4 tagen - 08 November 2019 | Afrika

Den Haag (dpa) - Das Weltstrafgericht in Den Haag hat den ehemaligen kongolesischen Milizenführer Bosco Ntaganda als Kriegsverbrecher zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Zuvor hatten...

Mindestens 37 Tote bei Angriff auf Firmenkonvoi in Burkina...

vor 4 tagen - 07 November 2019 | Afrika

Nairobi (dpa) - Bei einem Angriff auf einen Konvoi mit Beschäftigten des kanadischen Goldproduzenten Semafo sind in Burkina Faso mindestens 37 Menschen getötet und mehr...

Vergessene Arbeiter

1 woche her - 05 November 2019 | Afrika

Von G. Forster und R. E. Krüger, dpaMaputo30 Jahre ist es her. Damals, als die Mauer fiel, wurde José Cossa in Berlin-Schönefeld in einen Flieger...

Ägypten: Mehr als 80 Tote Extremisten bei Einsätzen über...

1 woche her - 04 November 2019 | Afrika

Kairo (dpa) - Bei Anti-Terror-Einsätzen auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten haben Sicherheitskräfte binnen rund fünf Wochen mehr als 80 Extremisten getötet. Bei den Razzien im...

Botswanas Präsident verspricht Akzente beim Schutz von Elefanten

1 woche her - 04 November 2019 | Afrika

Gaborone (dpa) - Der Präsident des afrikanischen Binnenstaates Botswana will sich nach seiner Wiederwahl für den Schutz von Elefanten und anderen Wildtieren engagieren. Bei seiner...

Drei Mitarbeiter der Organisation für Migration im Südsudan getötet

1 woche her - 31 Oktober 2019 | Afrika

Juba (dpa) - Drei Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind im Krisenland Südsudan getötet worden. Die drei freiwilligen Helfer, eine Frau und zwei...

Extremisten im Verdacht

1 woche her - 31 Oktober 2019 | Afrika

Ouagadougou (dpa) - Bei Angriffen auf ein Dorf im Norden des westafrikanischen Staates Burkina Faso haben Terroristen insgesamt 16 Menschen getötet. Die Extremisten hätten wiederholt...