09 Oktober 2019 | Leserpost

Tanz ins Gute

Menschen mit extremen politischen Ansichten sind laut, während die Mehrheit scheinbar schweigt. Ähnlich in der Sphäre des Religiösen: Einzelne „Propheten“ geraten in Ekstase während Millionen Gläubige ganz ruhig den Gottesdienst besuchen.

Das moderne Verständnis von Toleranz, wie wir es seit der Aufklärung kennen, führt dazu, dass viele schweigend leiden. Seit Kant (1781) die sog. Gottesbeweise als nicht schlüssig desavouierte, gilt Glaube als Meinung. Ähnlich in der Politik: Weil niemand die Zukunft kennt, gilt Politik als zufällige Meinung zu einem Problem.

So wie wir alle verschiedene Farben und Kleider lieben, scheint die Meinungsfreiheit auch die verschiedensten Ansichten über dieses und jenes zu erlauben. Völlige Meinungs- und Konsumfreiheit reichen aber nicht als Fundament einer Gesellschaft aus.

Kants Ansatz wurde von Hegel (1816) kritisiert. In jedem Fall ist eine völlig säkularisierte Welt der Vernunft, die Metaphysik, Religion und Politik ausschließen möchte, nicht so stabil in sich ruhend, wie manche uns glauben machen wollen.

Es gab eigentlich schon vor Kant Konzepte, die vielversprechender sind, um die modernen Herausforderungen anzugehen. Gesellschaften mögen sich nicht auf einen spezifischen „Gott“ einigen. Ein aktives Bemühen um das „Gute“ erscheint dagegen als eine nicht hintergehbare Voraussetzung jeder Gesellschaft.

Aber woran erkennt man das Gute? Die Antwort findet man nicht in Büchern. Schon Platon wusste, dass Dinge, die man schriftlich fixiert (Normen), ihre Freiheit einbüßen. Worte haben heutzutage sowieso kaum noch Bedeutung. Die wissenschaftliche Analyse zeigt sich erschöpft. Die Politik der Souveränität zerstört beides: Politik und Souveränität.

Mit Platon kann man eine andere Form der Politik nur andeuten, eine Politik des Hörens, eine Politik des Hörens auf Musik und Tanz. Im Tanz kann man Hören sehen. Die Bewegung anderer bewegt uns in sich.

Tanzen des Wortes in einem „Vulkan der Stille“ (Dickinson) könnte gerade in Afrika die schweigende Mehrheit bewegen „ihre eigene Melodie“ (Marx) zu singen und der Gesellschaft ihre Bedeutung wiederzugeben.



Andreas Peltzer, Okahandja

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