01 Februar 2019 | Finanzen

Tage des Schecks sind gezählt

Fortschritt, der auch Verzweiflung birgt: Zahlungsanweisung wird abgeschafft

Seit Beginn des Jahres werden in Namibia keine Scheckbücher mehr ausgegeben. Und ab morgen kann mit dieser Bankanweisung auch nicht mehr gezahlt werden. Die Währungshüter versprechen sich mehr Sicherheit, doch gerade kleinen Betrieben und Senioren fällt der Umstieg schwer.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Es ist das Ende einer Ära: Zahlungsanweisungsscheine, sogenannte Schecks, werden in den kommenden Monaten komplett aus dem namibischen Zahlungsverkehr gezogen, nachdem der erste Versuch gescheitert war. Denn ursprünglich sollte das Zahlungsmittel bereits Ende 2017 abgeschafft werden, doch weil weder das regulatorische Rahmenwerk noch die Wirtschaft darauf vorbereitet waren, wurde das Stichdatum verschoben.

Nun ist es soweit: Wie die Payments Association of Namibia (PAN), Hüter des namibischen Zahlungsverkehrssystems, Mitte Dezember ankündigte, werden seit dem 1. Januar bereits keine neuen Scheckbücher mehr ausgestellt. Ab dem morgigen Samstag (2. Februar) dürfen zudem keine Schecks mehr ausgeschrieben werden. „Der 24. Juni 2019 wird der letzte Tag sein, an dem Kunden noch einen Scheck einzahlen können – vorausgesetzt, dass diese Zahlungsanweisung auf oder vor den 1. Februar 2019 datiert ist“, erklärt PAN in der Anzeige. Kreditinstitute dürfen noch bis zum 29. Juni Interbankgeschäfte mit Schecks verrechnen, bis das Zahlungsmittel am Folgetag schließlich komplett abgeschafft wird.

Die Zentralbank (BoN) nennt zwei Hauptgründe für den Abschied vom Scheck: Dieses Zahlungsmittel sei nicht nur veraltet, sondern berge auch erhebliche Risiken. „Das Ziel ist nicht, der Öffentlichkeit Unannehmlichkeiten zu bereiten, sondern Risiken wie die Betrugsgefahr zu vermindern“, erklärte der BoN-Pressesprecher Kazembire Zemburuka im November 2017.

Angesichts moderner Alternativen wie Kreditkarten und elektronischen Geldüberweisungen (EFT) handele es sich um ein „kostenaufwendiges“ und „relativ ineffizientes“ Zahlungsmittel, was auch den rückläufigen Trend bei der Verwendung erkläre: „Das Volumen und der Wert bearbeiteter Schecks ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 39 beziehungsweise 42 Prozent gesunken“, heißt es in einem Jahresbericht der Zentralbank. Allerdings muss dabei in Betracht gezogen werden, dass Ende 2016 die erlaubte Obergrenze bei Schecks von einer halben Million auf 100000 N$ reduziert wurde (AZ berichtete).

Die Abschaffung sorgt aber auch für Verzweiflung. „Es wird uns wirklich nicht einfach gemacht“, meinte eine ratlose Gitta Pretorius im AZ-Gespräch, die laut eigener Aussage seit 60 Jahren in Karibib lebt und dort einen kleinen Gästebetrieb führt. „Überall zahle ich mit Schecks; das ist viel einfacher“, sagte die Rentnerin – sie besitze weder eine Debit- noch eine Kreditkarte und habe große Berührungsängste mit Internetbanking. Ähnlich ergeht es anderen Senioren, Landwirten und kleineren Unternehmen. Zumal eine zuverlässige Internetverbindung nicht überall im Land gegeben ist.

Carlos De Sousa, Geschäftsführer des Fliesenhändlers CTM in Ondangwa, sagte unterdessen: „Für uns ist das eine durch und durch positive Entwicklung.“ Angesichts der Betrugsgefahr sei der Umstieg auf alternative Zahlungsmittel ein „kleines“ Problem: „Man muss bedenken, dass es mehrere Tage dauert, bis ein Scheck von der Bank eingelöst wird und in der Zwischenzeit platzen kann.“

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