17 Oktober 2019 | Meinung & Kommentare

SWAPO-Gezeter à la Trump

„Ich war persönlich dabei und kann versichern, dass das Stadion weit überfüllt war (…). Wir mussten Teilnehmer sogar aufs Spielfeld lassen, weil nicht genügend Platz vorhanden war.“ Was an Versuche der Trump-Administration erinnert, die Größe der Zuschauermenge bei der Amtseinführung des 45. US-Präsidenten Anfang 2017 zu verteidigen, ist tatsächlich die Rhetorik der regierenden Partei SWAPO, mit der sie die Berichterstattung des Staatssenders NBC kritisiert.

SWAPO-Sprecherin Hilma Nicanor hatte sich nach der Kundgebung ihrer Partei am Wochenende an der Küste schriftlich bei dem Intendanten der Rundfunkanstalt, Stanley Similo, beschwert – und der Ton war auffällig vorwurfsvoll: „Während der Übertragung hat NBC Bildmaterial benutzt, das nur einen kleinen Teil der Menschenmenge zeigt“, heißt es. „Wir möchten hiermit unsere höchste Unzufriedenheit mit dieser Form der Berichterstattung zum Ausdruck bringen.“

Doch damit nicht genug: die Regierungspartei, die bei den Wahlen 2014 über 80 Prozent der Stimmen erhalten hat, wittert offenbar eine Verschwörung und hält es für nötig, der NBC eigenes Bildmaterial als Gegenbeweis vorzulegen. Die Sprecherin meint enttäuscht: „Es ist verblüffend und zugleich beunruhigend, dass sich NBC bei der Berichterstattung über dieses wichtige Ereignis für diese Aufnahmen entschieden hat“, heißt es in dem Beschwerdebrief, in dem auch eine Korrektur verlangt wird – ein Nachtrag soll ausgestrahlt werden, der gefälligst die „tausenden“ Parteianhänger zeigt. Schließlich handele es sich bei der SWAPO um eine „politische Massenbewegung“, die es „nicht hinnehmen wird“, auf diese Art und Weise dargestellt zu werden.

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, hat das Recht, Kritik zu üben. Bedenklich ist aber, dass es die siegessichere Regierungspartei für angebracht sieht, Namibias primäres Massenmedium auf Trump-Manier aufs Korn zu nehmen. Hoffentlich wird diese Rhetorik uns nicht bis zum Urnengang am 27. November begleiten, ganz geschweige danach.

Clemens von Alten

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