19 Mai 2017 | Arbeit

Strategie langersehnt

Migrationspolitik soll Entwicklung fördern

Eine umfassende, mit UN-Hilfe entworfene Migrationspolitik soll den Ausstausch von Personal zwischen Namibia und dem Ausland kontrollieren. Es ist der erste Versuch der namibischen Regierung, die internationale Wanderung von Arbeitskräften zur sozioökonomischen Entwicklung zu nutzen.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Laut dem Direktor für Migration im Ministerium für Arbeit, industrielle Beziehungen und Arbeitsplatzbeschaffung gibt es zwei Formen der Migration: „Eine beruht auf Notwendigkeit, die andere auf freier Wahl – wir wollen die letztere Form der Migration“, sagte Albius Mwiya, der gestern bei der Besprechung des dritten und vorerst endgültigen Entwurfs der Strategie zur Wanderung von Arbeitskräften als Zeremonienmeister auftrat. „Migration ist nur ein Problem, wenn sie nicht richtig reguliert wird.“ Das Strategiedokument wurde mit Unterstützung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) entworfen.

Wie der Staatssekretär und ehemalige Arbeitskommissar Bro Mathews Shinguadja erklärte, ist es das Ziel der sogenannten Labour Migration Policy, die Vorteile der Menschenwanderung zur sozioökonomischen Entwicklung zu nutzen. „Es geht nicht um billige Arbeitskräfte, sondern um die positive Seite, wie den Austausch von Fachwissen“, so Shinguadja, der auch stellvertretend für Arbeitsminister John Mutorwa eine Rede verlas, der aufgrund einer Kabinettssitzung verhindert gewesen sei: „Die Politstrategie zur Arbeitsmigration ist ein Meilenstein in der Agenda der sozioökonomischen Entwicklung Namibias.“

In seiner Rede wies der Minister auf das Protokoll der Staatengemeinschaft des südlichen Afrikas zu Arbeit und Beschäftigung (SADC Protocol on Employment and Labour 2014, Article 19) hin, in dem der verbesserten Aufsicht und Kontrolle besondere Beachtung geschenkt wird. „Es ist lobenswert, dass Namibia eines der ersten Länder ist, das die SADC-Vereinbarung umsetzt“, sagte die zurzeit in Namibia tätige UN-Koordinatorin Anita Kiki Gbeho. „Es gibt viele, sowohl Ausländer als auch Namibier, die hier bzw. im Ausland einer Arbeit nachgehen, und es ist nicht möglich, die vollen Vorteile dieser Situation zu nutzen, solange von politischer Seite kein entsprechendes Rahmenwerk vorhanden ist.“ Der regionale IOM-Programmleiter Jason Theede (aus Mosambik) erklärte: „Die Migrationspolitik soll für die Heimat, das Gastland, sowie den Migranten, und idealerweise für den Arbeitgeber, die Vorteile optimieren.“

Entsprechend den Vorgaben des SADC-Protokolls wurden auch die Ziele der namibischen Strategie formuliert. Einerseits sollen die Rechte von Gastarbeitern besser geschützt werden, ob es sich nun um Ausländer handelt, die sich in Namibia aufhalten, oder Namibier, die im Ausland tätig sind. „Ebenso muss eine effektive Grenzüberwachung gewährleistet werden, um einen gesunden Migrationsfluss zu ermöglichen, und Menschenhandel, Schmuggel, Kinder- sowie Zwangsarbeit und irreguläre Wanderung von Menschen zu bekämpfen“, heißt es in dem Entwurf.

„Wir waren seit Beginn im April vergangenen Jahres in der Formulierung dieses Entwurf beteiligt und blicken dem Abschluss der Strategie entgegen“, sagte gestern Nachmittag Helena Veico vom Arbeitgeberverband (Namibian Employers‘ Federation, NEF) am Rande dessen Jahreshauptversammlung. Die Arbeitgeber „begrüßen“ die Labour Migration Policy. Veico zufolge waren neben der Regierung und dem Arbeitgeberverband auch Vertreter von Arbeitnehmer-Organisationen an den Gesprächen beteiligt.

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