03 September 2020 | Natur & Umwelt

Stimmen im Meer gezählt

Forscher ermitteln Delfinpopulation anhand der Pfeiflaute

Ein wissenschaftliches Team hat eine neue Methode erforscht, um die Größe einer Delfinpopulation zu bestimmen: sie zählen einzelne Delfinrufe. Die Studie des namibischen Delfinprojekts genießt internationale Aufmerksamkeit und ebnet den Weg für weitere Forschungsarbeiten.

Von Erwin Leuschner

Swakopmund/Walvis Bay

Wir sind super aufgeregt“, teilte das Team mehrerer Wissenschaftlicher jetzt mit. Die Forschungsarbeit wurde geführt von Emma Longden, eine Praktikantin des namibischen Delfinprojekts (NDP), unter Aufsicht von Dr. Tess Gridley und Dr. Simon Elwen – beide sind vom Delfinprojekt und der Universität Stellenbosch. Zugleich haben Dr. Clare Embling von der Universität von Plymouth und die beiden NDP-Forscher Bridget James und Barry McGovern zum Projekterfolg beigetragen.

Gewöhnlich werden die Anzahl Delfine einer Population anhand von Beobachtung und Aufzeichnung ermittelt. „Die Zählung erfolgt traditionell mittels eines Lichtbildausweises (photo identification)“, teilte NDP mit. Dabei werden qualitativ hochwertige Bilder von der Rückenflosse eines Delfins gemacht, denn die Rückenflosse ist bei jedem Tier unterschiedlich. Zum Beispiel können dort Narben, Schrammen oder Kerben zu sehen sein. „Aber in manchen Fällen können sich diese natürlichen Markierungen im Laufe der Zeit verändern, weshalb Fotos nicht optimal sind“, erklärte NDP.

Aus diesem Grund habe die Organisation, die seit Jahren in Namibia aktiv ist, eine neuartige Methode erforscht. Die Forscher hätten vier Unterwassermikrofone entlang der namibischen Küste platziert – hauptsächlich nahe Walvis Bay bei Afrodite Beach. Über einen längeren Zeitraum hätten sie etwa 4 000 Stunden Akustik aufgezeichnet und analysiert. Die Ergebnisse liegen nun vor.

„Wir wissen seit etwa 50 Jahren, dass jeder Delfin einen charakteristischen Pfeiflaut nutzt. Seit elf Jahren untersuchen wir, wie die namibischen Delfine diese Signaturpfeiflaute anwenden“, teilte NDP mit. Diese neuartige Methode werde „SWORD” genannt (Signature Whistles for Occurence, Recapture and Density). Anhand dessen hätten die Wissenschaftler die Anzahl Tümmler bei Walvis Bay geschätzt. „Wir sind aufgeregt, weil die Anzahl der mit der akustischen Methode geschätzten Tiere fast genau der Anzahl entspricht, die mit der fotografischen Methode ermittelt worden war“, so NDP. Demnach sei die Anzahl Tümmler auf zwischen 54 und 68 Tiere geschätzt worden. Dr. Elwen hatte die Anzahl der Delfine im vergangenen Jahr mittels der Fotomethode auf zwischen 54 und 76 Tiere geschätzt.

„Es ist wichtig, um Statistiken über die Anzahl Delfine in einer Population zu haben“, teilte NDP ferner mit. Dies sei nicht nur für das Populationsmanagement wichtig, sondern auch zum Schutz der Tiere. Um diese Informationen aber mit der traditionellen Methode zu bekommen, stelle oftmals eine Herausforderung dar. „Delfine bewegen sich schließlich entlang der Küste und manchmal halten sie sich an schwer erreichbaren Orten auf“, erklärte NDP weiter.

Mit der neuartigen Methode würden Forscher außerdem neue Erkenntnisse einholen, wie die Tiere untereinander kommunizieren. „Und all dies geschieht auf eine völlig umweltfreundliche Art und Weise. Diese Methode ist wesentlich kostengünstiger als herkömmliche Bootsstudien und kann ohne Störung der Umwelt bei allen Wetterbedingungen durchgeführt werden“, erklärte NDP weiter.

Der Projekterfolg hat zudem den Weg für weitere Forschungen geebnet: „Wir werden diese Methode mit Tümmlern und anderen Delfinarten in Namibia und Südafrika weiterentwickeln.“ So wolle die Doktorandin der Universität Stellenbosch, Sasha Dines, die Technik verfeinern und mit der Akustik-Methode die Population der gefährdeten Buckeldelfine in Südafrika erforschen. Zur gleichen Zeit forsche der Doktorand von der Universität von Kapstadt, Jack Fearey, weiterhin an der namibischen Küste. NDP-Forscherin Bridget James arbeite weiter an der Verfeinerung der Fotoidentifizierungsmethode und an anderen genetischen Analysen, derweil Barry Delfine in Australien studiere.

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